Die Kernidee: Ein System schlägt Einzelmaßnahmen
Bei Alpenhaus Hotels & Resorts denken wir HR als Betriebssystem – entlang des Employee Life Cycle:
Recruiting → Onboarding → Bindung → Entwicklung → Offboarding
Unsere wichtigste Erkenntnis: Wenn ein Teil fehlt oder „nebenbei“ läuft, kippt der Kreis. Wenn die Standards sitzen, wird es leichter – für Führung, für Teams und für neue Kolleginnen und Kollegen.
1) Recruiting: Warum wir „VIP Recruiting“ eingeführt haben
In der Corona-Zeit wurden Bewerbungsgespräche stark digitalisiert. Das war effizient – aber irgendwann haben wir gemerkt: Die Frühfluktuation war zu hoch. Erwartungshaltungen passten nicht zusammen – zur Rolle, zum Team, zur Region, zum Alltag im Hotel.
Daraus entstand VIP Recruiting: Wenn wir von Kandidatinnen oder Kandidaten überzeugt sind, laden wir sie für eine Nacht ein. Sie erleben Haus, Team, Region – und wir sprechen im Gespräch sehr klar über unsere Werte und Zusammenarbeit.
Der vielleicht wichtigste Learningsatz dazu:
Eine Absage nach dem Besuch ist kein Verlust – sie ist ein Gewinn.
Denn sie verhindert teure Fehlstarts (Vertrag, Onboarding, Wohnung, Zugänge, Dienstkleidung, Teamplanung – und dann Abgang nach wenigen Tagen).
Das Ergebnis: Wir konnten die Frühfluktuation massiv senken – weil das Matching realer wird, für beide Seiten.
2) Onboarding: Die ersten 48 Stunden entscheiden
Wenn das Matching passt, ist der Start das Nadelöhr. Gerade in Hochphasen ist die Gefahr groß, dass neue Kolleginnen und Kollegen „einfach funktionieren“ sollen. Genau dort verlieren Betriebe Menschen – nicht wegen mangelndem Willen, sondern wegen mangelnder Struktur.
Unser Fokus:
- Onboarding-Plan (kurz, aber konkret)
- Buddy-System ab Tag 1
- 48h-Check-in (aktiv nachfragen, nicht warten)
- „Ankommen“ ernst nehmen (Orientierung, Unterkunft, Basics)
Oder anders: Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck.
3) Bindung: Warum wir einen Employee Life Coach installiert haben
Bindung darf nicht nur vom Zufall und von einzelnen „starken Persönlichkeiten“ abhängen. Darum haben wir den Employee Life Coach als Frühwarnsystem etabliert:
- Integration & Ankommen (auch organisatorisch)
- Isolation vermeiden, Teamanschluss fördern
- Konflikte früh erkennen und entschärfen
- Gesundheit/Resilienz als Bestandteil von Stabilität
Wichtig: Das ersetzt Führung nicht – es unterstützt sie. Es macht Bindung verlässlicher.
4) Kultur: Auch wenn du nichts tust, hast du eine
Angelehnt an Paul Watzlawick („Man kann nicht nicht kommunizieren“) sagen wir gerne:
Man kann nicht nicht Kultur haben.
Wenn man Kultur nicht gestaltet, entsteht eine „Default-Kultur“ – und die ist in stressigen Betrieben oft: Feuerwehrmodus, Nebenkommunikation, Flurfunk.
Unser Ansatz: Kultur wird nicht gepostet – Kultur wird gemacht. Mit klarer Sprache, Ritualen, Standards und Konsequenz.
5) Entwicklung: Führung selbst entwickeln – statt teuer einkaufen
Ein zentraler Hebel für uns ist die Entwicklung von Führungskräften aus dem eigenen Haus. Externes Recruiting kann funktionieren – aber kulturell ist es oft anspruchsvoll, etablierte Muster zu verändern.
Darum haben wir ein Management Trainee Programm aufgebaut (sehr operativ, sehr nah am Alltag) und kombinieren es mit persönlicher Weiterentwicklung über unsere Alp.Academy. Denn in einer Welt, in der Betriebe geografisch auseinanderliegen, zählt im Management vor allem eines: Vertrauen.
Persönlichkeitsbildung: (noch) zu oft die Lücke
Fachkompetenz ist wichtig – aber oft nicht der Engpass. Der Engpass ist das Persönliche:
- Selbstführung
- Kommunikation
- Konfliktfähigkeit
- Verantwortung übernehmen
- Teamverhalten
- Leadership Mindset
Deshalb haben wir einen Workshop entwickelt, den wir bereits mehrfach an Tourismusschulen umgesetzt haben:
Leadership-Coaching für Tourismusschüler:innen – spielerisch, praxisnah und auf die Realität im Betrieb ausgerichtet. Ziel ist, junge Menschen früh auf Leadership vorzubereiten – nicht als Titel, sondern als Haltung.
Wenn Schulen, Betriebe oder HR-Verantwortliche Interesse haben, diesen Workshop kennenzulernen oder gemeinsam umzusetzen: Meldet euch gern: andreas.dertnig@das-alpenhaus.at