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Small Data: Wenn KI Persönlichkeit lernt
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Small Data: Wenn KI Persönlichkeit lernt

KI-Ergebnissen fehlt es oft an Substanz. Damit aus generischem Output einzigartige Inhalte werden, braucht es Small Data. Denn nur wer seine Handschrift kennt, kann sie mit KI verstärken, statt sie zu verlieren. Ein Beitrag von den Marken-Expertinnen Brigitte Maier und Sarah Helm.

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Big Data, also die großen Datenmengen, die gesammelt und ausgewertet werden, sind die Grundlage für die meisten KI-Systeme. Bei Ergebnissen, die aufgrund von Wahrscheinlichkeiten ausgespielt werden, gibt es aber wenig Spielraum für Einzigartigkeit. Wenn plötzlich alles von jedem generiert werden kann, entsteht Durchschnitt. Hier kommt Small Data ins Spiel.

Denn Unterschied entsteht nicht durch Technik, sondern durch Haltung und die Menschen, die sie leben.

Wer sind wir und wofür stehen wir? Wie spüren unsere Gäste das in der Umsetzung? Small Data bringt auf den Punkt, was eine Marke einzigartig macht: Positionierung, Vision, Werte, Strategie, Kultur, Story, Sprache und Design. Erst im konsequenten Zusammenspiel entsteht ein Gesamterlebnis, das Gäste begeistert.

 

Vom Werkzeug zum Teampartner

Small Data ist auch die Basis, um KI sinnvoll einzusetzen. Denn sie allein ist keine Lösung. Sie ist Verstärkung, wenn sie richtig geführt wird – ebenso wie bei Mitarbeitenden.

Stellen Sie sich vor, ein neuer Mitarbeiter fängt bei Ihnen an. Sie würden ihm nicht einfach einen Stapel Aufgaben hinlegen und sagen: „Mach mal.“ Sie würden briefen, Feedback geben, nachjustieren. Genau so funktioniert KI auch. Und je klarer Ihre Marke definiert ist, desto präziser arbeitet nicht nur die KI in Ihrem Sinn, sondern auch Ihre Mitarbeitenden. Ihre Small Data macht aus reiner Information und bloßer Ausführung differenzierende Bedeutung.

 

Vier Leitlinien für den Alltag

1) Klare Markenbasis schaffen

Definieren Sie, wofür Ihr Haus wirklich steht: Ihre Einzigartigkeit, Ihre Werte. Diese Klarheit wird zum Leitfaden – für Mitarbeitende und KI.

2) Kontext in die KI bringen

Füttern Sie Ihre Tools nicht nur mit Daten und Mitarbeitende nicht nur mit Arbeitsaufträgen, sondern mit der „Sprache“ Ihres Hauses. Beide müssen wissen, wie Ihre Marke klingt oder welche Wörter sie verwendet. So entstehen Antworten, die nicht 08/15 klingen, sondern so persönlich wie Sie.

3) Kritisch bleiben

KI liefert Vorschläge, keine Wahrheiten. Jedes Ergebnis braucht den menschlichen Blick. Dafür müssen auch Mitarbeitende hinterfragen können: Passt das wirklich zu uns? Würde die Marke das so sagen? Klingt das nach unserem Haus oder nach Standard?

4) Zeit für Nähe nutzen

Wenn KI Routine übernimmt, gewinnen Sie Raum für das, was wirklich zählt: Begegnung. Ein echtes Lächeln. Eine individuelle Empfehlung. Der Moment, in dem ein Gast merkt: „Hier kennt man mich.“ Das kann keine KI leisten – aber sie kann Ihnen die Zeit dafür freischaufeln.

 

Small Data, ein Beispiel

Stellen Sie sich vor, ein Gast beschwert sich per E-Mail über den lauten Frühstücksraum. Eine Standardantwort wäre: „Wir bedauern die Unannehmlichkeiten und nehmen Ihr Feedback ernst.“ Korrekt. Höflich. Und komplett austauschbar.

Sind aber KI und Mitarbeitende mit Ihrer Small Data vertraut und wissen, welche Lösungen von Ihnen standardmäßig angeboten werden können, klingt die Antwort eher so: „Der Morgen sollte sanft beginnen. Wenn Ihnen das bei uns gefehlt hat, tut uns das sehr leid! Beim nächsten Besuch reservieren wir den stillsten Platz für Sie – versprochen.“

Der Unterschied? Die zweite Antwort zeigt, dass die KI oder auch der Mitarbeitende gelernt haben, wie dieses Haus spricht. Und plötzlich wird aus der Durchschnittsantwort ein persönlicher Kontaktpunkt.

 

Die Zukunft der Gastgeberrolle

Gerade in Hotels zählt nicht nur, was wir tun, sondern wie wir Dinge tun. Nur wenn Haltung und Werte greifbar werden, entsteht ein stimmiges Gästeerlebnis.

Gute Gastgeber:innen schaffen durch kleine Gesten Nähe: Zeit geben, zuhören, Nuancen und Bedürfnisse wahrnehmen. Eine persönliche Empfehlung am Tisch, eine kleine Anekdote zum Haus. So entstehen Begegnungen, an die man sich gerne erinnert.

KI kann diese Begegnungen nicht ersetzen, aber sie kann sie ermöglichen. Der Unterschied liegt im Einsatz: Rein digitalisierte Hotels setzen auf KI als Ersatz. Häuser mit Anspruch an Gastfreundschaft nutzen KI als Hebel, damit mehr Zeit für menschliche Begegnung bleibt.

 

Technologie vs. Gastgeberrolle

Small Data ist dabei die Grundlage für das gesamte Gästeerlebnis. Dadurch wird die Handschrift Ihres Hauses verstärkt, anstatt sie zu verwischen: Differenzierung statt reiner Digitalisierung.

Wer das versteht, muss die KI nicht fürchten, sondern kann sie für sich nutzen. Und genau darum geht es beim Hotelkongress 2026: Vortrag

Von Big Data zu Small Data – Small Data macht Marken menschlich.

Die Autorinnen

Brigitte Maier
Mitgründerin und Geschäftsführerin petrichor
petrichor.at
Sarah Helm
Brand Consultant bei petrichor
petrichor.at
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