Simplicity – ein Begriff, der in einer Branche, in der Tempo und Unvorhersehbarkeit zur Tagesordnung gehören, fast wie Luxus klingt. Doch genau das ist die Chance:
Wer es schafft, im Hotelalltag klare Strukturen zu etablieren, schafft nicht nur Ordnung im System, sondern auch Entlastung im Kopf.
Führungskräfte im Hotel jonglieren täglich mit zahlreichen Aufgaben wie operative Verantwortung, Teamführung, Gästekontakt oder Administratives. Wenn drei Mitarbeiter:innen gleichzeitig etwas wollen, das Telefon klingelt und die E-Mail mit dem Budget reinkommt, dann braucht es mehr als nur guten Willen. Es braucht Struktur. Dazwischen: ständige Unterbrechungen. Kein Wunder, dass oft das Gefühl bleibt, nicht „wirklich etwas geschafft“ zu haben. Was fehlt, ist nicht Engagement – sondern eine praxisnahe Strategie für Selbstorganisation.
Simplicity beginnt im Kopf
Zeit ist nicht beeinflussbar – doch wie wir sie nutzen, liegt ganz bei uns. Jeder Mensch hat 24 Stunden zur Verfügung. Laut einer aktuellen Untersuchung von McKinsey aus dem Jahr 2023 mit 984 Führungskräften weltweit verbringen diese im Schnitt fast drei Viertel ihrer Zeit mit Aufgaben, die nicht zu den zentralen Führungsaufgaben gehören – unfassbar, aber wahr. Ein enormes ungenutztes Potenzial, das zeigt, wie dringend gezieltes Selbstmanagement gebraucht wird. Der renommierte Zeitmanagement-Experte Prof. Lothar Seiwert bringt es auf den Punkt: „Man kann die Zeit nicht managen – nur sich selbst.“ Wer sich selbst nicht führt, verliert leicht den Fokus und der Stress ist vorprogrammiert. Wer Prioritäten erkennt, kann sich im Trubel besser abgrenzen. Was ist heute wesentlich? Was kann delegiert werden? Was darf wegfallen? Klare Entscheidungen bringen Ruhe. Ein klarer Tagesrhythmus, feste E-Mail-Zeiten oder kurze Abstimmungen zu fixen Zeitpunkten wirken oft unspektakulär. Sie sparen jedoch täglich wertvolle Minuten und Nerven.
Strukturen statt Dauerfeuer
Ein häufiger Zeitfresser: unklare Zuständigkeiten. Wenn Aufgaben nicht eindeutig verteilt sind, entsteht Doppelarbeit oder Leerlauf. Wer Abläufe strukturiert, spart Zeit – und fördert Eigenverantwortung im Team. Auch kurze Briefings, feste Meeting-Zeiten und klare Kommunikationsregeln zahlen darauf ein.
Delegieren entlastet alle
Viele Führungskräfte machen zu viel selbst – aus Pflichtgefühl oder Angst, den Überblick zu verlieren. Doch wer alles allein erledigt, bremst nicht nur sich selbst, sondern auch andere.
Delegation ist kein Kontrollverlust, sondern Vertrauen in Bewegung. Wichtig dabei: Aufgaben klar übergeben – mit Ziel, Frist und Spielraum.
Kleine Entscheidungen, große Wirkung
Simplicity beginnt bei kleinen, aber wirkungsvollen Entscheidungen im Alltag. Wer realistisch plant, Pufferzeiten berücksichtigt und feste Zeitfenster für Aufgaben einbaut, verschafft sich Luft und auch die Freiheit, souveräner zu reagieren. Statt alles mit Termindruck vollzustopfen, bringt bewusstes Priorisieren mehr Ruhe und Effektivität. Oft spart eine kurze Tagesplanung mehr Zeit, als sie kostet, und bringt mehr Übersicht und innere Ruhe.
Wenn Wirkung leicht werden darf
Mein Impuls an alle, die im Hotel Großes leisten: Sie müssen nicht schneller arbeiten, sondern smarter. Nicht härter führen, sondern bewusster. Wer gezielt entscheidet, wofür er seine Zeit und Energie einsetzt, gewinnt Spielraum – beruflich wie privat. Denn am Ende zählt nicht, wie voll der Tag war – sondern wie wir ihn erlebt haben.
Der Autor
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| Mag. Marion Kusatz Impulsgeberin · Business Trainerin · Mentorin für Resilienz, Selbstmanagement, Verkauf & Teamkultur neuewegegehen.jetzt | alm-retreat.at |
