Freitag, 16. Jänner 2026
Von KI bis Krypto: Was die Hotellerie morgen prägt
Nikolaus Skene, TEDx Speaker
„Von KI bis Krypto: was die Hotellerie morgen prägt“ war Thema des ersten Referats des Tages. Darin setzte sich der Vernetzer und Autor Nikolaus Skene mit aktuellen Umbrüchen auseinander. Dadurch, dass unterschiedliche Disruptionen gleichzeitig stattfinden, fühlen sich viele Menschen überfordert. „Wir sind in einem Zustand der Liminalität, gekennzeichnet durch Unklarheit, Ambiguität und Desorientierung“, formulierte Skene, der mit „Zukunftsreisen“ in Innovationszentren wie Silicon Valley, Dubai oder Hongkong bekannt geworden ist. „Die neue Welt findet in der alten statt“.
Unternehmer müssen sich fragen, so Skene weiter, „was mache ich als erstes, wenn es zu Veränderungen kommt“. Es kann beispielsweise eine hybride Nutzung von Räumen gefragt sein. Diese können dann mehrfach genutzt werden. Medizin, Sicherheit und Komfort verschmelzen.
Für die Hotellerie bedeute dies, darauf zu achten, den Anschluss an geänderte Bedingungen und neue Entwicklungen nicht zu verpassen. Die technologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Änderungen, die die Hotellerie von morgen prägen werden, bieten aber auch gute Chancen. Es können daraus neue Gästeerlebnisse entstehen.
Exponential Simplicity: Wo liegt die Zukunft der Gastfreundschaft?
Matthias Winkler, CEO SACHER Gruppe
„Tradition ist Grundlage und Ressource unserer Innovationen. Und beides ist nur dann sinnvoll, wenn es dem Gast nützt“, eröffnete Matthias Winkler, CEO der Sacher Gruppe, seinen Beitrag zum Thema „Exponential Simplicity: Wo liegt die Zukunft der Gastfreundschaft?“. Eine der großen Herausforderungen sieht Winkler in der Digitalisierung. Jedes der 150 Zimmer im Sacher Wien wurde einzeln gefilmt, was eine durchgehende Individualisierung der Buchung erlaubt. Der Gast kann sich in Ruhe schon von zuhause sein Lieblingszimmer aussuchen. Alle Mitarbeiter des Hauses sind in Echtzeit in die technischen Anwendungen eingebunden. Es gibt eine entsprechende App für jeden MA. Ein ganz wichtiger Faktor ist die „Human to Human Relation“. Es geht darum, die Reisegründe zu erfahren und Menschen zu begeistern. Wichtig ist Winkler die Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (mindestens drei Tage im Jahr). Dabei erhalten sie auch politische Bildung, Destinations- und Sozialwissen und entwickeln dadurch ein besonderes Markenbewusstsein.
Simplicity redefined: Ist Einfachheit der Luxus von morgen?
Teresa Brinckmann, Expansion Manager, STAYERY
Thomas Kendlbacher, Gastgeber, Moargut
Matthias Winkler, CEO, Sacher Gruppe
Die beeindruckende Präsentation des Sacher-CEO war Auftakt für eine weitere Gesprächsrunde, der neben Winkler auch Teresa Brinkmann (Expansion Manager, STAYERY) und Thomas Kendlbacher (Familien Naturresort Moar Gut in Großarl) angehörten. Thema dieses Podiums war „Simplicity redefined: Ist Einfachheit der Luxus von morgen?“.
Das Unternehmen Stayery („Stay very extraordinary“) mit Hauptsitz in Berlin, das demnächst den Schritt nach Österreich machen will, setzt auf längere Aufenthaltsdauern als andere Hotels sowie auf Automatisierung und Einfachheit. Der durchschnittliche Gast ist 35 Jahre alt und braucht, so Brinkmann, nicht notwendigerweise ein Frühstück im Hotel. Dieses ist in der Regel ein Neubau und steht im Stadtzentrum. Kendlbacher setzt in seinem Haus auf Familien und Kinder („diese sind wichtige Hauptentscheidungsträger für den Urlaub“) sowie auf Einfachheit und Natürlichkeit. Kinder erkennen, was natürlich ist und was Kulisse. Auf die Frage, wie er durch die KI gefunden werde, meinte der Pongauer Hotelier, man biete persönliche Erlebnisse, etwas, „was die KI sucht und findet“. Dazu kämen positive Bewertungen.
„Unser Weg war, in Möglichkeiten zu denken und diese in on- und off-line anzubieten. Das Ziel: individuelle Bedürfnisse erkennen und diese vielleicht besser, als es der Gast selbst erwartet, zu erfüllen. Unterstützt durch Technik und KI“, faßte Winkler seine Geschäftsphilosophie zusammen. Derzeit befasse man sich mit der Idee einer interaktiven Speisekarte, bei der der Gast auch Fragen stellen kann.
Parallel zu den Vorträgen und dem Panel auf der Main Stage bot die Experience Stage praxisnahe Einblicke in neue Vertriebslogiken. In der Keynote „Beyond OTAs: Unlocking AI’s Potential for Direct Bookings“ zeigte Sanjay Vakil, Co-Founder und CEO von DirectBooker, wie Hotels mit KI-gestützten Ansätzen ihre Direktbuchungen stärken, Abhängigkeiten von OTAs reduzieren und Gäste entlang der gesamten Customer Journey gezielter ansprechen können.
Ergänzend dazu vertiefte der Expert-Talk „Vertriebsstrategien neu gedacht“ die Diskussion aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Norman Ladig (Booking.com) brachte die Plattform-Perspektive ein, Johannes Ehrhart von CASABLANCA hotelsoftware sprach über System- und Datenlogiken, Johannes Geiger vom PACHMAIR 1453 apart resort über die Praxis im Betrieb, und Christoph Taussig (ÖHV-Campus) ordnete Preisgestaltung und Vertrieb strategisch ein. Moderiert wurde der Talk von Caroline Preinfalk (ÖHV).
Einfach neu: Mit Mut, Lebensfreude und klaren Träumen durchstarten
Greta Silver, YouTuberin, Podcasterin und Bestsellerautorin
Einer guten Tradition folgend war der letzte Vortrag des Hotelkongresses einem Thema auf emotionaler und persönlicher Ebene gewidmet. Das Wort hatte Greta Silver, die eindrucksvoll erzählte, wie es gelingen kann, mit eigenen Ideen und echten Erfahrungen sich immer wieder neu aufzustellen und auch im fortgeschrittenen Alter Energie und Lebensfreude auszustrahlen. Den Schlüssel zu einem schwungvollen Leben sieht die YouTuberin, Podcasterin und Bestsellerautorin darin, „in Lösungen zu denken und das Herz offen zu halten“. Jammern in Dauerschleife ziehe hingegen nicht nur einen selbst, sondern auch die anderen hinunter. 60 Prozent der Kaufkraft liege in den Händen der Generation 60 plus. Dies eröffne viele Möglichkeiten, erklärte die vitale Vortragende. „Ich kann so viel tun! Ich kann auch bestimmen, wie ich anderen helfen kann und will. Es ist so viel möglich, sich zu begrenzen ist Quatsch!“.
Ausschnitt folgt
Ausblick - Hotelkongress 2027 vom 25. bis 27. April in Bregenz!
Der allerletzte Programmpunkt war der Vorschau auf den Jahreskongress 2027 gewidmet. Wie Präsident Walter Veit, flankiert von Vertretern Vorarlbergs, mitteilte, findet dieser von Sonntag, 25. bis Dienstag, 27. April 2027 in Bregenz statt. Tagungsort ist, wie schon beim ÖHV-Kongress im Jänner 2020, das am See gelegene Festspielhaus.