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Nachlese Kamingespräch: Mehr Wertschöpfung in Tourismusregionen
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Nachlese Kamingespräch: Mehr Wertschöpfung in Tourismusregionen

Wie kann die Zusammenarbeit zwischen Tourismusverband und Hotellerie erfolgreich funktionieren? Untenstehend die Zusammenfassung des Vortrages von Lukas Krösslhuber und der Diskussion.

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Tourismus mit Lebensraumperspektive 

Im Hotel Penzinghof in Oberndorf in Tirol kamen rund 20 Tourismusverantwortliche aus Salzburg, Tirol und Bayern zusammen, um beim Kamingespräch über die Zukunft des Tourismus im Lebensraum zu diskutieren. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie touristische Entwicklung so gelingen kann, dass sie Betrieben, Gästen und Einheimischen gleichermaßen nützt.

Lukas Krösslhuber, Geschäftsführer des Tourismusverbands Wilder Kaiser, stellte den vom Destinations-Netzwerk Austria entwickelten Handlungsleitfaden für Destinationen mit Lebensraumperspektive vor. Dabei zeigte er, wie am Wilden Kaiser mit einem breit angelegten Beteiligungsprozess gearbeitet wurde: Bewohner:innen, Grundstückseigentümer:innen, Hoteliers, Gemeinden und Politik wurden in mehreren Workshops eingebunden, die Teilnehmer:innen nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und immer wieder neu zusammengesetzt. Ziel war es, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die die Lebensqualität in der Region stärken.

Krösslhuber machte deutlich, dass touristischer Erfolg heute umfassender gedacht werden müsse. Es gehe nicht nur um Wachstum, sondern um tragfähige Strukturen, Akzeptanz und Resilienz. Ein konkretes Ergebnis dieses Prozesses ist etwa der Flurwächter, eine eigens geschaffene Position, die zwischen Grundstückseigentümer:innen und Gästen vermittelt und bei Fragen rund um Wegnutzung, Schäden oder Müllentsorgung unterstützt. Auch bei stark frequentierten Ausflugszielen wie dem Bergdoktor-Haus in Ellmau wurde mit gezielter Besucherlenkung reagiert, um die Infrastruktur zu entlasten.

Ein zentrales Thema war auch der Umgang mit bestehenden Kapazitäten. Die Erkenntnis aus den Workshops: Nicht neue Betten schaffen, sondern die vorhandenen Betten besser auslasten – insbesondere in den Nebenzeiten. Gleichzeitig brauche es neue Gästeschichten und eine konsequente Weiterentwicklung in Richtung Ganzjahrestourismus, um die Abhängigkeit von einzelnen Märkten zu reduzieren.

Wie wichtig Transparenz und ehrliche Kommunikation für die Akzeptanz touristischer Entwicklungen sind, unterstrich Barbara Winkler, ÖHV-Landesvorsitzende Tirol. Sie berichtete von der erfolgreichen Einbindung der Einheimischen im Zuge einer Hotelerweiterung in der Kaiserlodge in Scheffau: Alle Bewohner:innen im Ort wurden zu einer kleinen Jause eingeladen, um die Projektpläne anzusehen und Fragen zu stellen. Mit den Architekten war dabei ausdrücklich vereinbart, offen zu antworten, nichts zu beschönigen und mögliche Sorgen ernst zu nehmen. Diese Offenheit habe wesentlich dazu beigetragen, Vertrauen zu schaffen.

Aufbauend auf Vertrauen entstehen resiliente Netzwerke!

Lukas Krösslhuber
Tourismusverband Wilder Kaiser

Auch die Rolle der Betriebe selbst wurde intensiv diskutiert. Von den Hotelier:innen brauche es Transparenz und die Bereitschaft, Entwicklungen aktiv mitzutragen. Ein Ziel müsse auch sein, mehr zertifizierte Betriebe in den Regionen sichtbar zu machen – etwa mit dem Österreichischen Umweltzeichen, dem EU Ecolabel, Zertifikaten für Barrierefreiheit oder als Klimabündnis-Betrieb. Aus dem Kreis der Hotelier:innen kam dazu aber auch ein klarer Hinweis: Gerade eigentümergeführte Häuser mit kleinen Strukturen hätten oft zu wenig Zeit, sich intensiv mit Zertifizierungsprozessen zu beschäftigen.

Thomas Wurzinger, Nachhaltigkeitsmanager TVB Saalfelden Leogang, verwies in diesem Zusammenhang auf Unterstützungsangebote wie Förderungen oder den Betriebseffizienz-Check in Saalfelden Leogang. Für einen Selbstbehalt von 150 Euro können Betriebe dort Beratungsleistungen inklusive Energieeffizienz-Beratung in Anspruch nehmen, zusätzlich wird die Erstzertifizierung beim Umweltzeichen unterstützt. Sein Appell an die Betriebe war klar: „Bearbeite die Gäste, die du haben willst.“ Wer resilient sein wolle, müsse seine Zielgruppen aktiv definieren und gezielt ansprechen.

Zum Abschluss stellte Lukas Krösslhuber die Frage in den Raum, was Betriebe langfristig resilient macht. Mario Situm von der FH Salzburg betonte dabei die Bedeutung von betriebswirtschaftlicher Bildung und von Ausbildungen für das Agieren in Krisensituationen. Gleichzeitig verwies er auf die Herausforderungen bei der Betriebsübergabe: Viele Nachfolgeprozesse seien sensibel, nicht immer wollten Kinder übernehmen, und nicht jede Übergabe gelinge. Seine Einschätzung: In den kommenden Jahren werden mehr Betriebe von externen Betreibern übernommen werden.

Das Kamingespräch im Hotel Penzinghof zeigte deutlich, dass die Zukunft des Tourismus nicht allein an Kennzahlen hängt. Entscheidend ist, wie gut es gelingt, Wirtschaftlichkeit, Lebensraum und Akzeptanz miteinander zu verbinden.

Wer ist das Destinations-Netzwerk Austria?

Das Destinations-Netzwerk Austria (dna) vereint über 200 engagierte Mitglieder aus Tourismusverbänden, Destinationsmanagement- und Marketingorganisationen sowie Förderern und zentralen Akteur:innen des österreichischen Tourismus. Gemeinsam mit den Tourismusregionen bündeln wir Know-how und Interessen, verstärken die Stimme der Branche gegenüber Bund und Ländern und treiben Veränderungen im österreichischen Tourismus aktiv voran. Dafür schaffen wir Austausch und Qualifizierung – etwa durch den dna-Kongress, die dna Akademien und weitere Weiterbildungsformate.

Die Teilnahme war für interessierte Führungskräfte der Hotellerie der INTERREG-Regionen Salzburg, Tirol und Bayern Dank der Förderung durch INTERREG Bayern-Österreich im Rahmen des Projekts Resilienter Tourismus (BA0100005) kostenlos.

Mag.(FH) Kristin Oberweger

Mag.(FH) Kristin Oberweger

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