Christian Berlinger kennt die HOGAST und ihre Mitgliedsbetriebe seit vielen Jahren. Seit April 2026 bringt er diese Erfahrung als Vorstand für F&B und Vertrieb ein. Im Gespräch mit der ÖHV gibt er Einblick in aktuelle Entwicklungen im Einkauf.
ÖHV: Herr Berlinger, Sie haben Einblick in sehr unterschiedliche Hotel- und Gastronomiebetriebe. Welche Entwicklung prägen den Einkauf derzeit besonders stark? Welche Trends sehen Sie etwa bei Alkohol, Regionalität oder Bio?
Christian Berlinger: Eine Entwicklung prägt alle unsere Betriebe gleichermaßen, nämlich die verloren gegangene „Planbarkeit“. Sprich, es muss immer schneller und öfter auf Marktentwicklungen (verursacht durch Konflikte, geopolitische Ereignisse, Wetterkapriolen etc.) reagiert werden. Das verlangt eine häufigere Anpassung der Kalkulationen, respektive der Auswahl der Gerichte. Weniger Alkohol spüren wir ebenfalls, vor allem in der Warengruppe Wein. Die am Markt befindlichen alkoholfreien Alternativen können diesen Umsatzrückgang jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nicht zur Gänze kompensieren. Regionalität ist nach wie vor ein Thema, gerät durch die zunehmende Preissensibilität aber doch etwas unter Druck (leider). Die Nachfrage nach Bio-Produkten kann als stabil bezeichnet werden.
ÖHV: Steigende Kosten beschäftigen die Branche seit Jahren. Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen für Hotels? Sind bereits Preissteigerungen auf Grund von hitze- und trockenheitsbedingten Ernteausfällen spürbar?
Christian Berlinger: Eine der größten Herausforderungen ist aus meiner Sicht die bereits im ersten Punkt erwähnte Volatilität am Markt. Eine Kalkulation von heute kann morgen bereits wieder falsch sein. Es gibt unterschiedliche Ursachen für Preissteigerungen, teilweise natürlich Ernteergebnisse, Logistik- und Personalkosten, aber auch durch die Politik verursachte Entwicklungen wie z.B. der Importstopp ab September 2026 für Fleisch aus Brasilien. Unabhängig von der Ursache entsteht daraus immer ein entsprechender Handlungsbedarf bei den betroffenen Betrieben.
ÖHV: Wo sehen Sie Stolpersteine bei der von der Landwirtschaft geforderten Herkunftskennzeichnung? Gibt es Produkte, die am österreichischen Markt nicht ausreichend oder nicht zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar sind?
Christian Berlinger: Das ist für mich eher ein politisches Thema, bei dem ich beide Seiten bis zu einem gewissen Grad verstehen kann. Sollte es zu einer entsprechenden Verordnung kommen, bedeutet das ohne Zweifel wieder einen administrativen Mehraufwand für unsere Mitgliedsbetriebe. Da sollte man sich vielleicht einmal die ehrliche Frage nach „Aufwand & Nutzen“ stellen.
ÖHV: Wo sehen Sie den größten Nutzen von künstlicher Intelligenz im Einkauf?
Christian Berlinger: KI ist aktuell ein sehr breiter Begriff, den viele Menschen unterschiedlich assoziieren. Ich denke, dass uns die KI in vielen Prozessen sinnvoll unterstützen kann. Das bezieht sich aber aus meiner Sicht sehr stark auf die administrativen Prozesse der Beschaffung, die Qualitätskontrolle wird uns auf absehbare Zeit auch die KI nicht abnehmen können. Aber sie wird uns bestimmt dabei helfen, Prozesse effizienter zu gestalten und noch mehr Transparenz in den Markt zu bringen. Wie genau, wird sich vermutlich aber von Betrieb zu Betrieb stark unterscheiden.
ÖHV: Was plant die HOGAST, um ihre Mitgliedsbetriebe bei den aktuellen Herausforderungen künftig noch besser zu unterstützen?
Christian Berlinger: Wir müssen uns genauso auf ein dynamischeres Umfeld einstellen und unsere Dienstleistung stetig verbessern. Auch die Implementierung von KI in unsere Prozesse ist für uns ein sehr wichtiges Thema, da wir so noch mehr aus unseren bestehenden Ressourcen herausholen und den Grad unserer Dienstleistung weiter optimieren können. Unser Ziel ist es, unseren Mitgliedsbetrieben den größtmöglichen Mehrwert zu bieten, aber der Anspruch an uns variiert von Betrieb zu Betrieb oft sehr stark, was es schwer macht, eine pauschale Antwort auf diese Frage zu geben.
ÖHV: Wenn Sie auf die kommenden Jahre blicken: Was wird erfolgreichen Einkauf in der Hotellerie künftig auszeichnen?
Christian Berlinger: Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und ein gesundes Maß an strategischem Einkauf dort, wo es Sinn ergibt. Und das Ganze am besten mit uns als Partner.
Vielen Dank für das Interview.