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Gemeinsam aus der Krise

 

Obwohl der europäische Mitbewerb von viel weniger Ankünften und Nächtigungenausgeht, haben Österreichs Tourismusbetriebe in den vergangenen Jahren keine Marktanteile verloren. Das zeigt, wie professionell die ansässigen Tourismusbetriebe arbeiten. Noch dazu, wenn Versäumnisse bei der Budgetierung der Destinationswerbung von den Betrieben ebenso wettgemacht werden müssen wie andere strukturelle Wettbewerbsnachteile in der Gesetzgebung und der Förderpolitik. In ununterbrochener Folge konnten seit Mitte der 90er die Nächtigungswerte der Vorjahre überboten werden. Damit dürfte jetzt Schluss sein: Die Krise hat den Tourismus erreicht. Um ihre Auswirkungen möglichst gut abfangen zu können, braucht Österreichs Tourismuswirtschaft sofort wirksame, effiziente und durchdachte Maßnahmen, die von allen Seiten und auf allen Ebenen mitgetragen werden


2008 war ein großer Erfolg. 2009 wird eine erste – sehr harte – Bewährungsprobe. Diese zu bestehen sollte Ziel der Tourismusbetriebe, der Destinationswerber und der Politik zugleich sein. Um diese Krise bestmöglich bestehen zu können, werden in allen touristisch relevanten Bereichen umfassende Maßnahmen, die sofort wirksam werden, notwendig sein.
Arbeitszeiten flexibilisieren
Als erstes und besonders stark betroffen von der Krise ist die Stadthotellerie: Die Nächtigungen im Corporate Business-Segment brechen zunehmend weg.Auch bei längst fixierten nationalen und internationalen Branchenmessen werden Besucherrückgänge zu befürchten sein. Dazwischen werden internationale Kongresse für volle Häuser sorgen. Um in Zeiten weniger hoher Auslastung zwischen diesen Top-Events keine Mitarbeiter abbauen zu müssen, braucht die Stadthotellerie längere Durchrechnungszeiträume, wie sie in der Ferienhotellerie gesetzlich bereits fixiert sind.
Werbebudgets anpassen
In Folge der Wirtschaftskrise wurden und werden weltweit Jobs abgebaut. Auch wenn beim Urlaub nur ungern gespart wird, werden Einbußen auch hier unvermeidbar sein. Der Kuchen, der unter den Destinationen zu verteilen ist, wird kleiner werden. Damit das Stück für Österreichs Tourismuswirtschaft zumindest gleich groß bleibt, dürfen unsere Werbemittel keinesfalls gekürzt werden. Auch wenn jeder Beitrag dazu zählt: Ein Sonderbudget von 4 Millionen Euro ist bei einem jährlichen Budgetdefizit von beinahe 10 Mio. Euro zu wenig. Die ÖHV fordert 10 + 4 Millionen Euro für die Bewerbung nicht primär des österreichischen Marktes, sondern in erster Linie der ausländischen Nahmärkte.
Werbemittel optimal einsetzen
Die Internationalisierung im Gästemix war jahrelang das Credo der Vordenkerim heimischen Tourismus – kein Wunder, wenn bis zu 70 Prozent der Gäste ausgerade einmal zwei Herkunftsmärkten kamen. Diese Forderung hat weiterhin Bestand, wenn man sie auch aus gegebenem Anlass an die aktuellen Anforderungen adaptieren sollte: Die vorhandenen Werbemittel sollten daher in Nahmärkten eingesetzt werden und auf die Nähe und damit die Einsparungen beider Anreise, die Attraktivität und vor allem das exzellente Preis-Leistungsverhältnis im österreichischen Tourismus hinweisen. Gleichzeitig sollten internationale Fernmärkte, denen mittelfristig hohe BIP-Zuwächse prognostiziert werden, oder Hoffnungsmärkte in Mittel- und Osteuropa als Zukunftsmärkte betrachtet werden, die nicht außer Acht zu lassen sind. Damit nach der Krise niemandem den Vorwurf gemacht wird, hier am falschen Platz gespart zu haben.
Investitionsmittel bereitstellen
Dass die Krise aus dem Bankenbereich kommt, ist mittlerweile unbestritten. Dass sie dort jetzt auch eine Fortsetzung findet, verstärkt die Krise noch. Nachdem die Banken sich gegenseitig kein Geld mehr borgen, beklagen auch andere Betriebe die Kreditsperre. Mittlerweile ist erstmals nach jahrelangen Steigerungen auch ein Investitionsrückgang in der Hotellerie zu bemerken. Bauvorhaben, diemit Fremdmitteln finanziert werden (und das sind die meisten), werden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, da Kredite derzeit selbst für erfolgreiche Betriebe nicht zu vertretbaren Konditionen verfügbar sind. Auch von florierenden Betrieben werden unverhältnismäßig hohe Garantien und Eigenmittel verlangt. Darunter leidet nicht nur der Tourismus, ganze Talstriche werden dies zu spüren bekommen. Bankenverluste, die auf Managementfehler zurückzuführen sind,werden mit Steuergeldern refinanziert, die dafür zur Verfügung gestellten Mittel gehortet, anstatt die Milliarden als Sicherheiten für jene Unternehmen zur Verfügung zu stellen, die sie volkswirtschaftlich wertvoll investieren. Forderungen wie die nach der direkten Vergabe von Investitionskrediten durch den Staat oder eine staatliche Bank mit entsprechenden Befugnissen kommen vorerst über eine Ankündigungspolitik nicht hinaus.
Für andere reden viele - Wir sprechen für unsere Mitglieder!
Arbeitsmarkt öffnen Auch wenn kurzfristige Reflexe wie die Forderung nach einer weiteren Abschottung des Arbeitsmarktes noch so plausibel klingen, sind sie kontraproduktiv. Internationale Vergleiche zeigen, dass die Länder in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen sind, die ihren Arbeitsmarkt rasch geöffnet haben. Noch dazu sind dem Devisenbringer Tourismus als service- und mitarbeiterintensiver Branche kaum natürliche Grenzen gesetzt – außer durch die Anzahl der verfügbaren Mitarbeiter. Nun fehlen in manchen Bereichen und vielen Betrieben schon jetzt bundesweit viele Tausend Mitarbeiter – und das, obwohl jeder Mitarbeiter im Tourismus zwei Arbeitsplätze in der Gesamtwirtschaft schafft. Und weil ein Hotelier, der keine Servicemitarbeiter findet, auch keinen Koch, Abwäscher und keine Etagen-Fachkraft braucht, entfallen infolge leerer Gästebetten auch Tag für Tag Investitionen etwa im F&B-Bereich oder in den Ausbau des Betriebs. Das wirkt sich unmittelbar auf den Arbeitsmarkt in der Region aus und verstärkt die Krise noch. Deshalb: Arbeitsmarkt öffnen. Davon profitiert Österreich.
Mehr netto, weniger brutto
Gerade in mitarbeiterintensiven Servicebranchen wie dem Tourismus ist Österreich im Vergleich mit anderen Destinationen inner-, aber auch außerhalb Europas klar schlechter gestellt. Überhöhte Lohnnebenkosten und die unverhältnismäßige Besteuerung von Arbeit sichern Österreichs Unternehmern einen Wettbewerbsnachteil, den sie kaum mehr aufholen können. Der bürokratische Wildwuchs etwa im Bereich der Krankenversicherung, die kalte Progression, aber auch die nicht nachvollziehbare Verknüpfung der Kommunalsteuer an die Gehälter sowie die unnötig komplizierte Lohnverrechnung mit Krankenkassen, Finanzämtern und Institutionen aus kommunaler Ebene sind nur teuer und in keiner Weise effizient.
Begleitmaßnahmen
Besonders positiv können sich effiziente Maßnahmen auswirken, die schnell umgesetzt werden können. So hätte etwa die Anhebung der steuerlichen Absetzbarkeit von Geschäftsessen ebenso direkte positive Effekte auf die Branche wie eine rasche Korrektur des undurchdachten Antikorruptionsgesetzes. Lokale Maßnahmen wie der rasche Ausbau der dritten Piste am FlughafenWien/Schwechat oder die Sicherstellung der weiteren Entwicklung der Flughäfen Innsbruck und Salzburg hätten durch öffentliche Investitionen und die Schaffung von Arbeitsplätzen sofort positive volkswirtschaftliche Auswirkungen und würden in weiterer Folge das Nächtigungswachstum ganzer Regionen sichern. Weiters könnte durch eine flexible, an den Bedürfnissen der volkswirtschaftlich wertvollen Tourismuswirtschaft orientierte Planung der Semesterferien die Auslastung in den wichtigen Ferienregionen Westösterreichs optimiert werden. Auch bei den Bagatellsteuern herrscht Handlungsbedarf: Insbesonderedie europaweit einzigartige Kreditvertragsgebühr bedeutet gerade in Zeiten der Kreditklemme einen weiteren Nachteil nicht nur für den Tourismus, sondern auch für die Gesamtwirtschaft und sollte deshalb abgeschafft werden.
Wenn diese und weitere Maßnahmen gegen die Krise schnell und effizient durchgesetzt werden, können die ersten unvermeidlichen Folgen der Krise abgefangen werden. Weitere Auswirkungen auf Österreichs Wirtschaft könnten damit eingedämmt werden.


Ziele setzen

 
Um unsere Marktposition ausbauen zu können, brauchen wir strukturelle Änderungen: 

  • Österreichs Tourismusstrategie muss zwischen Destinationen, Tourismusverbänden, Landestourismusorganisationen und ÖsterreichWerbung abgestimmt sein.
  • Das Marketing-Budget der Österreich Werbung muss – bei garantierter Wertsicherung – um 10 Millionen Euro pro Jahr erhöht werden. 
  • Österreichs Luftfahrt und die von ihr benötigte Infrastruktur müssen dem notwendigen Gästeansturm gewachsen sein. Der öffentliche Verkehr muss forciert werden. 
  • Der Arbeitsmarkt muss geöffnet, die Saisonierregelung beibehalten werden. 
  • Das Engagement der Tourismuswirtschaft in der dualen Ausbildung muss genutzt werden. Zukunftsträchtige Lehrberufe, die den Anforderungen der Branche entsprechen, müssen eingeführt werden, so etwa im Bereich der Rezeption. 
  • Dem Erhalt einer intakten Umwelt ist übergeordnete Priorität einzuräumen. Investitionen, die zur Senkung von CO2-Emissionen beitragen, sollen steuerlich gefördert werden.
  • Wir begrüßen die Lohnnebenkostensenkung. Um Österreichs Wettbewerbsfähigkeit im Dienstleistungsbereich halten zu können, muss diese jedoch weitergeführt werden.

ÖHV-Positionspapier 2010/2011
ÖHV-Positionspapier 2010/2011

ÖHV-CoPräsident Sepp Schellhorn überreicht das ÖHV-Positionspapier 2010/2011 an Bundesminister Mag. Dr. Reinhold Mitterlehner

ÖHV-CoPräsident Sepp Schellhorn überreicht das ÖHV-Positionspapier 2010/2011 an Bundesminister Mag. Dr. Reinhold Mitterlehner


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