Ernährung als Teil eines Longevity-Konzepts muss nicht bedeuten, die gesamte Hotelküche neu zu erfinden. Das Posthotel Achenkirch setzt auf zusätzliche, klar erkennbare Angebote: von TCM-Gerichten über proteinreiche und vegane Optionen bis zu individuellen Empfehlungen auf Basis von Stoffwechsel- und Körperanalysen.
Entscheidend sind für das Haus drei Dinge: hochwertige Produkte, Kompetenz im Team und Wahlfreiheit für den Gast. Damit liefert das Tiroler Hotel ein konkretes Best Practice dafür, wie Longevity in der Hotellerie auch kulinarisch erlebbar werden kann.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Posthotel Achenkirch verbindet Longevity mit seiner langjährigen Erfahrung in der TCM-Küche.
- Stoffwechsel- und Körperanalysen bilden die Grundlage für individuelle Empfehlungen zu Ernährung und Training.
- Gesundheitsorientierte Gerichte ergänzen das klassische kulinarische Angebot, statt es zu ersetzen.
- Regionalität, Saisonalität und Produktqualität spielen beim Einkauf eine zentrale Rolle.
- Das Küchenteam wird laufend zu Ernährung, Produkten und Zubereitungsmethoden geschult.
Ernährung als fester Bestandteil des Longevity-Konzepts
Für Küchenchef Maurice Mehling ist Ernährung ein zentraler Teil des Longevity-Angebots im Posthotel Achenkirch. Dabei baut das Hotel auf einem Thema auf, mit dem es sich bereits seit Jahren beschäftigt: der Küche nach den Grundsätzen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).
Im Fokus stehen laut Mehling hochwertige Proteinquellen, ballaststoffreiche Lebensmittel und eine bewusste Auswahl der verwendeten Zutaten. Dabei geht es nicht darum, Gästen eine bestimmte Ernährungsweise vorzuschreiben, sondern unterschiedliche Möglichkeiten anzubieten.
Wie TCM in der Hotelküche umgesetzt wird
Bekömmlichkeit, Balance sowie die Abstimmung von Lebensmitteln und Zubereitung auf die jeweilige Jahreszeit gehören zu den Grundgedanken der TCM-Küche im Posthotel.
Im Gesundheitsrestaurant Tenzo wird beispielsweise weizenfrei, glutenfrei, laktosefrei und ohne raffinierten Zucker gekocht.
Das Konzept zieht sich aber auch durch andere Tageszeiten. Beim Frühstück gibt es eine eigene TCM-Ecke mit warmen Gerichten. Mittags und abends stehen unter anderem TCM-Menüs, vegane Varianten, proteinreiche Speisen und weizenreduzierte Gerichte zur Auswahl.
Analysen als Grundlage für individuelle Empfehlungen
Amel Mujkic, Fitness- & Longevity-Experte im Posthotel Achenkirch, ergänzt das kulinarische Angebot um individuelle Begleitung.
Gäste können Stoffwechsel- und Körperanalysen durchführen lassen. Die Ergebnisse dienen anschließend als Grundlage für persönliche Empfehlungen zu Ernährung und Training.
Für Mujkic liegt gerade in der Verbindung bestehender Gesundheitsansätze mit modernen Analysemöglichkeiten ein wesentlicher Mehrwert: Empfehlungen sollen für Gäste möglichst verständlich und im Alltag umsetzbar bleiben.
Wahlfreiheit statt Verzicht
Ein zentraler Punkt des Konzepts ist, gesundheitsorientierte Ernährung nicht als Gegenmodell zu Genuss zu positionieren.
Manche Gäste kommen gezielt wegen Longevity, TCM oder Biohacking nach Achenkirch. Andere möchten im Urlaub vor allem gut essen und entspannen. Das kulinarische Angebot soll deshalb beiden Erwartungen gerecht werden.
Wichtig ist, zusätzliche Angebote zu schaffen und den Gästen zu zeigen: Ihr bekommt mehr Auswahl, nicht weniger. – Maurice Mehling, Küchenchef im Posthotel Achenkirch
Produktqualität beginnt beim Einkauf
Auch beim Einkauf spiegelt sich die Positionierung wider. Für Mehling sind Regionalität, Saisonalität und nachvollziehbare Qualität entscheidend.
Das Posthotel arbeitet dafür unter anderem mit kleineren Produzenten und landwirtschaftlichen Betrieben aus der Region zusammen. Bei Fleisch und Fisch achtet das Küchenteam laut Mehling besonders auf Herkunft und Haltung.
Damit wird Ernährung nicht nur über einzelne Gerichte kommuniziert, sondern auch über die Auswahl und Qualität der eingesetzten Produkte.
Ohne geschultes Team funktioniert das Konzept nicht
Ein Longevity-Angebot wird nur dann glaubwürdig, wenn das Wissen nicht bei einzelnen Expert:innen bleibt. Deshalb setzt das Posthotel auf laufende interne Weiterbildung.
Mehling schult sein Küchenteam unter anderem zu Proteinen, Ölen, vegetarischer Ernährung und schonenden Garmethoden. Das Wissen soll nicht nur Standards sichern, sondern auch Eigeninitiative fördern. Nach seiner Erfahrung bringen Mitarbeiter:innen zunehmend selbst Ideen für neue Gerichte und Weiterentwicklungen ein.
Was andere Hotels aus dem Beispiel mitnehmen können
Der Ansatz des Posthotel Achenkirch zeigt, dass der Einstieg in Longevity-Ernährung schrittweise möglich ist:
- Mit bestehenden Stärken beginnen: Prüfen, welche Ernährungs- und Gesundheitskompetenzen bereits zum Haus und zur Positionierung passen.
- Zusätzliche Angebote schaffen: Einzelne Frühstücksangebote, Menülinien oder bewusste Alternativen können ein sinnvoller Einstieg sein.
- Wahlfreiheit erhalten: Gesundheitsorientierung nicht über Verbote kommunizieren, sondern über nachvollziehbare Alternativen.
- Das Team einbinden: Produktwissen, Ernährungsgrundlagen und Zubereitungsmethoden regelmäßig schulen.
- Qualität konsequent umsetzen: Herkunft, Saisonalität und Produktqualität müssen zur versprochenen Positionierung passen.
- Bei individueller Beratung Kompetenz sichern: Analysen und persönliche Empfehlungen brauchen entsprechend qualifizierte Ansprechpartner:innen.
Das Best Practice zeigt damit auch: Longevity in der Hotelküche beginnt weniger mit einem komplett neuen Speisenkonzept als mit einer klaren Haltung, zusätzlicher Kompetenz und einem Angebot, das für Gäste verständlich und genussvoll bleibt.
Mehr zur strategischen und operativen Umsetzung finden Sie im ÖHV-Beitrag Longevity im Hotel: Wie aus einem Trend ein tragfähiges Angebot wird.
Dieser Beitrag basiert auf einem Gespräch mit Küchenchef Maurice Mehling und Fitness- & Longevity-Experte Amel Mujkic in der Sommer-Ausgabe 2026 der ÖHV-Mitgliederzeitschrift die lobby. Mehr zum Schwerpunkt Longevity in der „lobby“.