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Investitionsfreibetrag, Gewinnfreibetrag und geringwertige Wirtschaftsgüter
Rechtsinfo

Investitionsfreibetrag, Gewinnfreibetrag und geringwertige Wirtschaftsgüter

Der Investitionsfreibetrag (IFB) beträgt bis Ende 2026 20 bzw. 22 % und sinkt per 01.01.2027 auf 10 bzw. 15 %. Der Gewinnfreibetrag (GFB) beträgt bis zu 15 % und die Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter bleibt auch für 2027 bei 1.000 Euro.

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Investitionsfreibetrag (IFB)

Um die Konjunktur anzukurbeln, wurde der IFB für Anschaffungs- oder Herstellungskosten, die nachweislich auf den Zeitraum nach dem 31. Oktober 2025 und vor dem 01. Jänner 2027 entfallen, auf 20 % der begünstigten Anschaffungs- oder Herstellungskosten und bei Wirtschaftsgütern, deren Anschaffung oder Herstellung dem Bereich Ökologisierung zuzuordnen ist, auf 22 % erhöht. Aus budgetären Gründen gilt für die Monate November und Dezember 2025 nur der zeitlich anteilige Höchstbetrag von 166.667  Euro (= 2/12 von 1 Mio.), allerdings kann ein Überhang unter Umständen in das Jahr 2026 (!) vorgetragen werden.

Mit 01.01.2027 gehen diese Sätze auf 10 bzw. 15 % zurück. 

Abgrenzung

Wird die Anschaffung oder Herstellung erst nach dem 31. Dezember 2026 beendet, steht die Erhöhung nur zu, wenn der Investitionsfreibetrag für die im begünstigten Zeitraum aktivierten Teilbeträge geltend gemacht wird. 

Beispiele 

Beispiel 1: Der Einzelunternehmer A beginnt im Jänner 2024 einen Herstellungsvorgang, der im Dezember 2025 endet. Hinsichtlich der Herstellungskosten ist abzugrenzen: Insoweit die Herstellungskosten auf das Jahr 2024 sowie auf die Monate Jänner bis Oktober 2025 entfallen, kann A den Investitionsfreibetrag in regulärer Höhe geltend machen (10 % bzw. 15 %). Für die auf die Monate November und Dezember des Jahres 2025 entfallenden Herstellungskosten kann A hingegen den befristet erhöhten Investitionsfreibetrag (20 % bzw. 22 %) geltend machen. Diese Abgrenzung wäre für das Jahr 2025 ebenso vorzunehmen, wenn A den Investitionsfreibetrag bereits im Jahr 2024 von aktivierten Teilbeträgen der Herstellungskosten geltend gemacht hätte. 

Beispiel 2:   Der Einzelunternehmer B beginnt im Oktober 2026 einen Herstellungsvorgang und macht den Investitionsfreibetrag bereits für die aktivierten Teilbeträge geltend. Im Juni 2027 endet der Herstellungsvorgang. Ihm steht für die im Jahr 2026 aktivierten Teilbeträge der befristet erhöhte Investitionsfreibetrag zu, für die verbleibenden Teilbeträge steht ihm der Investitionsfreibetrag in regulärer Höhe zu. 
Variante: B aktiviert die Teilbeträge für das Jahr 2026, macht den Investitionsfreibetrag aber erst im Jahr des Abschlusses des Investitionsvorgangs (2027) von den gesamten Herstellungskosten geltend. Ihm steht für die gesamten Herstellungskosten nur der Investitionsfreibetrag in regulärer Höhe zu. 

Der Investitionsfreibetrag kann auch zu einem steuerlichen Verlust führen. Verluste, die durch Geltendmachung eines Investitionsfreibetrags entstehen oder sich erhöhen, sind voll ausgleichs- und vortragsfähig.

Für welche Anschaffungen kann der IFB genutzt werden?

Ein IFB kann nur für Wirtschaftsgüter angesetzt werden, die

  • eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von mindestens 4 Jahren haben und
  • inländischen Betrieben oder inländischen Betriebsstätten zuzurechnen sind, wenn der Betrieb oder die Betriebsstätte der Erzielung von betrieblichen Einkünften dient. Dabei gelten Wirtschaftsgüter, die aufgrund einer entgeltlichen Überlassung überwiegend außerhalb eines Mitgliedstaates der EU oder des EWR eingesetzt werden, als nicht einem inländischen Betrieb oder einer inländischen Betriebsstätte zugerechnet.
  • Der IFB kann insgesamt höchstens von Anschaffungs- oder Herstellungskosten in Höhe von 1 Mio. Euro im Wirtschaftsjahr geltend gemacht werden (Aliquotierung bei Rumpfwirtschaftsjahren).
  • Die Absetzung für Abnutzung (AfA) wird durch den Investitionsfreibetrag nicht berührt.
  • Wird der Gewinn mittels Pauschalierung (nach § 17 EStG oder einer entsprechenden Verordnung) ermittelt, steht der IFB nicht zu.

Für welche Investitionen gilt ein erhöhter IFB?

Die sogenannte Öko-IFB-Verordnung regelt, für welche Investitionen ein IFB in Höhe von 22 % (bzw. ab 01.01.2027 nur mehr 15 %) genutzt werden kann:

  1. Wirtschaftsgüter, auf die das Umweltförderungsgesetz oder das Klima- und Energiefondsgesetz anwendbar ist und für die von der zuständigen Förderstelle Kommunalkredit Public Consulting GmbH (KPC) eine Förderung nach den genannten Rechtsgrundlagen gewährt wird oder plausibilisiert wird, dass die inhaltlichen Voraussetzungen für die Zuerkennung einer Förderung vorliegen.
  2. Nachhaltige Mobilität - konkret: Elektro-Kraftfahrzeuge, Brennstoffzellenfahrzeuge, E-Sonderfahrzeuge, öffentliche und nicht öffentlich zugängliche E-Ladestationen, an denen ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energieträgern als Antriebsenergie für Elektrofahrzeuge erhältlich ist inklusive intelligente Ladekabel, öffentliche als auch nicht öffentlich zugängliche Wasserstofftankstellen, an denen ausschließlich Wasserstoff aus erneuerbaren Energieträgern als Antriebsenergie für Brennstoffzellenfahrzeuge erhältlich ist.
  3. Fahrräder, Transporträder, Spezialfahrräder jeweils mit und ohne Elektroantrieb und Fahrradanhänger
  4. Wirtschaftsgüter, die der Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene dienen
  5. Wirtschaftsgüter zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen
  6. Anlagen zur Speicherung von Strom in Form eines stationären Systems, das elektrische Energie aus erneuerbaren Quellen in Akkumulatoren aufnimmt und in einer zeitlich verzögerten Nutzung wieder zur Verfügung stellt.
  7. Wirtschaftsgüter zur Erzeugung von Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen

Für welche Wirtschaftsgüter kann der IFB NICHT geltend gemacht werden?

  • Wirtschaftsgüter, die zur Deckung eines investitionsbedingten Gewinnfreibetrages herangezogen werden,
  • Wirtschaftsgüter, für die in § 8 des EStG ausdrücklich eine Sonderform der Absetzung für Abnutzung vorgesehen ist, ausgenommen Kraftfahrzeuge mit einem CO2-Emissionswert von 0 g/km, Wärmepumpen, Biomassekessel, Fernwärme- bzw. Kältetauscher, Fernwärmeübergabestationen und Mikronetze zur Wärme- und Kältebereitstellung in Zusammenhang mit Gebäuden.
  • geringwertige Wirtschaftsgüter, die sofort abgesetzt werden,
  • unkörperliche Wirtschaftsgüter, die nicht den Bereichen Digitalisierung, Ökologisierung oder Gesundheit/Life-Science zuzuordnen sind. Ausgenommen vom IFB bleiben jedoch stets jene unkörperlichen Wirtschaftsgüter, die zur entgeltlichen Überlassung bestimmt sind oder von einem konzernzugehörigen Unternehmen bzw. von einem einen beherrschenden Einfluss ausübenden Gesellschafter erworben werden,
  • gebrauchte Wirtschaftsgüter,
  • Anlagen, die der Förderung, dem Transport oder der Speicherung fossiler Energieträger dienen sowie Anlagen, die fossile Energieträger direkt nutzen (wurde genauer in der Fossile-Energieträger-Anlagen-Verordnung definiert).

Geltendmachung

Der IFB kann nur im Jahr der Anschaffung oder Herstellung geltend gemacht werden. Erstreckt sich die Anschaffung oder Herstellung über mehr als ein Wirtschaftsjahr, kann der IFB bereits von aktivierten Teilbeträgen genutzt werden (siehe obige Beispiele).

Scheiden Wirtschaftsgüter, für die der IFB in Anspruch genommen wurde, vor Ablauf der Frist von 4 Jahren aus dem Betriebsvermögen aus oder werden sie ins Ausland – ausgenommen im Falle der entgeltlichen Überlassung in einen Mitgliedstaat der EU/des EWR – verbracht, gilt Folgendes:

  • Der IFB ist im Jahr des Ausscheidens oder des Verbringens insoweit gewinnerhöhend anzusetzen.
  • Im Falle der Übertragung eines Betriebes ist der gewinnerhöhende Ansatz beim Rechtsnachfolger bzw. der Rechtsnachfolgerin vorzunehmen.
  • Im Falle des Ausscheidens infolge höherer Gewalt oder behördlichen Eingriffs unterbleibt der gewinnerhöhende Ansatz.

Voraussetzungen für die Geltendmachung sind:

  • Der IFB wird in der Steuererklärung oder Feststellungserklärung an der dafür vorgesehenen Stelle ausgewiesen.
  • Bei Wirtschaftsgütern, für die der IFB genutzt wird, ist dieser im Anlageverzeichnis auszuweisen

Eine vorausschauende betriebliche Steuerplanung lohnt sich. Dies gilt für die Art und den Zeitpunkt von Investitionen, die optimale Nutzung des Investitionsfreibetrags oder auch des investitionsbedingten Gewinnfreibetrags, oder um ertragsteuerliche Progressionsstufen zu glätten und vieles mehr.

Gewinnfreibetrag (GFB)

Mit dem Gewinnfreibetrag können sowohl als Einnahmen-Ausgaben-Rechner als auch als Bilanzierer einen Teil des steuerlichen Gewinnes (ausgenommen Veräußerungsgewinne und bestimmte Einkünfte aus betrieblichem Kapitalvermögen) durch Investitionen in körperliche, abnutzbare, ungebrauchte Wirtschaftsgüter mit einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von mindestens 4 Jahren beziehungsweise bestimmte Wertpapiere (alle Anleihen sowie Anleihen- und Immobilienfonds, welche als Deckungswertpapiere für die Pensionsrückstellung zugelassen sind sowie Bundesschatz) steuerfrei stellen:

15 % bis Gewinn von 33.000 Euro
13 % für Gewinnanteil zwischen 33.000 und 178.000 Euro
7 % für Gewinnanteil zwischen 178.000 und 353.000 Euro
4,5 % für Gewinnanteil zwischen 353.000 und 583.000 Euro

Begünstigte Wertpapiere können übrigens 2026 vorläufig letztmals zur Deckung des investitionsbedingten Gewinnfreibetrags herangezogen werden. Tätigen Sie Order unter Berücksichtigung der Feiertage rechtzeitig, denn sie müssen bei einem Regelwirtschaftsjahr spätestens zum 31.12.2026 am Wertpapierdepot gebucht sein.

Um Ihr Unternehmensergebnis noch vor dem Jahreswechsel optimal im Rahmen der hierfür vorgesehenen steuerlichen Wahlrechte zu gestalten, empfehlen wir Ihnen zeitgerecht eine Vorschaurechnung.

Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG)

Falls ein abnutzbares Anlagegut nicht mehr als 1.000 Euro kostet, können die Anschaffungs- oder Herstellungskosten sofort unter dem Titel "geringwertiges Wirtschaftsgut" als Betriebsausgabe abgesetzt werden (netto für alle, denen Vorsteuerabzug zusteht). Dieser Wert bleibt für 2027 unverändert.

Stand: Oktober 2026

Ihre Ansprechpartnerin

Mag. Maria Wottawa

Mag. Maria Wottawa

Leitung Mitgliederservice E-Mail senden +43 1 5330952-14
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