Mittwoch, 14. Jänner 2026
Mit “einfacher machen” unterstreichen wir unseren Kampf gegen Bürokratie und Wettbewerbsnachteile, mit “einfach machen” wollen wir der Politik sagen: lasst uns einfach machen, dann kriegen wir den Tourismus schon gut auf die Reihe
Walter Veit, ÖHV-Präsident
1.750 Qualitätsbetriebe, 20 Regionen und nahezu alle Tourismusschulen des Landes zählt die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) zu ihren Mitgliedern. Das Angebot an Serviceleistungen wurde im vergangenen Jahr ebenso wie die Mitgliederzahl (plus 65) weiter ausgebaut. Die Erfolge zeigen, dass es einfach wichtig ist, eine freie Interessenvertretung zu haben, erklärte Präsident Walter Veit am Mittwoch zur Eröffnung des Hotelkongresses 2026, der rund 630 Fachbesucher:innen aus ganz Österreich und dem nahen Ausland für drei Tage (14. bis 16.1.) im Linzer Design Center zusammenführte. Im Mittelpunkt dieser größten Veranstaltung der Hotelbranche stand diesmal der Kampf gegen Bürokratie und andere unzumutbare Kostenbelastungen. Das Motto der Tagung lautete „simplicity: einfach(er) machen“.
"Mit 'einfacher machen' unterstreichen wir unseren Kampf gegen Bürokratie und Wettbewerbsnachteile, mit ‘einfach machen’ wollen wir der Politik sagen: lasst uns einfach machen, dann kriegen wir den Tourismus schon gut auf die Reihe“, präzisierte Präsident Veit in seiner Begrüßungsrede. Die Bürokratie koste Österreich pro Jahr 2,6 bis 3,8 Prozent des BIP. Jede Verwaltungsvereinfachung schaffe hingegen neue Handlungsspielräume, stärke die Betriebe und sichere damit Arbeitsplätze. Das kleine Team von Deregulierungs-Staatssekretär Sepp Schellhorn müsse massiv aufgestockt werden. „Wir unterstützen Schellhorn sehr und erwarten, dass er die Agenda weiter vorantreibt. Unsinnige Regeln müssen weg und neue bürokratische Bremsen im Keim erstickt werden“, unterstrich der Hotellerie-Sprecher. Vorschläge zur Grundsteuererhöhung seien „ein Wahnsinn für die Branche“ und die Forderung nach einem einzelnen „billigen Gericht“ überhaupt eine Schnapsidee.
Vehement wies Veit die Kritik der Arbeiterkammer zurück, wonach Betriebe in der Zwischensaison Beschäftigte beim Arbeitsmarktservice „zwischenparken“ würden. Den Betrieben gelinge es immer besser, die Saisonen auszuweiten. In der Saisonhotellerie sei es aber trotzdem in vielen Fällen immer noch notwendig, die Dienste des AMS in Anspruch zu nehmen. Eine sinnvolle Möglichkeit wäre, dass sich Hotels und das AMS die anfallenden Kosten teilen. „Wir begrüßen Gespräche mit der Politik in dieser Richtung!“.
Der Tourismus in Oberösterreich hat sich auch in schwierigen Zeiten als stabiler Faktor bewährt und wurde durch die Reform mit weniger Verbänden strukturell wie inhaltlich nachhaltig gestärkt.
Markus Achleitner, Landesrat für Wirtschaft und Tourismus
Als Vertreter des Gastgeberlandes begrüßte Landesrat Markus Achleitner die Gäste. Wie er sagte, habe sich der Tourismus in OÖ auch in schwierigen Zeiten als Fels in der Brandung erwiesen. Im Zuge einer 2019 gestarteten Reform wurde die Zahl der Tourismusverbände im Lande von 19 auf 7 reduziert. „Das war ein gutes Signal. Wir haben aber nicht nur strukturell reformiert, auch inhaltlich ist viel passiert“, zog Achleitner eine positive Bilanz.
Politik & Gesetze – einfach(er) machen
Wolfgang Peschorn, Präsident Finanzprokuratur
Als Keynote-Speaker des Eröffnungsabends führte Wolfgang Peschorn, seit 2006 Präsident der Finanzprokuratur, die Kongressteilnehmer:innen in die spannende Welt von Recht und Politik ein. Dabei ging er, dem Kongressmotto folgend, der Frage nach, wie Gesetze einfach(er) zu machen sind.
Dieser Aspekt habe grundsätzliche Bedeutung, bemerkte Peschorn. Ein schlanker Staat sei ein Staat, in dem man sich wohlfühlen kann, da er sich schweren Aufgaben besser zuwenden kann. Bürokratie sei hingegen ein Ausdruck übermäßiger staatlicher Aufgaben und Strukturen. In einem gewaltenteilenden Staat sei kritisch zu hinterfragen, welche Befugnisse der Staat braucht und welche Aufgaben er übernehmen soll. Staatliche Regeln („nichts anderes als Aufgaben- und Prozessbeschreibungen“) sind so zu konzipieren, dass sie gut eingesetzt werden können. Jeder wolle Sicherheit und ein Regelwerk haben, das er versteht. „Bauen wir den besten Staat der Erde, in dem man sich wohlfühlt“, sage Peschorn. Dies sei auch für den Tourismus von Bedeutung. „Die Besucher kommen gern, wenn sich die Gesellschaft gut organisiert hat“.
Polit-Talk mit Schellhorn, Zehetner, Peschorn und Veit
Die angeschnittenen Themen wurden in einem abschließenden Polit-Talk mit Walter Veit, Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, Sepp Schellhorn und Wolfgang Peschorn noch vertiefend diskutiert.
Veit startete mit einem Lob an Schellhorn. Dieser sei der erste, der die Problematik der Überbürokratisierung strategisch angehe: „Bleib dran. Von uns bekommst Du Unterstützung ohne Ende!“. Eine Entbürokratisierung könne nicht ohne Deregulierung funktionieren, erklärte der Staatssekretär. Auch die Gemeinden müsse man dazu gewinnen, ihre Potenziale zu heben. Dies sei ein wesentlicher Beitrag zur Sanierung der Staatsfinanzen. Zum Thema COFAG meinte Schellhorn, er werde für Klarheit sorgen. „Wir müssen das reparieren und haben dabei auch eine moralische Komponente zu beachten. Firmen, die damals im Recht waren, dürfen wir jetzt nicht benachteiligen“.
Der „Schnitzelpreisdeckel“? Ein Thema für den Villacher Fasching, bemerkte Schellhorn lakonisch zu dem in den vergangenen Tagen diskutierten Thema. Zehetner betonte, es sei ureigenstes Recht des Unternehmers, seine Preise zu bilden. Eine „Schnitzelaktion“ werde es jedenfalls mit ihr nicht geben.
Es sei ihr ein Anliegen, den gesamtwirtschaftlichen Wert des Tourismus in der breiten Öffentlichkeit noch bekannter zu machen. Als größter Dienstleistungsexporteur des Landes spiele die Hotellerie dabei eine herausragende Rolle. Hier stellte Veit die Frage, warum es keine Strompreissenkung für alle gibt. Wenn der Tourismus doch auch als „Industrie“ angesprochen werde, „warum bekommen wir dann nicht auch einen Energiepreis von fünf Cent?“. Zehetner verwies auf das Elektrizitätswirtschaftsgesetz, wonach die Energiesicherheit im Vordergrund stehe und man den Netzausbau stemmen müsse. „Aber wir haben dafür gesorgt, dass das Gesamtsystem wieder in Ordnung kommt“.
Abgerundet wurde der erste Kongresstag durch kurze Statements der ÖHV-Landesvorsitzenden Sophie Schick sowie von Andreas Winkelhofer (OÖ Tourismus) und Marie-Louise Schnurpfeil (Linz Tourismus), bevor es gemeinsam in mehreren Bussen zum schwungvollen „Eröffnungsabend auf Oberösterreichisch“ im Oberbank Donau Forum ging.
Eröffnungsabend auf Oberösterreichisch im Oberbank Donau-Forum
Der Eröffnungsabend begeisterte mit der Herzlichkeit und kulinarischen Vielfalt Oberösterreichs und schuf einen genussvollen Rahmen für den Kongressauftakt.
Musik, Tanz und regionale Kultur verbanden Tradition und Moderne zu einem stimmungsvollen, verbindenden Start in die Kongresstage.