ÖHV: Die Vision T wurde präsentiert. Was ist aus Ihrer Sicht der größte Unterschied zu früheren Tourismusstrategien?
StS Zehetner: Die Vision T beschreibt nicht nur ein Zukunftsbild für die Tourismusnation Österreich, sondern macht Fortschritt erstmals auch messbar. Klar ist aber auch: Nächtigungszahlen allein dürfen nicht die Messlatte für erfolgreichen Tourismus sein. Tourismus leistet viel mehr – er schafft Wertschöpfung, Beschäftigung, Lebensqualität in den Regionen und trägt Verantwortung für Natur, Kultur und Ressourcen. Deshalb haben wir neun konkrete Kernindikatoren definiert, von Wertschöpfung und Beschäftigung über Gästezufriedenheit und Tourismusakzeptanz bis hin zu Nachhaltigkeit. So soll die reale touristische Wertschöpfung von rund 22,6 Milliarden Euro auf mehr als 25 Milliarden Euro steigen und die internationalen Reiseverkehrseinnahmen sollen auf über 36 Milliarden Euro wachsen. Damit schaffen wir einen klaren Kompass und können transparent nachvollziehen, ob wir unsere Ziele auch tatsächlich erreichen.
ÖHV: Was bedeutet die Vision T konkret für die Tourismusbetriebe?
StS Zehetner: Im Mittelpunkt steht die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe. Ein wichtiges Ziel ist daher, die Eigenkapitalquote der Qualitätshotellerie von derzeit unter 18 Prozent auf über 20 Prozent zu erhöhen. Gleichzeitig wollen wir den Ganzjahrestourismus stärken: Der Anteil der Nächtigungen außerhalb der vier Hauptsaisonmonate soll von rund 53 Prozent auf mehr als 60 Prozent steigen. Das bedeutet mehr Auslastung, mehr Planbarkeit und mehr Stabilität für die Betriebe. Dafür setzen wir auf bessere Rahmenbedingungen, die Unterstützung von Betriebsübergaben, gezielte Investitionsanreize und die Weiterentwicklung der Tourismusförderung.
ÖHV: Die Vision T setzt ambitionierte Ziele bis 2035. Was ist nun der nächste Schritt?
StS Zehetner: Mit der Präsentation der Vision T ist die Arbeit nicht abgeschlossen, sondern sie beginnt erst. Die Ziele sind klar definiert, jetzt müssen sie in konkrete Maßnahmen gegossen werden. Genau daran arbeiten wir derzeit: Die im Strategieprozess entwickelten Maßnahmenvorschläge werden nun weiter konkretisiert und innerhalb der Bundesregierung abgestimmt. Die konkreten Maßnahmen werden wir im Laufe des Sommers präsentieren.
Auch im Bereich Arbeitsmarkt und Nachhaltigkeit haben wir klare Zielwerte: Die Zahl der Ganzjahresbeschäftigten in Beherbergung und Gastronomie soll von rund 135.000 auf mehr als 160.000 steigen, die Zahl der Umweltzeichen-Betriebe von 814 auf 1.500 anwachsen und die CO₂-Emissionen in Beherbergung und Gastronomie von rund 310.000 Tonnen auf unter 200.000 Tonnen sinken. Die Vision T soll kein Dokument für die Schublade sein, sondern eine Arbeitsgrundlage für konkrete Regierungspolitik.
Vielen Dank für das Gespräch!