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ÖHV-Zukunftspuls
Studie

ÖHV-Zukunftspuls

Lagebild, Lernpfade und politische Hausaufgaben für die Hotellerie

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Die österreichische Hotellerie steht unter Druck: Steigende Kosten, Bürokratie, Arbeitskräftemangel, Transformationsdruck durch Nachhaltigkeit und Digitalisierung sowie geopolitische Unsicherheiten prägen den Alltag der Betriebe. Der ÖHV Zukunftspuls 2025, entwickelt gemeinsam mit dem Zukunftsinstitut, liefert erstmals ein strategisch-systemisches Lagebild der Branche und zeigt, wie zukunftsfähig die Hotels heute aufgestellt sind.

Im Unterschied zu klassischen Kennzahlenstudien bewertet der Zukunftspuls nicht „gut“ oder „schlecht“, sondern macht sichtbar, wo Energie fließt, wo Spannungen entstehen und wo die Kopplung zwischen wichtigen Bereichen fehlt. Alle Pulse sind Teil eines Entwicklungszyklus – entscheidend ist nicht, wo man steht, sondern wie man den nächsten Schritt vorbereitet.

 

Was ist der Zukunftspuls?

Der Zukunftspuls ist ein Indikator für Zukunftsfähigkeit (future performance indicator), der wie ein EKG für Unternehmen funktioniert. Er zeigt, in welchem Entwicklungsmodus eine Organisation arbeitet – welche Dynamik dominiert, worauf die Kraft gerichtet ist und wie bereit das System für den nächsten Schritt ist. Es geht um –  

Energie: Dynamik, Spannkraft, Umsetzungs-Power. Und um — 

Richtung: Orientierung auf Zukunftsentwicklung – also, ob ein Betrieb eher im Abarbeiten, im Experimentieren, im Aufbauen oder im Neuaufstellen ist.

Der Zukunftspuls arbeitet auf zwei Ebenen: Auf Betriebsebene zeigt er, in welchem Puls sich ein einzelnes Unternehmen befindet – inklusive Spannungen zwischen Bereichen wie Angebot, Kunden, Organisation oder Partnern.

Auf Branchenebene zeigt die Verteilung der Pulse, wo die österreichische Hotellerie insgesamt steht, welche Phasen über- oder unterrepräsentiert sind und in welche Richtung sich das System bewegt.

Für den ÖHV Zukunftspuls 2025 wurden 137 Hotelbetriebe erfasst, 87 davon mit individueller Tiefenauswertung. Analysiert wird entlang von sieben systemischen Kontexten: Antrieb, Trends, Kunden, Organisation, Partner, Angebot und Resonanz; jeder Kontext wird einer Entwicklungsphase (Stagnation, Erneuerung, Innovation, Wachstum) zugeordnet, was über 16.000 mögliche Muster ergibt.

 

Wie lese ich den Zukunftspuls? Drei Begriffe, die man kennen sollte

Damit Sie Ihren Puls richtig einordnen können, arbeiten wir mit drei einfachen Perspektiven:

Pulsbild: Beschreibt, wie sich die Energie im Betrieb gerade anfühlt – eher schnell und mit starken Ausschlägen, eher gleichmäßig oder eher langsam und gedämpft. Die Metapher kommt vom EKG: Man sieht, ob ein Unternehmen im Hochlauf, im Übergang, in der Konsolidierung oder in der Regeneration ist.

Fokus: Zeigt, worauf der Betrieb in dieser Phase seine Hauptenergie richtet – zum Beispiel auf Wachstum, auf Experimente, auf verlässliche Lieferung oder auf Neuorientierung.

Trend-Fokus: Macht sichtbar, welche großen Entwicklungen von außen in dieser Phase besonders stark wirken – etwa Nachhaltigkeit und Energieeffizienz, Mobilität und Wohlbefinden oder Demografie und Fachkräfte.

Kein Puls ist „gut“ oder „schlecht“. Jeder beschreibt einen Zustand im Entwicklungszyklus – entscheidend ist, die eigene Phase zu kennen und die Übergänge gut zu gestalten.

Die Verteilung der Pulse – wo steht die österreichische Hotellerie?

 

Die Verteilung der 137 analysierten Betriebe auf die fünf Puls-Typen zeigt ein klares Bild:

Wachstumspuls: 43 % - „Wir bauen auf und skalieren.“

Übergangspuls: 28 % - „Wir suchen Orientierung und Momentum.“

Explorationspuls: 21 % - „Wir probieren eine neue Zukunft aus.“

Leistungspuls: 6 % - „Wir liefern – und müssen Strukturen nachziehen.“

Regenerationspuls: 2 % - „Wir müssen etwas Neues machen.“

Ein großer Teil der Branche arbeitet in einem wachstums- und aufbauorientierten Modus, fast ein Drittel befindet sich in sensiblen Übergangszonen und rund ein Fünftel experimentiert aktiv mit neuen Zukünften. Eine kleine Minderheit konsolidiert ihre Leistungsfähigkeit oder befindet sich in grundlegender Regeneration – genau dort ist der Bedarf an struktureller Unterstützung besonders hoch.

Die fünf Pulse im Überblick

  • Wachstumspuls: Hohe Energie, starke Auslastung – der Betrieb baut auf und skaliert. Aus Ideen werden Systeme, aus Projekten wird Wachstum. Die Herausforderung: Wachstum darf nicht auf Kosten von Resilienz und Arbeitgeberattraktivität gehen.

  • Übergangspuls: Der Betrieb steht an einer Schwelle – alte Muster tragen nicht mehr, neue sind noch nicht klar. Führung, vor allem Entscheidungen, sind extrem wichtig.

  • Explorationspuls: Der Betrieb testet neue Angebote und Geschäftsmodelle – viele Experimente, viel Lernen, aber die wirtschaftliche Tragfähigkeit muss laufend nachgeschärft werden.

  • Leistungspuls: Der Betrieb läuft und liefert verlässlich. Prozesse greifen, es gibt Routine und Stabilität. Jetzt müssen Strukturen, Prozesse und Führung so professionalisiert werden, dass das System lernfähig bleibt und der nächste Entwicklungsschritt gelingt.

  • Regenerationspuls: Energie ist niedrig, das Geschäftsmodell steht auf dem Prüfstand – jetzt geht es um Erholung, ehrliche Analyse und eine mutige Neuausrichtung.

Pulsbild

Betriebe im Wachstumspuls haben hohe Energie, einen schnellen Puls und große Ausschläge. Das spürt man im Alltag: Viele Projekte laufen parallel, Entscheidungen werden rasch getroffen, Kapazitäten und Angebote werden ausgebaut.

 

Fokus

Der Schwerpunkt liegt auf Aufbau, Skalierung und Expansion. Aus Ideen werden tragfähige Strukturen, aus Projekten entsteht systematisches Wachstum. Es geht darum, Nachfrage zu bedienen, Umsetzungskraft zu erhöhen und Chancen im Markt konsequent zu nutzen – vom zusätzlichen Zimmertrakt über neue Märkte bis zu mehr Umsatz pro verfügbarem Zimmer.

 

Trend-Fokus

Im Wachstumspuls wirken vor allem normative Trends: Öko-Intelligenz, Energieeffizienz und Verantwortung. Nachhaltigkeitsthemen werden nicht nur als Marketing-Botschaft, sondern zunehmend systemisch in Geschäftsmodell und Prozesse integriert.

 

Was heißt das für meinen Betrieb?

Ihr Betrieb trägt mit hoher Wertschöpfung und viel Dynamik wesentlich zur Stärke der Branche bei. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Wachstum auf Kosten von Resilienz, Innovationsfähigkeit oder Arbeitgeberattraktivität geht, wenn Strukturen, Führung und Mitarbeiter:innenentwicklung nicht mithalten. Sinnvoll ist Weiterbildung, die Wachstum professionalisiert – etwa in Strategie, Controlling, Preisgestaltung & Vertrieb, Online-Marketing und Nachhaltigkeitsmanagement, um den Übergang in eine stabile, zukunftsfähige Leistungsphase zu sichern.

Pulsbild

Im Übergangspuls ist der Puls „geknickt“: Phasen von Beschleunigung und Abbremsen wechseln einander ab, die Ausschläge sind unregelmäßig. Das zeigt sich im Alltag als Wechsel zwischen „Vollgas“ und „auf der Bremse stehen“, etwa bei Investitionen, Projekten oder Entscheidungen zu Angebot und Mitarbeiter:innen.

 

Fokus

Im Zentrum stehen Schwelle, Entscheidung und Umstellung. Die bisherige Logik trägt nicht mehr vollständig, die neue ist noch nicht klar – es geht um strategische Richtungsentscheidungen: Welche Zielgruppen? Welche Investitionen? Welche Organisationsform?

 

Trend-Fokus

Im Übergangspuls lässt sich kein klarer Trend-Fokus benennen, weil die strategische Ausrichtung noch nicht entschieden ist. Genau diese Unbestimmtheit macht die Phase instabil und anspruchsvoll.

 

Was heißt das für meinen Betrieb?

Diese Phase ist instabil, entscheidungssensibel und stark führungsabhängig – hier kann man viel gewinnen, aber auch viel verspielen. Wichtig sind Klarheit im Führungsteam, transparente Kommunikation und ein strukturiertes Vorgehen bei großen Weichenstellungen. Weiterbildung in Strategie, Leadership, Change-Management und Organisationsentwicklung hilft, den Übergang bewusst zu gestalten und den nächsten Puls gezielt anzusteuern.

Pulsbild

Betriebe im Explorationspuls zeigen eine moderate Energie, einen variablen Puls und wechselnde Ausschläge. Man merkt: Nicht alles ist fix, vieles wird getestet, verworfen, angepasst – es ist eine Phase des Suchens und Lernens.

 

Fokus

Der Fokus liegt auf Experimenten, Lernen und kreativer Dynamik. Neue Angebote, Formate, Services oder Geschäftsmodelle werden im „Pilotmodus“ ausprobiert – oft parallel zum laufenden Betrieb.

 

Trend-Fokus

Inhaltliche Trends stehen im Vordergrund, insbesondere Mobilität und Wohlbefinden. Das umfasst etwa neue Gästesegmente, Health & Wellbeing-Angebote, innovative Mobilitätskonzepte oder neue Formen der Aufenthaltsgestaltung.

 

Was heißt das für meinen Betrieb?

Ihr Betrieb gehört zu den „suchenden Erneuerern“: Sie arbeiten aktiv an Verbesserungen und neuen Zukünften. Die Herausforderung ist, aus vielen Ideen jene weiterzuentwickeln, die wirklich marktfähig, ertragsstark und zur Identität Ihres Hauses passend sind. Weiterbildung in Online-Marketing, Datenanalyse, KI-gestützter Produktentwicklung sowie Preisgestaltung & Vertrieb unterstützt dabei, Experimente zu strukturieren, systematisch zu testen und wirtschaftlich tragfähig zu machen.

Pulsbild

Im Leistungspuls zeigt sich ein gleichmäßiger Puls mit konstanten Ausschlägen. Der Betrieb läuft, Prozesse greifen, es gibt Routine und Verlässlichkeit. Das System liefert unter Last – gleichzeitig wird deutlich, dass Strukturen, Prozesse und Führung professionalisiert werden müssen, damit das System lernfähig bleibt.

 

Fokus

Im Vordergrund stehen verlässliche Lieferung, Qualitätssicherung und organisationale Reife. Es geht darum, Abläufe zu klären, Verantwortlichkeiten zu schärfen, Standards zu etablieren und die Organisation so aufzustellen, dass sie unter hoher Last lernfähig bleibt.

 

Trend-Fokus

Der Trend-Fokus ist prozess- und strukturorientiert: Führung, Prozesse, Organisation. Themen wie Führungsqualität, interne Kommunikation, Qualitätsmanagement und Prozessoptimierung rücken in den Mittelpunkt.

 

Was heißt das für meinen Betrieb?

Ihr Betrieb liefert – aber die Organisation muss nachziehen. Bevor neue Wachstums- oder Innovationsschritte sinnvoll sind, braucht es Investitionen in Strukturen, Führung und Prozesse. Jetzt zahlt sich jede Investition in organisationale Reife aus – von Führungskräfteentwicklung über Housekeeping- und Qualitäts-Seminare bis hin zu Controlling- und Prozess-Tools. Weiterbildung, die Standards, Rollen und Abläufe stärkt, reduziert Reibungsverluste und schafft die Basis für den nächsten Entwicklungsschritt.

Pulsbild

Im Regenerationspuls ist die Energie niedrig, der Puls langsam, die Ausschläge sind klein. Viele Beteiligte empfinden die Situation als erschöpfend oder „ausgelaufen“, gleichzeitig ist der Wunsch nach Veränderung deutlich spürbar.

 

Fokus

Der Fokus liegt auf Erholung, Reflexion und grundlegender Neuorientierung. Es geht darum, ehrlich zu analysieren, was nicht mehr funktioniert, und Raum für neue Perspektiven, Geschäftsmodelle, Zielgruppen oder Kooperationsformen zu schaffen.

 

Trend-Fokus

Im Regenerationspuls wirken vor allem gesellschaftliche Trends: Demografie, Fachkräfte, Technologie. Sie stellen das bisherige Geschäftsmodell in Frage – etwa durch veränderte Arbeitsmärkte, neue Gästebedürfnisse oder technologische Brüche.

 

Was heißt das für meinen Betrieb?

Ihr Betrieb gehört zu den „fragmentierten Vielversuchern“ – viele Dinge wurden ausprobiert, ohne dass ein klares neues Zielbild entstanden ist. Jetzt geht es darum, den Mut zur Fokussierung zu finden, strategisch neu zu denken und sich Zeit für Neuausrichtung zu nehmen. Sinnvoll sind Formate, die sowohl inspirieren als auch strukturieren: Kongresse und Strategieworkshops für das neue Zukunftsbild, KI- und Organisations-Tools zur Entlastung im Alltag sowie Ausbildungs- und HR-Angebote, die Fachkräftesicherung und Übergaben unterstützen.

Übergänge als Hebelpunkte – und wie die ÖHV unterstützt

Der Zukunftspuls zeigt deutlich: Spannungen sind keine Fehler, sondern Signale für notwendige Übergänge. Kritisch sind vor allem die Übergänge zwischen den Pulsen, weil hier Energie instabil wird, Entscheidungen mit großer Tragweite anstehen und Führung besonders gefordert ist.

Die ÖHV begleitet Betriebe in allen Pulsen – mit Interessenvertretung, Beratung und einem breiten Weiterbildungsangebot im ÖHV-Campus, von der strategischen Unternehmerakademie über Lehrgänge bis zu operativen Praktikerseminaren. Ziel ist es, dass Betriebe ihren aktuellen Puls erkennen und jene Lernpfade wählen, die den nächsten Schritt ermöglichen – ohne Phasen zu überspringen und ohne in Erschöpfung zu geraten.

Ihr Ansprechpartner

Oliver Schenk MA

Oliver Schenk MA

Public Affairs E-Mail senden +43 1 5330952-24

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