Das ist ein realer Erfolg. Zugleich gilt: Von 20 vorgeschlagenen Indikatoren wurden 9 übernommen, mehrere betriebswirtschaftliche Kernforderungen blieben außen vor.
Unser zentraler Erfolg: messbare Ziele statt Absichtserklärungen
Jahrelang gab es entweder Tourismusstrategien ohne Ziele oder Regierungsprogramme mit unambitionierten Nächtigungszielen. Die Vision T bricht damit und ist mit neun Kernindikatoren und konkreten Zielwerten bis 2035 unterlegt. Das schafft Orientierung für Betriebe und Politik – und macht den Erfolg von Maßnahmen erstmals überprüfbar.
Diese ÖHV-/WIFO-Ziele wurden 1:1 übernommen:
- Reale Wertschöpfung: +10 % auf über 25 Mrd. Euro
Internationale Reiseverkehrseinnahmen: um mehr als 10 Mrd. Euro auf über 36 Mrd.
Eigenkapitalquote der Qualitätshotellerie: von unter 18% auf über 20%
- Ganzjahresbeschäftigte: von rund 134.600 auf über 160.000
- Nächtigungsanteil der Nebensaisonen: von 53,5% auf über 60 %
- Umweltzeichen-Betriebe: von 814 auf 1.500
- CO₂-Ausstoß: von rund 310.000 t auf unter 200.000 t
Kritisch betrachtet: nicht überall war der Bund so mutig wie wir
Beim einzigen Ziel, bei dem die Zahlen auseinandergehen, ist die Regierung weniger ambitioniert als die ÖHV. Wir hatten beim Tourismusakzeptanzsaldo einen Zielwert von +50 vorgeschlagen, die Vision T begnügt sich mit +40. Die Gästezufriedenheit (Ziel: Note 1,5) wurde ergänzt, war aber nicht Teil unseres Sets. Unter dem Strich heißt es, die Ergebnisziele stehen, die Messlatten hätten an einzelnen Stellen höher liegen können.
Die Lücke: Treiber-Kennzahlen fehlen
Die Vision T übernimmt die Ergebnis-Indikatoren – Wertschöpfung, Beschäftigung, Emissionen. Weggelassen wurden aber elf Kennzahlen, an denen sich betrieblicher Erfolg und politischer Handlungsbedarf am besten ablesen lassen:
- Produktivität je Arbeitsstunde (Rückstand auf den Branchenschnitt): kein Ziel
- Investitionsquote am Umsatz: kein Investitionsziel – trotz sinkender Investitionen
- Offene Stellen und Stellenandrangsziffer: konkrete Arbeitsmarkt-Engpässe fehlen
- Bruttogehälter im Branchenvergleich und Gender Pay Gap: nicht abgebildet
- Lehrlinge und Studienabschlüsse im Tourismus: keine Kennzahl zur Fachkräfte-Pipeline
- Aufenthaltsdauer, Bettenauslastung, Quellmarkt-Diversifikation: operative Rentabilitätstreiber fehlen
- Anteil erneuerbarer Energien und Energieverbrauch je Nächtigung: nur das CO₂-Ziel blieb
- Forschungskompetenzzentrum Tourismus: nicht aufgegriffen
Unsere Positionen: viel Rückenwind – aber die Fiskalfragen fehlen
Inhaltlich finden sich zahlreiche ÖHV-Anliegen als Zielbilder wieder. Verbindlich werden sie aber erst durch konkrete Maßnahmen und Budgets.
Adressiert – inhaltlich aufgegriffen:
- Bürokratieabbau, auch bei Betriebsübergaben – ein ÖHV-Dauerthema
- Entlastung beim Kostendruck – als Spannungsfeld klar benannt
- Eigenkapitalstärkung und Generationenwechsel – als eigene strategische Prioritäten
- Arbeitsmarktöffnung für Saison- und Fachkräfte aus EU und Drittstaaten
- Digitalisierung, KI, GEO, Datenräume und weniger Plattformabhängigkeit: ganzes Handlungsfeld
Nicht abgedeckt – hier bleiben wir dran:
- Steuer- und Abgabenquote auf höchstens 40 % bis 2030 – eine zentrale fiskalische Forderung fehlt.
- Senkung der Lohnnebenkosten und Steuern auf Arbeit – nicht konkretisiert, wenngleich die Bunderegierung für 2028 die Senkung um 1% beschlossen hat.
- Budgets und Deadlines – die Strategie verweist auf Aktionspläne ohne konkrete Mittelzusagen.
Unser Fazit
Die ÖHV hat die Methode durchgesetzt: messbare Ziele, drei Nachhaltigkeitsdimensionen, Zieljahr 2035. Unsere Ergebnisziele sind weitgehend wortgleich verankert. Was fehlt, sind die fiskalpolitischen Kernforderungen und die betriebswirtschaftlichen Treiber-Indikatoren. Der eigentliche Hebel liegt damit jetzt bei der Umsetzung – bei Maßnahmen, Budgets und einem laufenden Monitoring. Genau dort werden wir die Bundesregierung beim Wort nehmen.