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Hotel-Einkauf unter Druck: Flexibilität wird zum Erfolgsfaktor

Hotel-Einkauf unter Druck: Flexibilität wird zum Erfolgsfaktor

Christian Berlinger, Vorstand Einkauf & Vertrieb der HOGAST, über volatile Märkte, Regionalität, Herkunftskennzeichnung und KI im Einkauf.

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Planbarkeit wird im Hotel-Einkauf zum knappen Gut. Preise und Verfügbarkeiten ändern sich schneller, Gäste werden preissensibler, gleichzeitig bleiben Qualität und Profil entscheidend. Christian Berlinger, Vorstand Einkauf & Vertrieb der HOGAST, erklärt, wie Hotels darauf reagieren können, wo KI entlastet und warum strategischer Einkauf wichtiger wird.


ÖHV: Herr Berlinger, Sie haben Einblick in sehr unterschiedliche Hotel- und Gastronomiebetriebe. Welche Entwicklung prägen den Einkauf derzeit besonders stark? Sind Trends erkennbar? (z. B. weniger Alkohol? Mehr Regionalität? mehr bio?)

Christian Berlinger: Eine Entwicklung prägt alle unsere Betriebe gleichermaßen, nämlich die verloren gegangene „Planbarkeit“. Sprich es muss immer schneller und öfter auf Marktentwicklungen (verursacht durch Konflikte, geopolitische Ereignisse, Wetterkapriolen etc.) reagiert werden. Das verlangt eine häufigere Anpassung der Kalkulationen, respektive die Auswahl der Gerichte. Weiniger Alkohol spüren wir ebenfalls, vor allem in der Warengruppe Wein. Die am Markt befindlichen alkoholfreien Alternativen können diesen Umsatzrückgang jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nicht zur Gänze kompensieren. Regionalität ist nach wie vor ein Thema, aber gerät durch die zunehmende Preissensibilität doch etwas unter Druck (leider). Die Nachfrage nach Bio-Produkten kann als stabil bezeichnen.

 

ÖHV: Steigende Kosten beschäftigen die Branche seit Jahren. Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für Hotels? Und sind bereits Preissteigerungen auf Grund von hitze- und trockenheitsbedingten Ernteausfällen spürbar?

Christian Berlinger: Eine der größten Herausforderungen aus meiner Sicht, ist die bereits im ersten Punkt erwähnte Volatilität am Markt. Eine Kalkulation von heute, kann morgen bereits wieder falsch sein. Es gibt unterschiedliche Ursachen für Preissteigerungen, teilweise natürlich Ernteergebnisse, Logistikkosten, Personalkosten, aber auch durch die Politik verursachte Entwicklungen wie z.B. der Importstopp ab September 2026 für Fleisch aus Brasilien. Unabhängig von der Ursache, verursacht das aber immer einen entsprechenden Handlungsbedarf bei den betroffenen Betrieben.


 

ÖHV: Wo liegen aus Ihrer Sicht Stolpersteine bei der von der Landwirtschaft geforderten Herkunftskennzeichnung? Gibt es Produkte, die am österr. Markt nicht ausreichend bzw. nicht zu wettbewerbsfähigen Preisen bezogen werden können?

Christian Berlinger: Das ist für mich eher ein politisches Thema, wo ich beide Seiten bis zu einem gewissen Grad verstehen kann. Aber sollte es zu einer entsprechenden Verordnung kommen, bedeutet das ohne Zweifel wieder einen administrativen Mehraufwand für unsere Mitgliedsbetriebe.

Da sollte man sich vielleicht einmal die ehrliche Frage nach „Aufwand & Nutzen“ stellen.


ÖHV: Wo sehen Sie den größten Nutzen künstlicher Intelligenz im Einkauf?

Christian Berlinger: KI ist aktuelle ein sehr breiter Begriff, den auch viele Menschen unterschiedlich assoziieren. Ich denke, dass uns die KI in vielen Prozessen sinnvoll unterstützen kann. Das bezieht sich aber aus meiner Sicht sehr stark auf die administrativen Prozesse der Beschaffung, die Qualitätskontrolle wird uns auf absehbare Zeit auch die KI nicht abnehmen können. Aber sie wird uns bestimmt dabei helfen Prozesse effizienter zu gestalten und noch mehr Transparenz in den Markt zu bringen. Wie genau, wird sich vermutlich aber von Betrieb zu Betrieb stark unterscheiden.


 

ÖHV: Was plant die HOGAST, um ihre Mitgliedsbetriebe bei den aktuellen Herausforderungen künftig noch besser zu unterstützen?

Christian Berlinger: Wir müssen uns genauso auf ein dynamischeres Umfeld einstellen und unsere Dienstleistung stetig verbessern. Auch das Thema KI-Implementierung in unseren Prozessen ist für ein sehr wichtiges Thema, da wir so noch mehr aus unseren bestehenden Ressourcen herausholen können und den Grad unserer Dienstleistung stetig optimieren können. Unser Ziel ist es, unseren Mitgliedsbetrieben den größtmöglichen Mehrwert zu bieten, aber der Anspruch an uns variiert von Betrieb zu Betrieb oft sehr stark, was es schwer macht eine pauschale Antwort auf diese Frage zu geben.


 

ÖHV: Wenn Sie auf die kommenden Jahre blicken: Was wird erfolgreichen Einkauf in der Hotellerie künftig auszeichnen?

Christian Berlinger: Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und ein gesundes Maß an strategischem Einkauf da wo es Sinn ergibt. Und das Ganze am besten mit uns als Partner.


Vielen Dank für das Interview.

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