Zum Inhalt
Erich Falkensteiner: „Vom Hotel-ich-kann-alles.com halte ich nix.“
Interview

Erich Falkensteiner: „Vom Hotel-ich-kann-alles.com halte ich nix.“

Wachstum mit klarer Kante: Falkensteiner entwickelt sein Portfolio in Österreich und Italien gezielt weiter, von Premiumhotels über neue Betreiber und Finanzierungsmodelle bis hin zu hochwertigen Camping Angeboten. Im Interview spricht Erich Falkensteiner darüber, was ein Haus zur Marke passen lässt, warum Mitarbeiterunterkünfte immer wichtiger werden und was starke Interessenvertretung für die Branche leisten muss.

Lesezeit: 

ÖHV: Mit dem Falkensteiner Hotel Saalbach-Hinterglemm, der Übernahme des Triforêt in Hinterstoder und dem Einstieg bei der Therme Loipersdorf hat sich bei Falkensteiner in Österreich zuletzt einiges getan. Welche strategische Linie steckt hinter diesem Mix aus Eigeninvestition und Betreiber-Modell, und woran erkennen Sie, ob ein Haus wirklich zu Falkensteiner passt?

Grundsätzlich machen wir Eigeninvestitionen, Investitionen mit Partnern und Betreiberverträge in Form von Managementverträgen oder Pacht. Ein Haus muss in das Premium Segment passen, sprich 4 Superior oder 5 Sterne. Dann entscheiden wir ob das Hotel als Family Hotel, als Adult only oder „for all“ passt. Ich persönlich bin ein großer Verfechter davon, dass ein Hotel eine klare Kante hat, und für den Markt klar erkennbar ist, wofür es steht. Vom „Hotel-ich-kann-alles.com“ halte ich nix.

ÖHV: Falkensteiner ist in Italien stark präsent und weiter auf Wachstumskurs. Was macht den italienischen Markt derzeit so attraktiv, und wo sind die Rahmenbedingungen für die Spitzenhotellerie besser?

Das stimmt, dass wir stark in Italien wachsen. Das hat mehrere Gründe:

  1. Ist gerade Italien zur Zeit stark im internationalen Focus für Gäste.
  2. Die Möglichkeiten im urbanistischen Bereich sind besser.
  3. In den meisten Zonen wird das Modell  Branded Residences erlaubt bzw. ist gewünscht und wird unterstützt. Es ist ein Lösungsansatz gegen die normalen Freizeitwohnsitze und wird von den Gemeinden als großer Vorteil gesehen. Ich denke, dass solche Modelle auch für die österreichische Hotellerie und den Tourismus einer der wichtigsten Schritte sein muss. Es vereint ein Hotelkonzept mit einem Finanzierungmodell  und einem Konzept für die Gemeinden. Beispiele sind in Österreich die Falkensteiner Residences edel:weiss am Katschberg und in Italien die Falkensteiner Residences Jesolo oder die neuen Falkensteiner Residences Lake Garda.

ÖHV: Auch im Camping-Bereich engagiert sich Falkensteiner verstärkt. Was sind die Beweggründe dafür? Wie ergänzt Camping die bestehende Angebotspalette?

Ich denke, dass es mehr alternative und hochwertige Unterkunftsmöglichkeiten im Camping-Segment geben wird, sprich: Campingplätze die in Premium-Plätze umgewandelt werden. Und der Outdoor-Urlaub wird an Kraft gewinnen - aber es muss ein Qualitätsprodukt sein!

ÖHV: Camping, Resorts, Familienhotellerie, Premiumangebote: Falkensteiner ist in unterschiedlichen Segmenten aktiv. Was ist der verbindende Markenkern, der all diese Konzepte zusammenhält, und wie verhindern Sie, dass die Kernmarke durch die zunehmende Diversifizierung verwässert?

Eine gute Frage und gleichzeitig eine Herausforderung! Der Markenkern muss unser „welcome home“ Falkensteiner Feeling bleiben. Du als Gast bist für uns das wichtigste Element, wir bleiben familiär, verschließen uns aber nicht vor Innovationen und wollen Trendsetter sein. 

ÖHV: Höchste Servicequalität im Premium-Segment funktioniert nur mit Top-Mitarbeiter:innen. Falkensteiner investiert mittlerweile massiv in eigene, hochwertige Mitarbeiter-Resorts (wie im Montafon oder in Saalbach). Ist der Bau von erstklassigen Mitarbeiter-Unterkünften für Sie heute bereits genauso erfolgskritisch und wettbewerbsentscheidend geworden wie das Gästebett selbst?

Absolut! Heutzutage ein Hotel ohne Mitarbeiterhaus zu bauen, ist fahrlässig. Die Mitarbeiter:innen sind das größte Kapital, und das muss gehegt und gepflegt werden. Und dazu gehört auch eine gute Unterkunft. 

ÖHV: Falkensteiner zählt zu den Unternehmen der Branche, die besonders viel Erfahrung mit Crowdinvesting gesammelt haben. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Vorteile dieses Finanzierungsmodells – und wo liegen die Grenzen oder Herausforderungen?

Unser Crowdinvesting-Modell ist für uns gleichzeitig auch ein Kundenbindungsprogramm. Da die Gäste doch zum größten Teil hotelgutscheine nehmen, hat das für uns den Vorteil, diese Gäste an uns zu binden. Voraussetzung ist großes Vertrauen und hohe Wertschätzung. Wer Crowdinvesting als reines Finanzierungsmodell sieht, ist total auf dem falschen Weg. Wie alles, was erfolgreich sein soll, muss es ein Konzept sein, das gut durchdacht ist. Wenn jemand meint, das kann man nur so nebenbei machen, sollte man es lassen. Und auch hier ist es entscheidend, die richtigen Mitarbeiter:innen zu haben.

ÖHV: Sie sind trotz vollem Terminkalender Stammgast beim ÖHV-Hotelkongress. Was macht diesen Branchentreff für Sie persönlich relevant – und was erwarten Sie sich gerade in wirtschaftlich volatilen Zeiten von einer starken Interessenvertretung?

Es ist kein Geheimnis, dass ich ein großer Fan der ÖHV bin. Ich finde, die Vereinigung sehr gut geführt, sehr innovativ und ein Mehrwert für die Branche. Der Hotelkongress der ÖHV ist für mich ein Fixpunkt im Kalender - immer sehr gute Referent:innen, angenehme Atmosphäre, guter Austausch unter Kollegen und ja, die Feiern am Abend gehören auch dazu.

Danke für das Gespräch!

Juni 2026

Copyright Bilder: Falkensteiner

Mag. Maria Wottawa

Mag. Maria Wottawa

Leitung Mitgliederservice E-Mail senden +43 1 5330952-14
Zur Hauptnavigation
Print Share

Diesen Artikel teilen

Das geistige Eigentum an allen Texten, Bildern und Videos auf dieser Website liegt bei der Österreichischen Hotelvereinigung oder wurde mit Genehmigung des jeweiligen Inhabers der entsprechenden Rechte verwendet. Es ist gestattet, diese Website zu betrachten, Extrakte auszudrucken, auf die Festplatte Ihres Computers zu speichern und an andere Personen weiterzuleiten. Es ist jedoch nicht gestattet, die Inhalte kommerziell zu nutzen oder Inhalte – auch in Teilen – in Publikationen zu verwenden. Weitergehende Rechte sind mit der Nutzung dieser Website nicht verbunden. Die Österreichische Hotelvereinigung ist nicht verantwortlich für fremde Inhalte von Websites, auf die von dieser Seite verwiesen wird.