Wir erfuhren es im September des Vorjahres aus den Medien: Die Wiener Ortstaxe sollte von 2,8% (3,2% des Nettonächtigungspreises abzüglich 11% Internationalisierungspauschale) auf 8,5% steigen – per Anfang Dezember! Was der Stadt nicht klar war: Viele Betten waren zu diesem Zeitpunkt schon gebucht – von privaten und Businessgästen, für die Weihnachtsfeiertage, für Kongresse viele Monate später: Für all diese Nächtigungen entweder im Nachhinein einer Ortstaxenerhöhung nachzulaufen oder selbst dafür aufzukommen wäre extrem kostspielig – und für viele Hotels ruinös gewesen.
Wir haben das der Stadt Wien erklärt – das Verständnis war enden wollend. Die Lösung der Stadt: 0,5% weniger Erhöhung, gestaffelt in zwei Jahresschritten, der erste per Juli 2026 statt Dezember 2025. Darüber wurden wir informiert – eine Zustimmung war weder notwendig noch erwünscht.
Das Schlimmste war verhindert. Doch jetzt zeigen aktuelle Reports, dass Auslastung, ADR und RePAR der Wiener Hotellerie im Juli und August – also seit Beginn der Ortstaxenerhöhung – massiv schwächeln, und zwar sowohl gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr als auch gegenüber dem bundesweiten Städtedurchschnitt (sogar inkl. Wien):
Nachfrage-Entwicklung und Preisdurchsetzung nach der Erhöhung der Ortstaxe
STR-Benchmark für Wien, Veränderung Juli/August 2026 ggü. 2025
| Kennzahl | Juli 2025 | Juli 2026 | +/- | August 2025 | August 2026 | +/- | |
| Auslastung | 73,6 % | 73,1 % | -0,5 PP | 75,3 % | 74,1 % | -1,5 PP | |
| ADR | 123,32 | 119,98 | -2,7 % | 115,60 | 114,10 | -1,3 % | |
| RevPAR | 90,7 | 87,7 | -3,3 % | 87,0 | 84,6 | -2,8 % |
STR-Benchmark für Österreich, Veränderung Juli/August 2026 ggü. 2025
| Kennzahl | Juli 2025 | Juli 2026 | +/- | August 2025 | August 2026 | +/- | |
| Auslastung | 74,5 % | 75,3 % | +1 PP | 76,2 % | 75,9 % | -0,5 PP | |
| ADR | 132,49 | 136,10 | +2,7 % | 133,25 | 139,08 | +4,4 % | |
| RevPAR | 98,7 | 102,4 | +3,8 % | 101,6 | 105,5 | +3,9 % |
Der STR-Benchmark ist ein Branchenvergleich für Hotels. Er zeigt anhand von Auslastung, durchschnittlicher Zimmerrate (ADR) und Erlös pro verfügbarem Zimmer (RevPAR), wie sich der Hotelmarkt entwickelt. Grundlage sind reale Daten, die aus den Hotelsystemen automatisiert an STR gemeldet werden. (Quelle: STR)
Diese Zahlen zeigen: Die Argumentation, dass der Gast die Ortstaxe bezahlt, greift zu kurz. Im Gegenteil, Auslastung und ADR sinken, der RevPAR in weiterer Folge ebenfalls. Wien verliert als Destination in jedem Fall an Wettbewerbsfähigkeit:
- Wenn Hotels die Ortstaxe vollständig an die Gäste weitergeben wollen, wird der Aufenthalt in Wien teurer – und das ohne jeden Mehrwert für den Gast!
- Kann die Erhöhung aufgrund des Wettbewerbs oder bestehender Verträge nicht weitergegeben werden, schmälert sie die Marge des Hotels und hemmt damit Investitionen und Innovationen.
Wettbewerbsfähigkeit stärken geht anders!
Was es jetzt braucht:
- Aussetzen der für Juli 2027 vorgesehenen Erhöhung auf 8 Prozent!
- Verbindliche, frühzeitige Einbindung der Branche bei weiteren Änderungen – Gespräche auf Augenhöhe!
- Touristische Zweckwidmung der Einnahmen aus der Ortstaxe
- Die Möglichkeit, die Ortstaxe auf allen Plattformen separat auszuweisen – ev. durch die Umstellung auf eine fixe Ortstaxe, nach Kategorien gestaffelt
Selbst der erste, kurzfristig helfende Teilerfolg – die Verhinderung der sofortigen Erhöhung auf 8,5%, also die Reduktion des Ortstaxensatzes von 8,5% auf 8%, die Aufteilung der Erhöhung auf zuerst 5% und das Inkrafttreten im Juli 2026 statt im Dezember 2025 – war ein kommunikativer Kraftakt. Möglich war das durch die Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammer, allen voran die Fachgruppe Hotellerie der WKW unter der Führung von Felix Neutatz und der Sparte Tourismus unter der Leitung von Dominic Schmid, und die Unterstützung von anderen Organisationen wie den Apartmentvermietern und politischen Parteien wie der ÖVP Wien und der FPÖ Wien.