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Brennpunkt Bundesländer: Aufbruch und Gegenwind
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Brennpunkt Bundesländer: Aufbruch und Gegenwind

Manche Bundesländer gehen mit neuen Ideen und Erfolgsmodellen voran, andere heben sich durch noch höhere Belastungen für die Betriebe ab. Der aktuelle ÖHV-Überblick zeigt, wo in welchem Bundesland Politik und Betriebe Chancen nutzen, wo Gegenwind weht und welche Trends und Themen die Branche bewegen.

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Fokus #1 – Belastungen: Abgaben und Steuern im Fokus

Nachdem Wien die Erhöhung der Ortstaxe auf 8,5% mit Anfang Dezember und – nach heftigem Widerstand der Branchenvertretung – zumindest auf 5% ab Juli nächsten Jahres und 8% ein Jahr darauf zurückruderte, hört man von der burgenländischen Landesregierung, dass sie allen sonstigen Differenzen zur SPÖ in der Bundeshauptstadt zum Trotz, Gefallen am Wiener Modell findet. Kärnten geht einen anderen Weg. Wie der im Detail aussehen soll, wird bei einem weiteren Termin der ÖHV mit Tourismuslandesrat Sebastian Schuschnig besprochen. Die Tourismusreform samt Zusammenlegung auf mehrgemeindige TVBs soll 2027 kommen, eine Nächtigungsabgabe inkl. Mobilitätsbeitrag von zusammen 4,50 Euro ab 2026.  Niederösterreich erhöht die Ortstaxe um vergleichsweise moderate 0,10 Euro. In Vorarlberg ist immer wieder der von der Landwirtschaft geforderte „Nächtigungseuro“ ein Thema: die absurde Idee der Querfinanzierung des meistsubventionierten Wirtschaftszweigs in der EU durch einen anderen nach dem Motto, dass die einen Geld erarbeiten und die anderen kassieren – eine Branchensteuer, die von Unternehmen eingehoben wird? Hier braucht es geschlossenen Widerstand der Branche und von Politiker:innen, die sich ihrer Verantwortung für Land und Wirtschaft bewusst sind. Denn wir wissen, dass diese kleine Branche einen überproportional großen Lobbyisten-Apparat hat und in allen Büros und Gremien ihre Einflüsterer.

 

Fokus #2 – Gästemobilität: Unterschiedliche Entwicklungsstufen, unterschiedliche Pfade

Sehr unterschiedliche Entwicklungen prägen die Diskussion um die Gästemobilität. In öffentlich schlecht angebundenen Regionen ist die Nachfrage nach dem Salzburger Guest Mobility Ticket gleich null, dort gilt es das Angebot auszubauen. In öffentlich besser erschlossenen Regionen kann es schon jetzt als Erfolgsgeschichte betrachtet werden, ist die Akzeptanz sowohl bei Gästen als auch bei Hotels durchaus hoch. Das Gegenbild findet sich im benachbarten Tirol: Hier hat Tourismus-Landesrat Mario Gerber ausdrücklich festgestellt, dass in seiner Amtszeit keine Mobilitätsabgabe eingeführt wird. Gleichzeitig steht das Land vor logistischen Herausforderungen im Luftverkehr, nachdem die Linie Innsbruck–Frankfurt am Flughafen gestrichen wurde – bis hin zu Überlegungen, eine regionale Fluglinie zu gründen. Inwiefern ein derart kleiner Player auf einem Markt, der von milliardenschweren Playern geprägt wird, Erfolg haben kann, ist fraglich. In Vorarlberg funktionieren die Kooperationen mit den Bergbahnen gut und zeigen mit dem Weg über Mobilitätslösungen durch Branchenpartnerschaften eine Alternative zu dem über die öffentliche Hand. In der Steiermark drängt Landeshauptmann Mario Kunasek auf eine Verbesserung der Nord-Süd-Verbindungen – ein strukturelles Problem, von dem Gäste und Betriebe, aber auch die Bevölkerung gleichermaßen betroffen sind. Dem Flughafen Linz droht die Einstellung der Verbindung nach Frankfurt, was eine Debatte um die Zukunft des Flughafens und über die Sicherung des Wirtschafts- und Tourismusstandorts ausgelöst hat. Der Flughafen-Aufsichtsrat, das Land und die Stadt arbeiten an Lösungen. Am Flughafen Wien Schwechat stellt Wizz Air den Flugverkehr komplett ein und Ryan Air reduziert sein Angebot, wenn der Flughafen nicht die Kosten senkt – was dieser ablehnt. Es zeigt sich, dass manche Bundesländer bei Mobilitätslösungen für Gäste und Einheimische schon einen Schritt weiter sind, gute Lösungen regional durchaus unterschiedlich aussehen – und in anderen Bundesländern Zukunftslösungen dringend gebraucht werden.

 

Fokus #3 – Marktsegmente: Verschiebungen zu Chancen machen

Ein Blick auf die Nachfrageentwicklung zeigt sehr deutlich, wie stark sich die Branche verändert. Tirol fokussiert stärker auf MICE-Tourismus und Niederösterreich auf Wirtschafts- und Seminartourismus, wobei sich die Konjunkturflaute bemerkbar macht und erst für 2026 wieder ein Plus erwartet wird. In Salzburg Stadt waren – vor allem auch wegen der Zurückhaltung von Konzernen bei Kartenkäufen und in weiterer Folge Nächtigungen durch Festspielgäste aus dem Segment – während der Festspiele die Top-Hotels nicht ausgebucht: ein Bruch mit der langjährigen Vollauslastungs-Tradition und insofern eine Festspiel-Premiere, die niemand sehen will. In der Steiermark zeigt sich dagegen bei Pop statt Klassik, wie starke Events unmittelbare Nachfrage erzeugen: Der erste Konzerttermin der Backstreet Boys zur Eröffnung der Ski-Saison in Schladming war binnen Stunden ausverkauft, die daraufhin rasch fixierten zwei Folge-Termine ebenfalls – mit ganz klaren wirtschaftlichen Vorteilen für die gesamte Region. 

 

Fazit: Beleben statt belasten!

Was man in Summe sieht: Dass innovative Angebote und aktives Reagieren auf Marktverschiebungen deutlich besser funktionieren als Belastungen. So kommt zusätzliches Geld in die Regionen, in die investierenden Arbeitgeber-Betriebe wie letztendlich auch in die Kassen der öffentlichen Hand. Nur dass so alle profitieren – anders, als wenn die ohnehin schon auf Rekordniveau befindliche Steuer- und Abgabenbelastung noch erhöht wird: Das schadet dem Standort, dem Arbeitsmarkt und letztendlich auch der Politik, die Vertrauen und Wählerstimmen verliert. Es braucht eine aktive und innovative Politik, die die Wirtschaft stimuliert und die Regionen belebt und nicht belastet!

 

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