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Nachhaltigkeit ernst meinen – und glaubwürdig kommunizieren

Nachhaltigkeit ernst meinen – und glaubwürdig kommunizieren

Die neue EmpCo-Richtlinie bringt klare Regeln für Umweltaussagen und setzt Greenwashing enge Grenzen. Was das für Hotels bedeutet, erklärt Mag.a Claudia Plot, Expertin für nachhaltige Unternehmensführung und Zertifizierungen.

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„Wie können wir uns als Betrieb, der Nachhaltigkeit wirklich lebt, von jenen abheben, die Nachhaltigkeit nur kommunizieren?“ – werde ich oft gefragt. Viele Hoteliers berichten: „Es ist ja eh schon alles ‚grün‘. Wie sollen Gäste erkennen, welche Produkte oder Dienstleistungen wirklich nachhaltig sind?“ Oder anders gefragt: „Wie können wir Greenwashing von ehrlichen Nachhaltigkeitsaussagen unterscheiden?“

Diese Fragen beschäftigen uns seit Jahren und nun bringt die EmpCo-Richtlinie (Directive on Empowering Consumers for the Green Transition) eine wichtige Orientierungshilfe. Die 2024 verabschiedete EU-Richtlinie soll Konsument:innen vor irreführenden Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen schützen und dafür sorgen, dass Kaufentscheidungen transparenter und nachhaltiger getroffen werden können.

Konkret bedeutet das, dass Verbraucher:innen künftig darauf vertrauen können, dass Umweltaussagen nachvollziehbar, belegbar und transparent sind. Für Betriebe, die Nachhaltigkeit bereits in Strategie und DNA verankert haben, ist das eine Chance. Sie können sich klar von Greenwashing abgrenzen und ihr Engagement glaubwürdig kommunizieren. Denn eines ist sicher: Nachhaltigkeit ist kein Trend, sondern ein dauerhaft wachsendes Entscheidungskriterium für Gäste, Mitarbeiter:innen und Partner:innen. Die EmpCo-Richtlinie muss in Österreich bis 27. März 2026 in nationales Recht umgesetzt werden und ist ab 27. September 2026 in jedem EU-Mitgliedstaat anzuwenden. Details zum nationalen Recht kennen wir noch keine, was wir allerdings schon wissen, ist:

  • Irreführende Umweltaussagen sollen beschränkt bzw. klargestellt werden.
  • Nachhaltigkeitslabels, die nicht transparent sind, sind nicht mehr zulässig.
  • Der vorzeitige Ausfall eines Produkts soll beschränkt werden.

 

Was bedeutet das für Hotels?

Jeder Hotelbetrieb, der Umweltaussagen – in Wort, Bild oder über Marken – an Gäste, Mitarbeiter:innen oder Partner kommuniziert, ist durch die folgenden Punkte betroffen:

  • Allgemeine Aussagen wie „ökologisch“, „umweltfreundlich“ oder „klimafreundlich“ sind künftig nur erlaubt, wenn sie konkret belegt werden und klargestellt werden kann, was das wirklich bedeutet.
  • Umweltaussagen brauchen Belege: Zertifikate, Daten, Fakten und nachvollziehbare Dokumentation.
  • Bilder, Farben, Marken- oder Firmennamen, die Nachhaltigkeit implizieren, gelten ebenfalls als Umweltaussage. Zum Beispiel ein „Family Eco-Apartment“ in grüner Schrift.
  • Selbstverständlichkeiten, wie gesetzlich vorgeschriebene Mindestanforderungen, dürfen nicht als besondere Umweltleistung hervorgehoben werden. Zum Beispiel: „Wir verzichten auf Einwegplastikprodukte“ – Einwegplastik ist ohnehin gesetzlich verboten.
  • Aussagen wie „klimaneutral“ oder „klimapositiv“ sind nicht erlaubt, wenn die Neutralität nur durch Kompensationszahlungen erreicht wird.
  • Teilbereiche dürfen nicht auf das gesamte Unternehmen übertragen werden. Zum Beispiel: „Unser nachhaltiges Restaurant…“ – obwohl eigentlich nur der Kaffee biologisch ist.
  • Zukünftige Vorhaben müssen mit einem klaren Umsetzungsplan belegt sein. Beispiel: „Wir werden bis 2030 klimaneutral“ → konkrete Maßnahmen und Zeitplan erforderlich.
  • Eigene Nachhaltigkeitssiegel ohne externe Prüfung sind nicht zulässig. Sie dürfen nicht den Eindruck einer objektiven, unabhängigen Zertifizierung erwecken.

 

Wie können Sie Ihr Hotel gut vorbereiten?

  1. Aussagen prüfen und konkretisieren: Sammeln Sie alle Umwelt-Aussagen und prüfen Sie: Was genau ist daran nachhaltig, ökologisch oder umweltfreundlich? Auf Aussagen wie „klimaneutral“ verzichten, wenn dies nur über CO₂-Kompensation erreicht wird. Insgesamt gilt: weniger, aber belegbare Aussagen sind besser als viele unklare Versprechen.
  2. Nachweise sammeln: Alles dokumentieren und für Gäste transparent machen. Achten Sie auf Bio-Zertifikate, (transparente) Nachhaltigkeitslabels bei Reinigungsmitteln und Papier, Erläuterungen der Energieversorgung etc.; 
  3. Das eigene gesetzte Engagement durch vertrauenswürdige Zertifizierungen belegen lassen: In Österreich besonders bekannt sind das EU Ecolabel und das Österreichische Umweltzeichen. Beide sind staatlich anerkannt, extern geprüft und gelten als glaubwürdige Nachhaltigkeitssiegel.

Die EmpCo-Richtlinie unterstützt Betriebe dabei, nachhaltiges Handeln transparent und glaubwürdig zu kommunizieren. Wer heute startet, ist bis Herbst 2026 gut vorbereitet und kann das eigene Nachhaltigkeitsengagement auch künftig ehrlich, belegbar und konkret als Wettbewerbsvorteil kommunizieren.
 

Die Autorin: 

Mag.a Claudia Plot, TEAM Manufaktur
Trainerin für Nachhaltige Unternehmensführung
Beratung Österreichisches Umweltzeichen und EU Ecolabel

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