Einleitung
Die Tourismusstrategie Niederösterreich 2025 definiert die „sanfte Tourismus-Mobilität“ ausdrücklich als Kernkompetenz des Landes. Nachhaltige Anreise, bessere Anbindung touristischer Attraktionen – etwa Radwege und Wandergebiete – an den öffentlichen Verkehr sowie die Reduktion des Individualverkehrs sind strategisch klar verankert. Diese Zielrichtung ist richtig und zukunftsweisend. In der praktischen Umsetzung zeigt sich jedoch, dass bei der konkreten Ausgestaltung regionaler Mobilitätslösungen weiterhin struktureller Handlungsbedarf besteht.
Mobilität entscheidet zunehmend über die Wettbewerbsfähigkeit einer Destination. Entsprechend braucht es jetzt eine verbindliche, praxisnahe und wirtschaftlich tragfähige Umsetzung der von der ÖHV definierten und nachstehend explizierten Reformvorschläge.
Die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) mit mehr als 1.700 Mitgliedsbetrieben österreichweit – davon 104 in Niederösterreich mit insgesamt 10.314 Betten – bringt ihre betriebliche Expertise aktiv in die Weiterentwicklung regionaler Mobilitätslösungen ein.
Mobilität als wirtschaftlicher Hebel
Mobilität ist kein reines Infrastrukturthema. Sie beeinflusst unmittelbar:
- Aufenthaltsdauer und Ausgabenstruktur
- Erreichbarkeit regionaler Angebote
- Verteilung von Gästeströmen
- Nachhaltigkeitsbilanz des Tourismus
- Investitionsattraktivität von Destinationen
Destinationen mit integrierten, digitalen und komfortablen Mobilitätslösungen gewinnen Marktanteile – insbesondere bei jüngeren und urbanen Zielgruppen. Mobilität ist damit ein Wertschöpfungsfaktor.
Bestehende Umsetzungslücken
Trotz strategischer Verankerung in der Tourismusstrategie Niederösterreich 2025 bestehen derzeit noch Lücken:
- Fragmentierte regionale Angebote
- Fehlende Messbarkeit erfolgreicher Pilotprojekte
- Unklare Finanzierung für die Umsetzung von Modellen
- Keine Überlegungen in Richtung digitaler Sichtbarkeit von Verkehrsanbindungen
- Fehlende systematische Datenauswertung
Reformvorschläge der ÖHV Niederösterreich:
Aufgrund des Wettbewerbsvorteils für die heimischen Hotellerie, müssen Überlegungen und Maßnahmen für eine Verbesserung der öffentlichen Erreichbarkeit rasch angegangen werden. Aus dem Wissen um die Erwartungen der Gäste, schlägt die ÖHV Niederösterreich deswegen folgendes vor:
Ganzheitliches Mobilitätskonzept
Von einem flächendeckenden und regelmäßigen öffentlichen Mobilitätsangebot sollen Gäste, Bevölkerung und Mitarbeiter:innen gleichermaßen profitieren
Regionale Leuchtturmprojekte
Pilotregionen sollen gezielt ermöglicht und begleitet werden, wie z. B. die in Ausarbeitung befindlichen Konzepte vom Mostviertel / Ybbstaler Alpen; Bereits erfolgreiche Modelle sollen gemessen und als Best Practice publiziert werden
Gästekarten als Mobilitätsinstrument
Regionale ÖV-Leistungen sollen in Gästekarten integriert und als klarer Mehrwert kommuniziert werden. Erfolgreiche Beispiele wie das Guest Mobility Ticket in Salzburg sollen als mögliches Best Practice für Niederösterreich gesichtet werden
Digitale Sichtbarkeit
Es muss sichergestellt werden, dass über die Endgeräte der Gäste die Echtzeitinformationen, Buchbarkeit und Schnittstellen zur Verfügung stehen
Datenbasierte Steuerung
Einführung eines Mobilitätsreports Niederösterreich mit klaren Kennzahlen zur Art der Anreise und Nutzung der Verkehrsmittel liefert
Transparente Finanzierung
Kosten-Nutzen-Modelle offen darstellen und den Mehrwert für Betriebe und Gäste nachvollziehbar kommunizieren
Mobilität muss als wirtschaftlicher Wettbewerbsfaktor priorisiert werden.
Einleitung
Touristische Prozesse sind in Niederösterreich weitgehend digitalisiert – vom Online-Vertrieb über automatisierte Buchungssysteme bis hin zur digitalen Gästekommunikation. Im Meldewesen hingegen sind, auch aufgrund bundesrechtlicher Vorschriften, weiterhin auch analoge und manuelle Abläufe Praxis. Hier besteht ein klarer Modernisierungsbedarf.
Ein landesweit einheitliches digitales Gästemeldewesen würde Hotellerie und Behörden gleichermaßen entlasten, Verwaltungsabläufe vereinfachen und gleichzeitig eine belastbare Datengrundlage für strategische Tourismusplanung schaffen.
Verwaltungsmodernisierung ist Standortpolitik.
Seit 2025 setzt die ÖHV bundesweit den Schwerpunkt „Entbürokratisierung“. Im Rahmen der Initiative „Weniger Bürokratie“ wurde das analoge Meldewesen von der Hotellerie als zentrales Reformfeld identifiziert.
Wirtschaftliche Bedeutung
Ein digitales Meldewesen bedeutet:
- Weniger administrativen Aufwand für Betriebe
- Mehr Zeit für Gästebetreuung und Wertschöpfung
- Effizienzsteigerung in Gemeinden
- Höhere Datenqualität
- Echtzeit-Statistiken für Marketing, Planung und Gästelenkung
- Signal für Innovations- und Standortqualität
Moderne Verwaltung stärkt die Wettbewerbsfähigkeit.
Bestehende Herausforderungen
Das sind die Mankos, die derzeit im Meldewesen bestehen:
- Manuelle Eingaben
- Überflüssige Meldeschritte
- Uneinheitliches Formularwesen (Mischung aus digital und analog)
- Fehlende einheitliche Standards
- Verzögerte statistische Auswertungen
- Hoher Verwaltungsaufwand in Gemeinden
Trotz vorhandener technischer Möglichkeiten werden Potenziale nicht genutzt.
Reformvorschläge der ÖHV-Niederösterreich:
Landesweit einheitliche digitale Lösung
Klare Standards, stringente Prozesse und Schnittstellen zu bestehenden Hotelsoftwaresystemen
Reduktion unnötiger Prozesse
Wegfall doppelter Erfassungen und manueller Übertragungen
Echtzeit-Statistik
Automatisierte Auswertung von Nächtigungen und Herkunftsmärkten
Entlastung der Gemeinden
Standardisierte, effiziente Prozesse mit hoher Datenqualität
Rechtssicherheit und Datenschutz
Klare Zuständigkeiten und moderne Datensicherheitsstandards
Basis für integrierte Services
Grundlage für digitale Gästekarten, Mobilitätslösungen und regionale Mehrwertprogramme
Die Einführung eines landesweit einheitlichen digitalen Meldewesens ist ein notwendiger Reformschritt zur Entbürokratisierung, sowie für ein modernes Gästemanagement.