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Umfrageergebnis Lehrlingsspiegel Hotellerie 2026
Studie

Umfrageergebnis Lehrlingsspiegel Hotellerie 2026

Lehrlinge verstehen. Maßnahmen gezielt setzen. Branche stärken.

Die ÖHV und EUCUSA haben erstmalig die Zufriedenheit und die Arbeits- und Ausbildungssituation der Lehrlinge in ÖHV-Mitgliedsbetrieben erhoben. Wir zeigen belastbare Einblicke, was Lehrlingen in ihrer Ausbildung wichtig ist und wo Betriebe gezielt ansetzen können.

Lesezeit: 

Wichtige Ergebnisse im Überblick

Wir schauen hin. Hier finden Sie Auszüge aus dem anonymisierten Ergebnisbericht über die gesamte Branche. 

  • 291 Lehrlinge aus ganz Österreich haben an der Umfrage teilgenommen. Das entspricht bei 3.676 Lehrlingen in der Hotellerie einem Anteil von 7,9 %.
    (Ende Februar 2026 beschäftigte Lehrlinge in Betrieben mit NACE-Klassifizierung I5510 - Hotels, Gasthöfe und Pensionen, Quelle AMS Österreich)
  • Über die Auswertung aller Fragen hinweg ergibt sich eine Zufriedenheit von 2,3 auf einer Skala von 1 bis 6. Der/Die durchschnittliche arbeitende Österreicher:in (Durchschnitt aus allen österreichweiten Studien von EUCUSA) weist eine Zufriedenheit von 2,7 auf.
  • Lehrlinge in der Hotellerie sind also durchschnittlich tendenziell zufriedener als erwachsene Mitarbeitende.

Top 5 Verbesserungspotenziale und Stärken auf einen Blick

Verbesserungspotenziale
Relative Stärken
1. Arbeitsklima1. Spaß an der Arbeit
2. Dienstzeiten2. Hilfsbereitschaft durch Kollegen
3. Beruf und Freizeit3. Erreichbarkeit eines Ansprechpartners
4. Offenheit zwischen Kollegen4. Fairness
5. Stellenwert der Lehrlinge5. Kenntnis der Erwartungen

Zufriedenheit nach Lehrjahren

In der Studie zeigt sich klar, dass die Zufriedenheit im 1. Lehrjahr am höchsten ist, diese sinkt dann mit zunehmender Lehrdauer. Im 4. Lehrjahr steigt die Zufriedenheit wieder, allerdings war in dieser Gruppe die Stichprobe sehr klein (<10 Personen).

Zufriedenheit nach Betriebsgröße

Je größer die Hotels sind, desto tendenziell unzufriedener sind die Lehrlinge. Dieser Punkt und auch weitere Auswertungen (siehe weiter unten) deuten darauf hin, dass die Jugendlichen flache Strukturen und die rasche Erreichbarkeit von Ansprechpersonen schätzen. In kleineren Hotels wird auch der Stellenwert der Lehrlinge mit größerer Zufriedenheit beurteilt.

 

Zufriedenheit nach Lehrberuf

Signifikant am zufriedensten sind die Lehrlinge der Hotelkauffrau oder des Hotelkaufmanns, dicht gefolgt von Hotel- und Restaurantfachfrauen und -männern.  Am unzufriedensten zeigen sich die Lehrlinge der Gastronomiefachfrauen bzw. -männer. Diese Lehrberuf ist die ehemalige Doppellehre “Koch/Kellner”. 

Spaß und Teamspirit schaffen große Zufriedenheit bei den Jugendlichen

In der Studie wurde die Zufriedenheit aber auch die Wichtigkeit der Faktoren abgefragt. Besonders wichtig und auch besonders zufrieden sind die Jugendlichen mit dem Faktor “Spaß an der Arbeit”. 

Aber auch die Punkte “Hilfsbereitschaft durch Kollegen”, “Erreichbarkeit eines Ansprechpartners”, “Fairness” und “Kenntnis der Erwartungen” liegen im grünen oberen Mittelfeld und werden als besonders wichtig und auch als zufriedenstellend erfüllt, erachtet.

Offenbar treffen hier die Erwartungen der Jugendlichen, wie vielfältiges Arbeiten, Nähe zu Vorgesetzten, tragfähige Teams und klare Rahmenbedingungen hervorragend mit der Berufsausbildung in der Hotellerie zusammen. 

Verbesserungspotenziale 

Im roten Bereich finden sich die Punkte  “Dienstzeiten” und “Beruf und Freizeit”. Hier haben wir konkret abgefragt, ob die Dienstpläne rechtzeitig, also 14 Tage im Voraus, aufgehängt werden und wie gut sich Beruf und Familie bzw. Freizeit bei der Ausübung des Jobs vereinbaren lassen.

Die Punkte “Arbeitsklima”, “Offenheit zwischen Kollegen” und auch der “Stellenwert der Lehrlinge” befinden sich im gelben Bereich liegen aber auch bei der Wichtigkeit hoch. Am wichtigsten wird der Punkt “Arbeitsklima” eingestuft - dieser befindet sich zwar nicht im roten Bereich, könnte aber durch auf die Teams abstimmte Maßnahmen verbessert werden. 

In der detaillierten Regressionsanalye konnte festgestellt werden, dass bei Verbesserung dieser oben genannten Faktoren auch die Bewertung des Lehrlingsgehalts subjektiv verbessert wird. Eine Verbesserung des Arbeitsklimas und auch der eingehaltenen Dienstpläne verbessert somit auch die Wahrnehmung des Lehrlingsgehalts und “zahlt somit auf dieses ein”.

Die Umfrageergebnisse im Detail

Die Arbeitssituation

Im Folgenden finden Sie die Bewertung der einzelnen Aspekte rund um die Arbeitssituation. Diese wird grundsätzlich mit 2,2 bewertet, Verbesserungspotenzial gibt es bei den Bereichen “Ideen einbringen”, “Arbeitsklima” und “Beruf und Freizeit”. 

Manche Faktoren wurden herausragend gut beurteilt - wie “Kenntnis der Erwartungen". Untenstehend finden Sie genauere Infos auf den Folien.

Die Bewertung der Arbeitssituation im Detail

Führung & Arbeitsabläufe

Die Führung wird mit 2,3 als grundsätzlich gut bewertet. Die Branche hat bei Lehrlingen kein Motivationsproblem im engeren Sinn. Viele haben Freude an der Arbeit und sehen Sinn in der Tätigkeit. Das Risiko liegt bei Bindung, Planbarkeit und sozialer Qualität.

Die wichtigste Managementfrage lautet daher nicht: „Wie begeistern wir Lehrlinge für den Beruf?“
Sondern: „Wie verhindern wir, dass gute Anfangsmotivation durch Dienstpläne, mangelnde Wertschätzung und schwaches Klima verloren geht?“

Die Bewertung der Führung im Detail

 

Die Bewertung der Arbeitsabläufe im Detail

Empfohlene Maßnahmen für die Verbesserung der Lehrlingsbindung und Zufriedenheit

  • Dienstzeiten planbarer machen: 14-Tage-Planung wirklich einhalten, kurzfristige Änderungen begründen, Dienstplanqualität messen, höhere Verlässlichkeit.
  • Arbeitsklima aktiv führen: Teamkonflikte, Umgangston, Fairness und Offenheit nicht dem Zufall überlassen.
  • Lehrlinge sichtbarer wertschätzen: Stellenwert erhöhen, Leistungen anerkennen (Anerkennungssystem auch in kleineren Hotels), regelmäßige Feedbackgespräche, Lehrlinge nicht nur als Arbeitskraft behandeln.
  • Mitgestaltung ermöglichen: Ideenrunden, Lehrlingsfeedback, kleine Verbesserungsprojekte.
  • Bindungsrisiko früh erkennen: Besonders im 2. und 3. Lehrjahr thematisieren

Gehaltsniveau

Dieser Punkt polarisiert die Lehrlinge - insgesamt 46% sagen, dass sie ihr Lehrlingseinkommen im Vergleich zu anderen Branchen als angemessen empfinden. 21% lehnen diese Aussage komplett ab.

Betriebsverbleib und Branchenverbleib

66% der Jugendlichen sagen, dass sie Lust haben, auch nach Abschluss der Lehre im Betrieb zu bleiben. 27% sagen dezidiert nein und möchten andere Betriebe kennenlernen. 

Ein größerer Anteil möchte grundsätzlich in der Branche zu bleiben: 74% stimmen dieser Aussage zu, das bedeutet aber auch, dass knapp ein Fünftel die Branche verlassen möchte. (Anm.: 7% haben diese Frage nicht beantwortet.)

Gesamtzusammenfassung

Zu den positiven Aspekten zählen eine starke Teamarbeit, abwechslungsreiche Aufgaben sowie Möglichkeiten zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung

Zu den immer wiederkehrenden negativen Aspekten zählen hingegen eine schlechte Behandlung der Auszubildenden, übermäßige Arbeitsbelastung, mangelnde Anerkennung sowie unzureichende Unterstützung oder Schulung. Viele äußern zudem Unzufriedenheit mit den Arbeitszeiten, der geringen Bezahlung und der mangelnden Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
 

Arbeit macht Spaß, aber Rahmenbedingungen belasten

„Meine Arbeit macht mir Spaß“ liegt bei 2,0, sehr positiv. Gleichzeitig ist „Beruf und Freizeit in Einklang bringen“ mit 3,0 eines der schwächsten Ergebnisse, und „Dienstzeiten rechtzeitig bekannt“ mit 3,1 das schwächste Einzelergebnis. 

Das heißt: Das Problem ist weniger die Tätigkeit selbst, sondern Planbarkeit und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

Quick Facts & Kontakt

  • Die Ergebnisse helfen der ÖHV, konkrete Handlungsfelder für Lehrlinge sichtbar zu machen. Sie liefern eine fundierte Grundlage, um Maßnahmen für bessere Ausbildungsbedingungen, gezieltere Unterstützung der Betriebe und eine stärkere Positionierung der Hotellerie als attraktiver Ausbildungsbereich abzuleiten.

    Gleichzeitig kann die ÖHV die Erkenntnisse für Interessenvertretung, Imagearbeit und Kommunikation nutzen – etwa gegenüber Politik, Öffentlichkeit, potenziellen Lehrlingen und deren Eltern. So wird sichtbar: Die Branche hört zu, nimmt Rückmeldungen ernst und entwickelt die Ausbildung aktiv weiter.

  • EUCUSA hat bereits mehr als 25 Jahre Erfahrung und in mehr als 1.700 Projekten, mehr als 300.000 Ergebnisberichte zur Mitarbeitenden-Zufriedenheit ausgearbeitet. 

  • Die Teilnahme war freiwillig und es können keine Rückschlüsse auf konkrete Personen oder auf Hotels gezogen werden. Alle erfassten Daten werden ausschließlich durch EUCUSA verwaltet. An die Österreichische Hotelvereinigung werden die Ergebnisse ausschließlich zusammengefasst und anonym übermittelt. 

  • Für nähere Informationen zur Befragung kontaktieren Sie bitte die Befragungs-Hotline von EUCUSA unter 01 / 817 40 20 (MO-FR von 9:00 bis 17:00 Uhr) oder Kristin Oberweger persönlich.

  • Mehr Informationen zu den einzelnen acht klassischen Hotel-Lehrberufen finden Sie hier: Lehrberufe im Tourismus

Ihre Ansprechpartnerin

Mag.(FH) Kristin Oberweger

Mag.(FH) Kristin Oberweger

Mitgliederservice Arbeitsmarktinitiativen E-Mail senden +43 1 5330952-32

Alle Ergebnisse im Online-Talk

Wir präsentieren am 16.07. die gesamte Studie und Impulse für Ihre Lehrlings-Strategie. 

Wir freuen uns auf Sie!

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