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Best Practice Hotel Reiter's Supreme Lehrlinge
Interview

Best Practice Hotel Reiter's Supreme Lehrlinge

Gute Ausbildung stärkt nicht nur Fachwissen, sondern auch Selbstvertrauen und Eigenverantwortung. Im ÖHV-Interview zeigen Nikola und Karl J. Reiter vom Reiter’s Supreme Hotel, wie gelebte Unternehmenskultur, persönliche Begleitung und echte Entwicklungschancen die Lehre zum Recruitingvorteil machen.

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ÖHV: Ihr Betrieb hat bei der österreichweiten Lehrlingsbefragung von ÖHV und EUCUSA  besonders gut abgeschnitten. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Karl J. Reiter: Die Auszeichnung freut uns sehr. Noch wichtiger als das Ergebnis ist für uns aber die Entwicklung der jungen Menschen, die ihre Ausbildung bei uns absolvieren.

Wir sehen die Lehre als Investition in die Zukunft – nicht nur in jene unseres Unternehmens, sondern vor allem in die Zukunft jedes einzelnen Lehrlings. Junge Menschen sollen bei uns nicht nur einen Beruf erlernen. Sie sollen Selbstvertrauen entwickeln, Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und ihre eigenen Stärken entdecken.

Nikola Reiter: Die Befragung ist für uns auch deshalb wertvoll, weil sie einen ehrlichen Einblick in die Sicht unserer Lehrlinge ermöglicht. Sie zeigt uns, was bereits gut gelingt und wo wir noch besser werden können. Gute Ausbildung bedeutet schließlich auch, zuzuhören und gemeinsam zu lernen.

ÖHV: Was ist die Grundlage dafür, dass sich Lehrlinge im Betrieb gut entwickeln können?

Karl J. Reiter: Entscheidend ist die Unternehmenskultur. Wie geht man grundsätzlich mit Menschen um? Begegnet man ihnen auf Augenhöhe? Bezieht man sie ein und traut man ihnen etwas zu?

Unsere Werte – Wertschätzung, klare Kommunikation, Entscheidungsfreiheit, Vorbildwirkung, Gästeorientierung und Teamgeist – sollen nicht nur auf dem Papier stehen. Sie werden im Alltag und auch in unseren Morgenmeetings immer wieder aufgegriffen.

Dabei unterscheiden wir nicht zwischen Lehrlingen und anderen Mitarbeiter:innen. Für alle gilt unser Grundsatz: Hier arbeiten nette Menschen für nette Menschen. Lehrlinge gehören deshalb mitten ins Team.

ÖHV: Reiters beschäftigt rund 340 Mitarbeiter:innen. Wie kann in einem so großen Betrieb trotzdem persönliche Betreuung gelingen?

Nikola Reiter: Größe darf nicht automatisch Distanz bedeuten. Unsere Mitarbeiter:innen und Lehrlinge können jederzeit auf uns zukommen. Wir schaffen bewusst Gelegenheiten, bei denen man miteinander spricht, gemeinsam frühstückt oder sich abseits des unmittelbaren Arbeitsdrucks austauscht.

Eine wichtige Rolle übernehmen dabei unsere Abteilungsleiter:innen und unser Bereich People and Culture. Gleichzeitig lässt sich persönliche Begleitung nicht an eine einzelne Person delegieren. Wir alle müssen aufmerksam sein, zuhören und wahrnehmen, was junge Menschen gerade beschäftigt.

Viele Lehrlinge wohnen erstmals nicht mehr zu Hause, sondern in einem Mitarbeiterwohnhaus. Auch deshalb ist ein regelmäßiger Austausch wichtig.

ÖHV: Was brauchen junge Menschen von ihren Ausbilder:innen?

Nikola Reiter: Zunächst müssen Ausbilder:innen Freude daran haben, junge Menschen zu begleiten, Wissen weiterzugeben und sich Zeit für ihre Entwicklung zu nehmen. Ihr Engagement prägt den Erfolg einer Lehre wesentlich.

Jugendliche befinden sich in einer intensiven Entwicklungsphase. Sie sind nicht jeden Tag gleich und beschäftigen sich manchmal mit Themen, die gar nichts mit dem Betrieb zu tun haben. Dafür braucht es Verständnis.

Das heißt nicht, dass es keine klaren Regeln oder Erwartungen geben soll. Aber man muss erkennen können, wann ein junger Mensch Unterstützung braucht. Diese Haltung muss in allen Bereichen gelebt werden – in der Küche genauso wie im Service oder in der Kosmetik.

Karl J. Reiter: Gleichzeitig brauchen Jugendliche Vertrauen und Entscheidungsfreiheit. Wer Verantwortung übernehmen soll, muss auch die Gelegenheit bekommen, Entscheidungen zu treffen und aus Erfahrungen zu lernen.

Wir sagen immer: "Hier arbeiten nette Menschen für nette Menschen & Lehrlinge gehören mitten ins Team!"

Karl J. & Nikola Reiter
Reiter's Supreme Hotel

ÖHV: Wie schaffen Sie einen guten Einstieg in den Betrieb?

Nikola Reiter: Der erste Arbeitstag ist bei uns ein gemeinsamer Infotag. Die neuen Mitarbeiter:innen und Lehrlinge lernen die Abteilungen kennen, erhalten eine Einführung in unsere Unternehmensphilosophie, machen eine Hausführung und essen gemeinsam zu Mittag.

Das reduziert Unsicherheiten und erleichtert den Einstieg. Zusätzlich hilft es, wenn neue Lehrlinge auf Jugendliche aus höheren Lehrjahren treffen. Diese können als eine Art Buddy unterstützen, Fragen beantworten und Orientierung geben.

Gerade für 15- oder 16-Jährige ist es wichtig, nicht allein in einem großen Team zu sein. Eine Gemeinschaft unter Gleichaltrigen gibt Sicherheit.

ÖHV: Wie erreichen Sie Jugendliche, die sich noch nicht sicher sind, ob die Hotellerie zu ihnen passt?

Nikola Reiter: Viele Jugendliche kennen ein Hotel nur aus der Sicht des Gastes. Deshalb sind Schnupper- und berufspraktische Tage für uns besonders wichtig. Erst durch einige Tage im Betrieb bekommen sie einen realistischen Eindruck von den verschiedenen Berufen und können herausfinden, ob sie sich eine Ausbildung in der Hotellerie vorstellen können.

Wir sind auf ausgewählten Karrieremessen vertreten, pflegen enge Kontakte zu Schulen und versuchen möglichst vielen Interessierten einen Einblick in den Betrieb zu ermöglichen. Dass Schulen uns regelmäßig weiterempfehlen, ist für uns ein sehr wertvolles Zeichen.

Auch die Familie ist im Betrieb präsent. Lehrlinge und Praktikant:innen nehmen beispielsweise an Ausflügen auf unsere Landwirtschaft teil. Dabei erzählen wir persönlich von der Geschichte des Unternehmens und davon, wie sich der Betrieb entwickelt hat.

ÖHV: Welche Rolle spielen Benefits, Freizeitangebote und die Dienstplanung?

Nikola Reiter: Natürlich muss ein Betrieb seinen Mitarbeiter:innen etwas bieten. Dazu gehören bei uns beispielsweise Sportmöglichkeiten, ein Fitnessraum, Freizeitaktivitäten und bei uns im Speziellen: gemeinsame Mitarbeiterreisen seit vielen vielen Jahren.

Wir bemühen uns außerdem, Dienstpläne rechtzeitig bereitzustellen und individuelle Wünsche zu berücksichtigen. Weil die Pläne direkt von den Abteilungsleiter:innen erstellt werden, kann die Abstimmung persönlich und unkompliziert erfolgen.

ÖHV: Wie nutzen Sie die Ergebnisse der Lehrlingsbefragung für die weitere Entwicklung?

Nikola Reiter: Wir besprechen die Ergebnisse gemeinsam mit unseren Lehrlingen und Abteilungsleiter:innen. Das gute Resultat wollen wir natürlich auch feiern, denn es ist eine Leistung des gesamten Teams.

Gleichzeitig schauen wir genau hin, wo wir noch besser werden können. Ein Thema ist bei uns beispielsweise die stärkere Anerkennung besonderer Leistungen. Daran können wir sehr konkret arbeiten.

Die Ergebnisse helfen uns auch beim Recruiting. In Bewerbungsgesprächen können wir Jugendlichen und ihren Eltern transparent zeigen, wie unsere Lehrlinge den Betrieb tatsächlich erleben. Das ist glaubwürdiger, als wenn wir nur selbst sagen, dass wir ein guter Ausbildungsbetrieb sind.

ÖHV: Ist eine Lehre für Sie dann erfolgreich, wenn die Absolvent:innen langfristig im Unternehmen bleiben?

Karl J. Reiter: Wir übernehmen gute Lehrlinge sehr gerne. Gleichzeitig finden wir es wertvoll, wenn junge Menschen nach ihrer Ausbildung auch andere Betriebe, Regionen und Arbeitsweisen kennenlernen.

Besonders schön ist es, wenn sie später mit neuen Erfahrungen zu uns zurückkehren. Das ist bereits mehrfach passiert.

Unser Ziel ist nicht, junge Menschen möglichst früh an den Betrieb zu binden. Wir möchten ihnen ein Umfeld bieten, in dem sie sich fachlich, menschlich und persönlich entfalten können. Wenn sie am Ende sagen, dass sie bei uns nicht nur einen Beruf gelernt, sondern sich auch als Persönlichkeit weiterentwickelt haben, dann haben wir vieles richtig gemacht.

Nikola Reiter: Und als Branche sollten wir diese Chancen selbstbewusster zeigen. Die Hotellerie bietet abwechslungsreiche Aufgaben, internationale Begegnungen und vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten. Gute Ausbildungsbetriebe müssen sichtbarer werden – für Jugendliche ebenso wie für ihre Eltern.

Das Interview ist eine Zusammenfassung des Gesprächs mit Familie Reiter in unserem Online-Talk “Die ÖHV präsentiert die Ergebnisse der Lehrlingsumfrage” vom 16. Juli 2026.
Link zur Aufzeichnung

Wir wünschen den Lehrlingen: Amelie Schaffer, Annalena Schlager, Moritz Marton und Valentin Hödl weiterhin alles Gute und sind gespannt, wo die Reise hingeht!

Mag.(FH) Kristin Oberweger

Mag.(FH) Kristin Oberweger

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