Wiens Hotellerie lehnt angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung die nächste geplante Erhöhung der Ortstaxe ab. Diese wurde erst Anfang Juli 2026 von 3,2 Prozent auf 5 Prozent erhöht, mit Juli 2027 soll sie auf 8 Prozent steigen. „Dazu ist heuer auch noch ein Pauschalabzug auf die Berechnungsbasis weggefallen, unterm Strich war damit die Erhöhung sogar noch mehr“, so Felix Neutatz, Obmann der Fachgruppe Hotellerie in der Wirtschaftskammer Wien.
August: Auslastung, Zimmerpreis und Erlöse unter Vorjahr
„Rekordnächtigungen dürfen nicht über sinkende Erlöse hinwegtäuschen. Die Ortstaxe noch einmal massiv anzuheben wäre falsch“, verweist Neutatz auf den STR-Hotelbenchmark mit Daten von 183 Wiener Hotels mit 32.087 Zimmern.
Im August 2026 lag die durchschnittliche Auslastung bei 74,1 Prozent nach 75,3 Prozent im August 2025.
Der durchschnittlich erzielte Zimmerpreis (ADR) sank von 115,6 auf 114,1 Euro.
Der für die Hotellerie besonders wichtige RevPAR – der Erlös pro verfügbarem Zimmer – ging von 87,0 auf 84,6 Euro zurück. Das entspricht einem Minus von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Volle Betten heißen nicht volle Kassen
Auch über die ersten acht Monate des Jahres zeigt sich ein schwächeres Bild: Von Jänner bis August liegt der RevPAR um 2,1 Prozent unter dem Vorjahr, der durchschnittliche Zimmerpreis um 1,9 Prozent darunter. „Entscheidend ist nicht, wie viele Menschen übernachten, sondern was am Ende des Tages in der Kasse bleibt. Derzeit sinken die Einnahmen, die Kosten steigen. Das engt den wirtschaftlichen Spielraum ein“, sagt Alexander Ipp, Vizepräsident der Österreichischen Hotelvereinigung und ÖHV-Landesvorsitzender Wien.
„Die Ortstaxe zahlt der Gast“ greift zu kurz
Das Argument, dass der Gast die Ortstaxe zahlt, greift zu kurz: „Der Gast zahlt nicht jeden Preis“, so Neutatz, wie die aktuelle Entwicklung zeigt: Im August lag der durchschnittliche Zimmerpreis in Wien um 1,3 Prozent unter dem Vorjahr. Ipp: „Die entscheidende Frage ist nicht, wer die Ortstaxe auf der Rechnung sieht. Die entscheidende Frage ist, was geschieht, wenn Preise erhöht werden, und was, wenn sie nicht erhöht werden können. Entweder wird Wien teurer oder das Hotel verliert Marge. Beides ist schlecht für die Wettbewerbsfähigkeit.“
Aussetzen der nächsten Erhöhung, Zweckwidmung und separate Ausweisung der Orstatxe
Wirtschaftskammer Wien und ÖHV fordern daher, die Anhebung von 5 auf 8 Prozent im Juli 2027 auszusetzen. Gleichzeitig sprechen sich die Branchenvertreter dafür aus, Einnahmen aus der Ortstaxe stärker für touristische Zwecke einzusetzen, etwa auch als Unterstützung für die Klima-Adaption der Hotels und Gastronomie, sowie für die Möglichkeit der separaten Ausweisung der Ortstaxe. Beide Vertreter der Wiener Hotellerie betonen, den Erfolg des Tourismusstandorts langfristig absichern zu wollen: „Wir leben vom Erfolg der Stadt, wir investieren in unsere Häuser und beschäftigen tausende Menschen und wollen das auch in Zukunft tun. Dafür brauchen Betriebe eine wirtschaftliche Perspektive. Geraten die Erträge unter Druck, kann die Antwort nicht immer noch eine neue Belastung sein“, sagt Neutatz. Und Ipp: „Wien hat sich seine internationale Position über Jahrzehnte erarbeitet und wir wollen diese Position gemeinsam fortführen.“