Longevity ist in vielen Hotels bereits präsent. Doch zwischen einzelnen Gesundheitsangeboten und einem ganzheitlichen Gesundheitskonzept liegen oft Welten. Die SCC Hospitality Health Development Survey 2026 der FH Kärnten und des Spa Competence Circle zeigt, wie weit Hotels auf diesem Weg bereits sind. Untersucht wurde dabei nicht, ob ein Hotel „Longevity anbietet“, sondern wie Gesundheit, Wohlbefinden und langfristige Gästewirkung gedacht, umgesetzt oder geplant werden.
Die Datenbasis umfasst 147 Datensätze, bis zu 109 Antworten bei Profilfragen und 73 vollständig abgeschlossene Fragebögen für die Reifegradanalyse. Die Stichprobe ist stark von Österreich sowie gehobener Ferien-, Wellness- und Spa-Hotellerie geprägt – kein repräsentativer Branchendurchschnitt, aber ein aussagekräftiges Stimmungsbild.
Longevity in Hotels: Gesundheit wird zur Strategie
Ein zentrales Ergebnis: Gesundheit ist strategisch angekommen. 71,4 % der befragten Betriebe gehen davon aus, dass gesundheitsorientierte Angebote künftig weiter an Bedeutung gewinnen. Auch Wirkung über den Aufenthalt hinaus wird bereits mitgedacht. Das zeigt:
Es geht nicht mehr nur um Wellness als Zusatzangebot, sondern um Gesundheit als Teil der Aufenthaltsqualität.
Viele Longevity-Bausteine, aber noch wenig Verbindung
Gleichzeitig zeigt die Befragung eine deutliche Lücke. Viele Hotels haben starke Bausteine: Natur, Bewegung, Kulinarik, Schlaf, Spa, Atmosphäre und persönliche Gastfreundschaft. Besonders hoch liegen die Werte bei regenerativen Räumen, Naturerleben und niedrigschwelliger Bewegung. Schwächer ausgeprägt sind Analyse, technologiegestützte Anwendungen im Konzept, Vorsorge/Beratung, Feedback, Mitarbeitendensensibilisierung und individuelle Empfehlungen.
Longevity-Angebote: starke Basis, schwächere Systemtiefe
Ausgewählte Einzelitems der Befragung im Vergleich (Mittelwerte, Skala 1–5):
| Einzelitem | Mittelwert |
|---|---|
| Räume fördern Regeneration | 3,99 |
| Naturzeit gezielt angeregt | 3,96 |
| Bewegung niedrigschwellig | 3,92 |
| Zukunftsbedeutung Gesundheit | 3,91 |
| Individuelle Empfehlungen | 2,84 |
| Vorsorge/Beratung | 2,53 |
| Technologie im Konzept | 2,39 |
| Analyse Gesundheitsparameter | 2,24 |
Damit wird sichtbar: Die Angebotsbasis ist vielerorts weiter entwickelt als die Verbindung im Betrieb.
Gute Küche, Spa, Aktivprogramme und Naturzugang ergeben noch kein tragfähiges Gesundheitskonzept.
Die nächste Stufe liegt darin, diese Bausteine so zu verbinden, dass Gäste Orientierung erhalten.
Gerade für Longevity wird eine einfache Logik wichtiger: messen – machen – messen. Das bedeutet nicht, dass jedes Hotel ein Medical Resort werden muss. Aber glaubwürdige Gesundheitsangebote brauchen zunehmend eine nachvollziehbare Verbindung aus Ausgangssituation, Empfehlung, Anwendung und Rückmeldung. Ein Schlaf- oder Energiecheck, eine Körperzusammensetzungsanalyse, eine HRV-Messung oder ein Beratungsgespräch können wertvoll sein, wenn sie fachlich sauber eingeordnet und begleitet werden.
Schlaf und Ernährung als Hebel für Longevity
Besonders deutlich zeigt sich das beim Schlaf. Schlaf ist eine Kernleistung der Hotellerie, wird aber noch nicht konsequent als Gesundheitsleistung verstanden. Dabei prägt Schlafqualität Regeneration, Stressregulation und Wohlbefinden. Auch Ernährung braucht mehr als „gesunde Lebensmittel“: gefragt ist eine verständliche, genussvolle Gesundheitsorientierung, etwa über Nährstofflogik, bewusste Getränkekonzepte oder Impulse für zu Hause.
Longevity ist kein reines Spa-Projekt
Ein weiterer Befund betrifft das Team. Mentale Erholung ist als Angebot vorhanden, aber die Sensibilisierung der Mitarbeitenden für Erschöpfung oder Überforderung liegt noch niedrig. Hier zeigt sich: Longevity ist kein reines Spa-Projekt. Es betrifft Service, Küche, Housekeeping, Rooms, Marketing, HR und Geschäftsführung. Ohne gemeinsame Sprache, Zuständigkeiten und Kompetenz bleibt Gesundheit ein Angebot und keine gelebte Ausrichtung.
Was die Longevity-Studie für Hotels bedeutet
| Entwicklungsfeld | Praxislogik |
|---|---|
| Schlaf | Nicht nur Zimmerkomfort, sondern Regenerationsleistung bewusst gestalten. |
| Ernährung | Gesundheit genussvoll erklären: Orientierung statt Verzichtslogik. |
| Team | Mitarbeitende für Bedürfnisse, Erschöpfung und passende Empfehlungen befähigen. |
| Analyse & Begleitung | Ausgangssituation erfassen, Empfehlung ableiten, Anwendung begleiten, Rückmeldung aufnehmen. |
| Guest Journey | Gesundheit vor, während und nach dem Aufenthalt erlebbar machen. |
Vom Longevity-Angebot zur strategischen Ausrichtung
Die erstmals datenbasierte Reifegradanalyse macht sichtbar, wie unterschiedlich tief Gesundheit in den Betrieben verankert ist. Viele Häuser sind nicht mehr rein klassisch wellnessorientiert und verfügen über relevante Bausteine. Einen hohen Reifegrad erreichen bisher aber nur wenige Betriebe. Hohe Gesundheitsreife entsteht erst, wenn diese Bausteine nicht nebeneinanderstehen, sondern im Betrieb sinnvoll verbunden werden: durch klare Zuständigkeiten, geschulte Mitarbeitende, glaubwürdige Kommunikation, passende Mess- und Feedbacklogiken sowie eine konsequente Einbindung entlang der Guest Journey. Die Zukunft liegt daher nicht im bloßen „Mehr“ an Longevity-Angeboten. Entscheidend ist, ob Gesundheit im gesamten Hotel glaubwürdig, wirtschaftlich tragfähig und für Gäste spürbar erlebbar wird.