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Longevity in Hotels: Wo Betriebe heute stehen
Studie

Longevity in Hotels: Wo Betriebe heute stehen

Die SCC Hospitality Health Development Survey 2026 zeigt: Viele Hotels verfügen bereits über starke Longevity-Bausteine – von Bewegung und Ernährung bis Regeneration. Ein tragfähiges Gesundheitskonzept entsteht aber erst, wenn diese Angebote sinnvoll verbunden werden. FH-Prof. Stefan Nungesser von der FH Kärnten ordnet die Ergebnisse ein.

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Longevity ist in vielen Hotels bereits präsent. Doch zwischen einzelnen Gesundheitsangeboten und einem ganzheitlichen Gesundheitskonzept liegen oft Welten. Die SCC Hospitality Health Development Survey 2026 der FH Kärnten und des Spa Competence Circle zeigt, wie weit Hotels auf diesem Weg bereits sind. Untersucht wurde dabei nicht, ob ein Hotel „Longevity anbietet“, sondern wie Gesundheit, Wohlbefinden und langfristige Gästewirkung gedacht, umgesetzt oder geplant werden.

Die Datenbasis umfasst 147 Datensätze, bis zu 109 Antworten bei Profilfragen und 73 vollständig abgeschlossene Fragebögen für die Reifegradanalyse. Die Stichprobe ist stark von Österreich sowie gehobener Ferien-, Wellness- und Spa-Hotellerie geprägt – kein repräsentativer Branchendurchschnitt, aber ein aussagekräftiges Stimmungsbild.

Longevity in Hotels: Gesundheit wird zur Strategie

Ein zentrales Ergebnis: Gesundheit ist strategisch angekommen. 71,4 % der befragten Betriebe gehen davon aus, dass gesundheitsorientierte Angebote künftig weiter an Bedeutung gewinnen. Auch Wirkung über den Aufenthalt hinaus wird bereits mitgedacht. Das zeigt:

Es geht nicht mehr nur um Wellness als Zusatzangebot, sondern um Gesundheit als Teil der Aufenthaltsqualität.

Viele Longevity-Bausteine, aber noch wenig Verbindung

Gleichzeitig zeigt die Befragung eine deutliche Lücke. Viele Hotels haben starke Bausteine: Natur, Bewegung, Kulinarik, Schlaf, Spa, Atmosphäre und persönliche Gastfreundschaft. Besonders hoch liegen die Werte bei regenerativen Räumen, Naturerleben und niedrigschwelliger Bewegung. Schwächer ausgeprägt sind Analyse, technologiegestützte Anwendungen im Konzept, Vorsorge/Beratung, Feedback, Mitarbeitendensensibilisierung und individuelle Empfehlungen.

Longevity-Angebote: starke Basis, schwächere Systemtiefe

Ausgewählte Einzelitems der Befragung im Vergleich (Mittelwerte, Skala 1–5):

EinzelitemMittelwert
Räume fördern Regeneration3,99
Naturzeit gezielt angeregt3,96
Bewegung niedrigschwellig3,92
Zukunftsbedeutung Gesundheit3,91
Individuelle Empfehlungen2,84
Vorsorge/Beratung2,53
Technologie im Konzept2,39
Analyse Gesundheitsparameter2,24

Damit wird sichtbar: Die Angebotsbasis ist vielerorts weiter entwickelt als die Verbindung im Betrieb.

Gute Küche, Spa, Aktivprogramme und Naturzugang ergeben noch kein tragfähiges Gesundheitskonzept.

Die nächste Stufe liegt darin, diese Bausteine so zu verbinden, dass Gäste Orientierung erhalten.

Gerade für Longevity wird eine einfache Logik wichtiger: messen – machen – messen. Das bedeutet nicht, dass jedes Hotel ein Medical Resort werden muss. Aber glaubwürdige Gesundheitsangebote brauchen zunehmend eine nachvollziehbare Verbindung aus Ausgangssituation, Empfehlung, Anwendung und Rückmeldung. Ein Schlaf- oder Energiecheck, eine Körperzusammensetzungsanalyse, eine HRV-Messung oder ein Beratungsgespräch können wertvoll sein, wenn sie fachlich sauber eingeordnet und begleitet werden.

Schlaf und Ernährung als Hebel für Longevity

Besonders deutlich zeigt sich das beim Schlaf. Schlaf ist eine Kernleistung der Hotellerie, wird aber noch nicht konsequent als Gesundheitsleistung verstanden. Dabei prägt Schlafqualität Regeneration, Stressregulation und Wohlbefinden. Auch Ernährung braucht mehr als „gesunde Lebensmittel“: gefragt ist eine verständliche, genussvolle Gesundheitsorientierung, etwa über Nährstofflogik, bewusste Getränkekonzepte oder Impulse für zu Hause.

Longevity ist kein reines Spa-Projekt

Ein weiterer Befund betrifft das Team. Mentale Erholung ist als Angebot vorhanden, aber die Sensibilisierung der Mitarbeitenden für Erschöpfung oder Überforderung liegt noch niedrig. Hier zeigt sich: Longevity ist kein reines Spa-Projekt. Es betrifft Service, Küche, Housekeeping, Rooms, Marketing, HR und Geschäftsführung. Ohne gemeinsame Sprache, Zuständigkeiten und Kompetenz bleibt Gesundheit ein Angebot und keine gelebte Ausrichtung.

Was die Longevity-Studie für Hotels bedeutet

EntwicklungsfeldPraxislogik
SchlafNicht nur Zimmerkomfort, sondern Regenerationsleistung bewusst gestalten.
ErnährungGesundheit genussvoll erklären: Orientierung statt Verzichtslogik.
TeamMitarbeitende für Bedürfnisse, Erschöpfung und passende Empfehlungen befähigen.
Analyse & BegleitungAusgangssituation erfassen, Empfehlung ableiten, Anwendung begleiten, Rückmeldung aufnehmen.
Guest JourneyGesundheit vor, während und nach dem Aufenthalt erlebbar machen.

Vom Longevity-Angebot zur strategischen Ausrichtung

Die erstmals datenbasierte Reifegradanalyse macht sichtbar, wie unterschiedlich tief Gesundheit in den Betrieben verankert ist. Viele Häuser sind nicht mehr rein klassisch wellnessorientiert und verfügen über relevante Bausteine. Einen hohen Reifegrad erreichen bisher aber nur wenige Betriebe. Hohe Gesundheitsreife entsteht erst, wenn diese Bausteine nicht nebeneinanderstehen, sondern im Betrieb sinnvoll verbunden werden: durch klare Zuständigkeiten, geschulte Mitarbeitende, glaubwürdige Kommunikation, passende Mess- und Feedbacklogiken sowie eine konsequente Einbindung entlang der Guest Journey. Die Zukunft liegt daher nicht im bloßen „Mehr“ an Longevity-Angeboten. Entscheidend ist, ob Gesundheit im gesamten Hotel glaubwürdig, wirtschaftlich tragfähig und für Gäste spürbar erlebbar wird.

Der Autor

FH-Prof. Stefan Nungesser

FH-Prof. Stefan Nungesser

Fachhochschule Kärnten, Studienzweig Hotel Management E-Mail senden fh-kaernten.at
Gemeinsam mit Dagmar Rizzato und Karin Niederer initiierte er die SCC Hospitality Health Development Survey 2026 zur Gesundheitsreife in der Hotellerie.

Longevity im Hotel. Jetzt in der neuen "lobby".

Longevity im Hotel: Zwischen Hype, Wissenschaft und erfolgreichen Konzepten. Mit Best Practices von Alpin Resort SACHER Seefeld bis Naturhotel Forsthofgut. Außerdem: Das Deloitte ÖHV-Tourismusbarometer 2026 zeigt die Stimmung in der Branche.

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