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„Endlich bleiben mir die Leut´!“

„Endlich bleiben mir die Leut´!“

Das Finden und Binden von Mitarbeiter:innen zählt zu den zentralen Herausforderungen in Hotellerie und Gastronomie. Der Fachkräftemangel und die gestiegenen Erwartungen der Menschen an ihr Arbeitsumfeld verlangen von Führungskräften neue Antworten. Manuela Mätzener, Iris Schatzl und Guido Schwarz, drei Experten für Organisationsentwicklung, mit konkreten Tipps.

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Diese neuen Antworten sind nicht nur auf struktureller Ebene zu finden. Natürlich müssen die Rahmenbedingungen wie Einkommen und Arbeitsbedingungen passen. Aber das ist längst nicht mehr das entscheidende Kriterium für Arbeitnehmer:innen, ob sie einem Unternehmen treu bleiben oder gehen. Eine Befragung österreichischer Erwerbstätiger* zeigt, dass trotz dem lauten Ruf nach Jobsicherheit immer mehr Angestellte bereit sind zu kündigen, wenn Führung und Zusammenarbeit schlecht sind und es zu wenig Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten für sie gibt.

Sicher ist: je besser Sie Ihre Leute binden, desto weniger müssen Sie neu finden. 

Fünf Faktoren können einen relevanten Unterschied in der emotionalen Mitarbeiter:innen-Bindung machen:

1. Der Sinnfaktor – Das gemeinsame „Wofür“

Menschen sind bereit, sich ins Zeug zu hauen, wenn sie wissen, wofür. Und dieses „wofür“ muss sich in der Unternehmenskultur widerspiegeln und zum eigenen Antrieb passen. Der Sinnfaktor hat mit Werten zu tun und ist zutiefst persönlich – das Darüber-Reden daher wichtig. Wer nicht weiß, wofür er etwas tut, hört irgendwann auf, es gut zu tun.

Wodurch können Sie Sinn im Betrieb fördern?

Betonen Sie die gemeinsame Ausrichtung, indem Sie die Werte und die Mission des Unternehmens immer wieder spürbar machen: Warum gibt es uns? Wofür stehen wir und was versprechen wir? Und welchen Beitrag leistet jede einzelne Person dafür? Lassen Sie sich bei Entscheidungen von diesen Werten und dem höheren Ziel leiten. Sinn beginnt beim ersten Kontakt auf der Website oder der Hotel-Broschüre – und mündet in Weiterempfehlungen.

Es ist eine große Freude, wenn man in unsere Betriebe kommt und ein Lächeln erntet und positive Energien spürt.

Andreas Dertnig
Das Alpenhaus Hotels & Resorts, Kaprun

2. Der Verbundenheitsfaktor – Beziehung ist kein Kuschelkurs

Bindung entsteht durch eine starke Beziehung zwischen dem „Ich“, dem „Du“ und dem „Wir“. Wo ein Mensch sich als Mensch wahrgenommen und mit allen Ecken und Kanten wertgeschätzt fühlt, kann Vertrauen, Verbundenheit und tiefe Loyalität entstehen.

Wodurch können Sie Verbundenheit im Betrieb fördern?

Fördern Sie echten Dialog – auch zu außerbetrieblichen Themen – und schaffen Sie Räume für Kommunikation auf Augenhöhe. Das gelingt durch echtes Interesse und aktives Ansprechen von Dingen, auch wenn sie auf den ersten Blick unangenehm scheinen. Tun Sie alles, um die Dialogfähigkeit in Ihrem Unternehmen zu trainieren und zu stärken, denn Verbundenheit entsteht nicht durch Nettigkeit, sondern durch die Erfahrung des „Sich-Mitteilens“ und „Gesehen-Werdens“.

Gastgeber:in ist, wer Intimität herstellt: Zugehörigkeit, Verbundenheit, Nähe.

Andreas Gfrerer
arthotel Blaue Gans

3. Der Informationsfaktor – Wissen schafft Verantwortung

Information ist kein Machtinstrument, sie ist ein Vertrauensdünger. Richtig angewandt, können geteilte Information und Wissen ein Arbeitsumfeld schaffen, das motiviert statt frustriert. Wer weiß, was los ist, kann mit-denken und mit-entscheiden. Partizipation motiviert und schafft Loyalität. Wenn Information gelingt, können Entscheidungen dort getroffen werden, wo die Kompetenz dafür sitzt. Das ermöglicht bestmögliche Ergebnisse und gelebte Mit-Verantwortung.

Wodurch können Sie Information im Betrieb fördern?

Die Kunst ist es erstens, den richtigen Grad zwischen beteiligender Transparenz und notwendiger, schützender Vertraulichkeit zu finden. Zweitens gibt es die Herausforderung des Zugangs und der Organisation von Informationen. Informationsaustausch muss organisiert werden, um Wildwuchs und Ineffizienz zu vermeiden und Klarheit zu schaffen – das gilt übrigens auch für Besprechungen. 
 

Neuen Mitarbeitenden übergeben wir eine umfassende Informations-Mappe. Die jeweilige Abteilungsleitung führt das neue Team-Mitglied in den Bereich ein und ernennt einen Paten, eine Patin.

Michaela Schachner
Hotel Schachner

4. Der Entfaltungsfaktor – Stillstand führt zur Kündigung

Worum geht’s dabei?

Sinnorientierte Menschen wollen sich einbringen und sich entwickeln – wollen wachsen im Tun. Manche haben, aus ganz unterschiedlichen Motiven, auch konkrete Karriere-Ambitionen. Wenn sie das Gefühl haben, in ihren Stärken nicht gesehen und gefördert zu werden, gehen sie früher oder später. Das wahre Kapital Ihres Betriebs ist nicht die Immobilie, sondern der Lerneifer und Mit-Wirkungsdrang Ihrer Mitarbeitenden.

Wodurch können Sie Entfaltung im Betrieb fördern?

Der beste Dünger ist eine Kultur, in der Mut zum „Einfach machen“ und Ausprobieren besteht. Wo Selbstkontrolle gefördert und Fehler gut akzeptiert werden, weil sie Verbesserungswürdiges aufzeigen, fühlen sich Menschen frei und sicher zugleich. Fördern Sie Ihre Team-Mitglieder individuell durch passende Herausforderungen: nicht zu klein und nicht zu groß. Wer sich einbringen darf mit eigenen Ideen, wer sich entwickeln und lernen darf, der bleibt. Wer nur nach Vorschrift funktionieren soll, sucht sich etwas anderes.
 

In einem von ifub begleiteten Employer Branding Prozess haben wir im Jahr 2021 gemeinsam die Essenz definiert, welche uns als bester Arbeitgeber der Region auszeichnet. Jede Stimme wurde gehört. Dieser Prozess hat insbesondere die gegenseitige Wertschätzung und das Verständnis enorm gestärkt.

Markus Winzer
Hotel Winzer

5. Der Begeisterungsfaktor – Glück erzeugt Bindung

Worum geht’s dabei? 

Begeisterung lässt sich nicht anordnen und auch nicht erkaufen. Sie entsteht dort, wo Erwartungen übererfüllt werden. Das geht im menschlichen Kontakt ganz leicht…und auch wieder nicht. Aus Begeisterung entsteht Glück, ein Gefühl innerer Zufriedenheit. Dieses Gefühl bindet – ganz ohne Zwang – und steigert nebenbei auch noch die Leistungsbereitschaft.

Wodurch können Sie Begeisterung im Betrieb fördern?

Sie machen Ihre Mitarbeitenden zu wahren Fans, wenn diese sich wertgeschätzt und wirksam erleben und wenn sie stolz sind auf das, was sie tun und was das Unternehmen tut. Bringen Sie Menschen stärkenorientiert miteinander ins Tun – für das gemeinsame Ganze. Unterstützen Sie dabei und anerkennen Sie den Einsatz und das Ergebnis, indem Sie Erfolge auch gebührend feiern. Das setzt Glücksgefühle frei und wirkt nachhaltiger als jedes Bonusmodell.
 

Ein Betrieb muss allen ein Anliegen sein. Denn wenn er nur mein Anliegen ist, dann bin ich verkauft!

Karl Reiter
Reiters Hotels

Fazit: Mitarbeiterbindung beginnt nicht beim jährlichen Mitarbeiterfest. Sie entsteht jeden Tag bei Ihrer Haltung und der Art, wie Sie führen. Nur Sie alleine haben darauf Einfluss.


Die Autor:innen:

Dr. Manuela Mätzener, Mag. (FH) Iris Schatzl und Dr. Guido Schwarz von ifub 


Literaturtipp:

„Endlich bleiben mir die Leut´! vom Autoren-Team Manuela Mätzener, Iris Schatzl und Guido Schwarz. Das (etwas andere) Praxishandbuch für Hotellerie und Gastronomie. Wie man sich selbst und Mitarbeiter:innen erfolgreich führt und langfristig bindet.“

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