ÖHV: Herr Schiehser, Sie sind Absolvent der Hotelfachschulen MODUL, starteten Ihre Laufbahn im Ausland und waren zuletzt bei Hilton Austria bevor Sie sich – kurz vor Beginn der Corona-Krise - selbständig machten. Was waren Ihre Beweggründe, um den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen und wie ist es Ihnen gelungen, einen derart schwierigen Start zu überstehen?
Der Schritt in die Selbständigkeit war für mich eine bewusste Entscheidung. Meine Ausbildung an den MODUL Hotelfachschulen, Stationen im Ausland – u. a. in Hawaii und Dubai – sowie meine Tätigkeit als Assistant Director of Sales im Hilton Austria Cluster haben mir das nötige Know-how vermittelt. Irgendwann kam dann der Punkt, an dem ich nicht mehr nur Strukturen mitgestalten, sondern eigene Ideen konsequent umsetzen wollte.
Dass die Gründung kurz vor der Corona-Pandemie erfolgte, machte den Start besonders herausfordernd. Entscheidend war, dass ich diesen Weg gemeinsam mit meinen beiden Partnern Herrn Dr. Moser und Herrn Dzinashvili gegangen bin. Durch die gebündelten Kompetenzen konnten wir Risiken teilen und handlungsfähig bleiben.
Rückblickend hat genau dieser schwierige Start unsere heutige Struktur geprägt und damit die Grundlage für unser Wachstum gelegt.
ÖHV: Mittlerweile sind die Schiehser Hotels auf 16 Häuser und über 1.000 Zimmer in Österreich und Deutschland angewachsen, drei weitere Häuser sind in der Pipeline. 2024 kamen die Schiehser Hotels auf eine Auslastung von 92 % und konnten ihren Umsatz pro verfügbarem Zimmer um 12 % steigern. Was braucht es, damit man so schnell so stark expandieren und so erfolgreich sein kann und was waren aber auch die größten Hürden?
Ein zentraler Erfolgsfaktor für unser Wachstum sind klare gemeinsame Werte, die uns als Hotelgruppe verbinden. Expansion bedeutet für uns nicht nur, neue Standorte zu eröffnen, sondern Strukturen zu schaffen, die langfristig tragfähig sind.
Die vergangenen Jahre waren von enormer Marktdynamik geprägt – vom pandemiebedingten Stillstand bis zur starken Nachfrage 2022 und 2023 bei gleichzeitig deutlich steigenden Kosten. Das hat gezeigt, wie entscheidend Flexibilität und eine solide betriebswirtschaftliche Steuerung sind.
Nachhaltiger Erfolg entsteht durch die konsequente Balance zwischen Umsatz und Kosten. Hohe Auslastung allein reicht nicht aus – präzises Controlling und vorausschauende Planung sind unerlässlich. Auch die rasante technologische Entwicklung ist zunächst eine Herausforderung. Richtig eingesetzt, werden digitale Lösungen jedoch zum klaren Vorteil, da sie Effizienz – etwa im Revenue Management – deutlich verbessern.
Wichtig ist, offen für Veränderungen zu bleiben und Wachstum nicht nur quantitativ, sondern vor allem strukturell sauber zu gestalten.
ÖHV: Kostensteigerungen bei Mitarbeitenden, Energie und Lebensmitteln – die Ergebnisse in der Hotellerie sind unter Druck. Wie gehen Sie in Ihren Betrieben damit um?
Diese Kostensteigerungen sind eine große Herausforderung. Zentral ist für uns, dass wir die Balance zwischen Kostenkontrolle und Servicequalität halten. Effizienzsteigerungen, etwa durch digitale Tools oder bei internen Prozessen, helfen uns, Ressourcen optimal einzusetzen, ohne dass unsere Gäste darunter leiden.
Letztlich geht es darum, steigende Kosten zu kontrollieren und zugleich stabile Strukturen für weiteres Wachstum zu schaffen.
ÖHV: Mit dem neuen Hampton bei Hilton Salzburg Messe docken Sie wieder an die Hilton Gruppe an, 2 Häuser werden als ibis geführt. Wie wichtig werden derartige Kooperationen für unabhängige Hotels in den nächsten Jahren?
Kooperationen, Markenallianzen und strategische Partnerschaften werden für unabhängige Hotels immer wichtiger. Jedes unserer Häuser bleibt bei Schiehser Hotels individuell und behält seinen eigenen Charakter. Gleichzeitig ermöglichen Franchisebetriebe wie das neue Hampton by Hilton in Salzburg oder unsere ibis-Häuser, andere Gästeschichten anzusprechen und von etablierten, internationalen Loyalitätsprogrammen zu profitieren. So verbinden wir die Vorteile globaler Marken mit unserer Unabhängigkeit und den individuellen Erlebnissen, die unsere Häuser auszeichnen.
ÖHV: Wo sehen Sie aktuell die größte strategische Chance für die österreichische Qualitätshotellerie, wo die größten Risiken und was ist dabei Ihre Vision für die Schiehser Hotels?
Die größte strategische Chance für die österreichische Qualitätshotellerie liegt aus meiner Sicht in der Kombination aus Individualität und Digitalisierung. Gäste suchen authentische, persönliche Erlebnisse, gleichzeitig erwarten sie effiziente Buchungsprozesse, modernen Service und digitale Services. Hotels, die beides verbinden, können sich klar vom Wettbewerb abheben.
Der Markt ist dynamisch, daher ist es entscheidend kontinuierlich „on track“ zu bleiben und aufmerksam zu beobachten, um nicht von der Konkurrenz überholt zu werden. Insbesondere die Digitalisierung und die ständige Einführung neuer Tools erfordern laufende Anpassungen und Investitionen. Daher auch unser insgeheimer Leitspruch „das war schon immer so – gibt es bei uns nicht“.
Unsere Vision ist der Aufbau einer österreichischen Hotelgruppe im Privatbesitz. Der Fokus liegt dabei auf Hotels in städtischen Lagen, die einen angenehmen, persönlichen Flair vermitteln und eigenständig für sich stehen. Jedes Haus soll eine unverwechselbare Atmosphäre bieten, die Gäste schätzen und an die sie gerne zurückkehren. Gerne möchte ich an dieser Stelle auf zwei unserer Projekte verweisen: das Palais Mailberger Hof (Eröffnung März 2025) sowie unser Hotelprojekt Palais No. 7 in der Habsburgergasse, das Anfang 2027 eröffnet werden soll.
ÖHV: Was wären Ihre wichtigsten 3 Wünsche an die Politik in Österreich?
Planbare Rahmenbedingungen schaffen: Gerade in der Hotellerie sind langfristige Investitionen entscheidend. Dafür braucht es stabile und verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen sowie eine vorausschauende Politik ohne kurzfristige, nicht ausreichend abgestimmte Maßnahmen – etwa bei der neuen Ortstaxe in Wien. Ebenso wichtig sind nachhaltige steuerliche Entlastungen, beispielsweise bei der Lohnsteuer, damit Arbeiten attraktiv bleibt.
Fachkräfte sichern und fördern: Der Fachkräftemangel ist eine zentrale Herausforderung. Maßnahmen zur Aus- und Weiterbildung sowie attraktive Arbeitsbedingungen sind essenziell, um qualifiziertes Personal langfristig zu gewinnen und zu halten.
Nachhaltigkeit unterstützen: Klimaschutz und nachhaltige Hotelführung sind heute unverzichtbar. Politische Förderungen und klare Anreize für Energieeffizienz, CO₂-Reduktion und innovative Technologien würden es Betrieben erleichtern, umweltbewusst zu wirtschaften und gleichzeitig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Vielen Dank für das Gespräch!
Februar 2026
