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Schani Hotels: "Die Lage ist entscheidend."
Interview

Schani Hotels: "Die Lage ist entscheidend."

Ausgehend vom Stammhaus am Wilhelminenberg haben Benedikt und Alexander Komarek die Schani Hotels entwickelt und Häuser am Hauptbahnhof, auf der Mariahilfer Straße und bei der UNO City eröffnet. Ganz neu im Portfolio ist das Hotel Schani City beim Karmelitermarkt und 2026 kommt noch das Hotel Schani Naschmarkt dazu. Grund genug für die ÖHV, Benedikt Komarek zum Interview zu bitten.

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ÖHV: Herr Komarek, können Sie uns einleitend einen kurzen Abriss geben, wie aus dem Stammhaus am Wilhelminenberg die Schani Hotels wurden?

Nach meinem Studium an der WU Wien und des postgradualen Studiums „Master International Management“ in Budapest war für mich schnell klar, dass ich die Hotellerie aktiv mitgestalten möchte – die Idee einer eigenen Marke hat mich von Anfang an begleitet. Gleichzeitig hat meine Mutter, Hilde Komarek, das Stammhaus am Wilhelminenberg mit großer Leidenschaft geführt und geprägt. So ist Schritt für Schritt die Idee entstanden, etwas Eigenständiges zu entwickeln – als Weiterentwicklung dessen, was wir aus dem Familienbetrieb mitgenommen haben. Gemeinsam mit meinem Bruder Alexander haben wir dann begonnen, unsere eigenen Ideen auszuformulieren. Während er die wirtschaftliche Seite abgedeckte, lag mein Fokus auf Konzept und Innovation. Aus diesem Zusammenspiel heraus entstand die Vision einer eigenständigen Marke – der Grundstein für die Schani Hotels.
Bis daraus ein fertiges Produkt wurde, war es allerdings ein längerer Prozess. Es ging darum, die richtigen Partner zu finden, ein starkes Team aufzubauen und ein Konzept zu entwickeln, das neue Impulse setzt. Es brauchte die richtigen Menschen. Meine Schwägerin Anita hat der Marke von Anfang an eine Identität gegeben, ihr auf Brandebene eine „Seele eingehaucht“. Auf strategischer Ebene haben uns Partner wie Michael Widmann von der PKF hospitality group, mit fundierten Marktanalysen begleitet. Zudem ist uns mit Prof. Vanessa Borkmann vom Fraunhofer Institut gelungen, ein Hotel umzusetzen, das nicht nur für das jetzt, sondern auch für die Zukunft steht. Es war ein langjähriger Prozess. Letztendlich wurde einige Jahre später, 2022, das Stammhaus Wilhelminenberg in die Schani Hotels integriert, das heutige Bio-Hotel Schani Wienblick.

ÖHV: Schani steht nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für einen hohen Innovations- und Digitalisierungsgrad. Was davon sehen Sie mittlerweile als „must have“ für die Hotels und welche Tools und digitalen Lösungen haben Sie aktuell in der Pipeline?

Von Anfang an ging es uns darum, die Guest Journey neu zu denken und technologische Innovationen sinnvoll einzusetzen. Themen wie mobiles Check-in oder der Zimmerschlüssel am Smartphone waren damals alles andere als Standard – für uns aber ein logischer Schritt, um Abläufe für den Gast einfacher und intuitiver zu gestalten. In der frühen Phase haben wir, gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut bewusst viel ausprobiert: von multifunktionalen Lobbys (Coworking Space in der Lobby; Zusammenführung von Rezeption und Bar in der Lobby) bis hin zu Service-Robotern. Nicht alles hat sich durchgesetzt – und das ist auch Teil des Prozesses. Was für den Gast echten Mehrwert bringt, wie etwa mobile Services oder eine nahtlose digitale Guest Journey, ist heute für uns ganz klar „must have“. Andere Dinge, wie den Service Roboter, haben wir wieder verworfen, weil die Technologie oder die Akzeptanz noch nicht dort war, wo wir sie brauchten.

Grundsätzlich gilt für uns: Digitalisierung funktioniert dann am besten, wenn sie hauptsächlich im Hintergrund passiert. Der Gast soll sie nicht aktiv wahrnehmen, sondern einfach ein reibungsloses Erlebnis haben. 

Die intelligente Vernetzung spielt im Betrieb eine immer größere Rolle – etwa in der Gebäudeautomation oder bei der Optimierung interner Prozesse. Hier liegt enormes Potenzial, um Effizienz, Nachhaltigkeit und Arbeitsabläufe zu verbessern. Wir beschäftigen uns laufend mit neuen Technologien und Lösungen. Einiges ist bereits in Entwicklung – und unsere Gäste dürfen sich schon bald auf die nächste Innovation freuen.

Benedikt Komarek
Schani Hotels

ÖHV: Was macht die Marke Schani aus? Mit welchen Begriffen möchten Sie assoziiert werden?

Schani steht für smarte, innovative Hotellerie mit Wiener Wurzeln. Jedes Haus erzählt seine eigene, standortbezogene Geschichte und hat ein individuelles Design – und ist dennoch klar als Schani erkennbar. Wiener Schmäh, echte Gastfreundschaft und ein familiärer Umgang – sowohl mit Gästen als auch im Team. Gleichzeitig treiben uns Themen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Innovation konsequent an. Wenn man es auf den Punkt bringt: offen, inklusiv, smart und individuell – mit dem Anspruch, Hotellerie ständig weiterzudenken.

ÖHV: Das Schani-Wienblick ist ein Bio-Hotel? Wie kam es zu der Entscheidung und welchen Stellenwert hat Nachhaltigkeit in den anderen Häusern?

Nachhaltigkeit war bei uns nie ein Trend, sondern immer schon Teil der Schani-DNA. Das kommt klar aus dem Familienbetrieb – dort wurde schon früh sehr bewusst und ressourcenschonend gearbeitet. Meine Mutter Hilde hat mit dem Stammhaus am Wilhelminenberg als eines der ersten Hotels in Wien das Umweltzeichen erhalten. Diesen Zugang haben wir in die Schani Hotels mitgenommen und weiterentwickelt. Das Bio-Hotel Schani Wienblick ist so gesehen eine konsequente Fortführung dieser Haltung. Meine Frau Juliette lebt diesen Ansatz weiter und setzt nicht nur im Stammhaus, sondern in allen anderen Häusern als Nachthaltigkeitsbeauftragte diesen Grundsatz um. Auch können wir durch die bereits erwähnte – Gebäudeautomation, eine intelligente Vernetzung der verschiedenen operativen Bereiche erreichen. Housekeeping-Prozesse können so beispielsweise einfacher geplant und optimiert werden, damit keine Leerräume entstehen. Wir sehen darin die Chance, Abläufe effizienter, nachhaltiger und zugleich stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen der Gäste auszurichten.

ÖHV: Gerade hat das Schani City beim Karmelitermarkt aufgesperrt und heuer folgt noch das Schani Naschmarkt. Erwarten Sie sich positive Effekte von den Märkten? Passen diese beiden sehr beliebten Märkte zum Image und Positionierung der Schani Hotels oder ist das eher ein Zufall?

In der Hotellerie gilt nach wie vor: die Lage ist entscheidend. Die ist bei uns definitiv kein Zufall. Gleichzeitig geht es uns nicht nur um zentrale Standorte, sondern immer auch um das Umfeld, die Nachbarschaft. Wir schauen sehr genau auf das jeweilige Grätzl und versuchen, dessen Charakter in die Konzeption des Hotels zu integrieren. Gerade Märkte wie der Karmelitermarkt beim Hotel Schani City oder der Naschmarkt beim Hotel Schani Naschmarkt sind dafür ideal – sie sind lebendige Mikrokosmen, die sowohl für Reisende als auch für Einheimische eine hohe Anziehungskraft haben.  Durch den steigenden Bekanntheitsgrad unserer Hotels bekommen wir auch immer mehr anfragen von Entwicklern, ob wir nicht mit ihnen zusammenarbeiten möchten.

ÖHV: Das Hotel Schani City im 2. Bezirk wird „koscher-friendly“. Was kann man sich darunter vorstellen? 

Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir auf unsere Umgebung eingehen. Der 2. Bezirk ist stark von jüdischer Kultur geprägt – darauf reagieren wir entsprechend und bieten einige koscher-friendly Zimmer an. Koscher bedeutet einerseits bauliche Anpassungen, die wir in den Zimmern umsetzen, mit denen wir am Schabbat den gewöhnten Komfort für die jüdischen Gäste bieten können andererseits gastronomische Optionen. Wichtig dabei: Es ist ein Angebot, kein Muss. Gäste können diese Optionen nutzen, müssen es aber nicht. Genau wie bei unseren digitalen Services – wer möchte, nutzt das mobile Check-in, wer nicht, checkt ganz klassisch an der Rezeption ein. Diese Wahlfreiheit ist uns zentral.

ÖHV: Den Medien konnten wir entnehmen, dass das Schloss Mautern in der Wachau ein Schani Hotel werden soll. Was kann man dazu schon sagen?

Das Schloss Mautern wird kein Schani Hotel. Wir unterstützen den Eigentümer bei der Entwicklung und werden es  auch gemeinsam betreiben, aber nicht unter der Schani Dachmarke. Für uns ist das ein spannender Schritt, weil wir damit erstmals stärker in Richtung Ferienhotellerie außerhalb Wiens gehen. Gleichzeitig eröffnet es die Möglichkeit, ein neues Produkt und neue Zielgruppen zu erschließen.

ÖHV:Die Expansion der Schani-Gruppe ist rasant. Gibt es schon weitere Pläne bzw. eine Zukunftsvision, die Sie mit uns teilen möchten?

Nach einer sehr dynamischen Wachstumsphase liegt unser Fokus aktuell klar auf Konsolidierung. Es geht darum, das Bestehende zu stabilisieren und wirtschaftlich nachhaltig weiterzuentwickeln. Gerade in einem herausfordernden Umfeld ist es entscheidend, die eigene Basis zu stärken, bevor man die nächsten großen Schritte setzt.

ÖHV: Welche Rolle spielte die ÖHV-Unternehmerakademie für Sie?

Die Unternehmerakademie hat mir ein solides Fundament gegeben – vor allem, wenn es darum geht, unternehmerische Ideen strukturiert umzusetzen. Die Ausbildung ist sehr praxisnah und viele Werkzeuge und Denkansätze, die ich dort mitgenommen habe, helfen mir dabei, meine Visionen in konkrete Projekte zu übersetzen. Die Akademie brachte auch viele Freundschaften. So habe ich auch die Liebe dort für mich entdeckt. Meine Frau Juliette, die ich nicht mehr missen möchte.

Danke für das Gespräch!

Ihre Ansprechpartnerin

Mag. Maria Wottawa

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