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Deloitte und ÖHV-Tourismusbarometer 2020
Studie

Deloitte und ÖHV-Tourismusbarometer 2020

Der Tourismus ist ein zentraler Wertschöpfungsfaktor des österreichischen Wirtschaftsstandortes. Daher ist es wichtig, den wirtschaftlichen Status quo der Tourismusunternehmen zu kennen. Zu diesem Zweck erheben Deloitte und die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) auch 2020 wieder die Stimmungslage unter Österreichs Touristikerinnen und Touristikern. Heuer teilten rund 400 Befragte ihre Einschätzungen im aktuellen Tourismusbarometer.

09. November 2020

Tourismusindex 2020

Der Tourismusindex gibt die aktuelle Stimmungslage unter Österreichs Tourismusunternehmen wieder. Er wird gewichtet errechnet und folgt dem Schulnotensystem. In den Index fließen folgende Faktoren ein:

  •  die aktuelle wirtschaftliche Lage sowie die Entwicklungschancen des Tourismus
  • die regulatorischen Rahmenbedingungen
  • die individuelle Situation und Entwicklung des jeweiligen Unternehmens

2020 liegt der Tourismusindex bei einem Gesamtwert von 3,61. Dieser Wert spiegelt das abrupte Ende der guten Entwicklung in den vorangehenden Jahren wider. Im Vorjahr lag der Index noch bei 2,88. Anders ausgedrückt: Der Wert hat sich innerhalb eines Jahres um ein Viertel verschlechtert.

Wirtschaftliche Lage des Tourismus

 

In ganz Österreich kam es zu massiven Nächtigungseinbrüchen. Besonders betroffen waren die Städte. Entsprechend nüchtern fallen auch die Prognosen für die kommende Wintersaison aus. Für die Branche heißt das vor allem eines: Es braucht weitere Hilfen. Die Wintersaison 2019/20 konnte noch mit 18 % Gesamtminus bei Nächtigungen abgeschlossen werden, wobei das Burgenland mit 30 % den höchsten Rückgang verzeichnen musste. Die Sommersaison von Mai bis September 2020 zeigt im Vergleich zum Vorjahressommer jedoch bereits einen österreichweiten Nächtigungsrückgang von knapp 30 %. Am wenigsten hart hat es dabei Kärnten mit rund 11 % Rückgang getroffen, während Wien ein enormes Minus von 80 % verzeichnen musste.

Weitere Verschlechterung erwartet

Für die nächsten zwölf Monate rechnen lediglich 11 % der Befragten mit einer Verbesserung der Lage für den Tourismus. Ungefähr genauso viele glauben nicht, dass sich die aktuelle Situation verändern wird. Der große Rest von mehr als drei Viertel der österreichischen Touristikerinnen und Touristiker prophezeit der eigenen Branche eine anhaltende Verschlechterung bis zum nächsten Sommer.

 

Geschäftsentwicklung 2020

In Anbetracht der globalen Pandemie war der Verlauf der Sommersaison ungewiss. Dementsprechend gedämpft waren die Prognosen. Nach Saisonende zeigt sich aber: Der Sommer verlief sehr unterschiedlich. Während Seeregionen insgesamt besser als erwartet performten, brach der Städtetourismus quasi weg. Für 27 % der Tourismusunternehmen lief die Sommersaison 2020 schlechter als erwartet. Mit 54 % zeigt sich jedoch eine deutliche Mehrheit der Befragten positiv überrascht. Im Bundesländerranking wurden vor allem die Erwartungen der Kärntner und Burgenländer Betriebe übertroffen. Drei Viertel der Wiener Tourismusunternehmen hatten jedoch mit einem geringeren Einbruch gerechnet.

Mit der wirtschaftlichen Entwicklung des eigenen Unternehmens im Sommer 2020 sind insgesamt 40 % zufrieden und 42 % unzufrieden. Es zeigt sich aber auch hier sehr deutlich, dass die Corona-Pandemie dem Städtetourismus zusetzt, während die ländlichen Regionen zum Teil sogar vom Einbruch des Fernreisemarktes zu profitieren scheinen.

Prognose für die Wintersaison 2020/21

Die Erwartungen von Österreichs Tourismus- unternehmerinnen und -unternehmer an den bevorstehenden Winter fallen durchgehend niedrig aus – und das bereits vor Bekanntwerden des zweiten Lockdowns. Vor allem in den Städten rechnet man weiterhin mit massiven Umsatzeinbrüchen. Die aktuelle Umfrage zeigt: 94 % der Stadttouristikerinnen und -touristiker fürchten weit mehr als 20 % Umsatz-rückgang im Vergleich zum vorigen Winter. Bei Tourismusbetrieben außerhalb der Städte teilen diese Erwartung 53 %. Insgesamt wird das aktuelle Geschäftsjahr laut Umfrage schlechter ausfallen als das Vorjahr. Damit rechnen 91 % der Touristikerinnen und Touristiker österreichweit, bei städtischen Unternehmen sogar 98 %. Ein Grund dafür ist unter anderem die mangelnde Preisdurchsetzbarkeit. Insgesamt erwarten 61 %, dass die Preise im Vergleich zum Winter 2019/20 schlechter durchsetzbar sind. Aus den Rückmeldungen zeigt sich, dass hier die Stadthotellerie mit deutlich schwereren Einbußen rechnet.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Die letzten Jahre waren von einem zunehmenden Mangel an touristischen Arbeitskräften gekennzeichnet. Die Betriebe haben daher verstärkt in Initiativen investiert, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anzuwerben und langfristig zu halten. Corona hat die Situation verändert, dennoch ist die Lage nicht entspannt. Laut Umfrage suchen auch derzeit 52 % der Betriebe Fachkräfte. Das ist ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Vorjahr: Damals waren noch ganze 75 % auf der Suche. Wie in allen Bereichen zeigt sich auch hier, dass der Städtetourismus stärker unter den Pandemieauswirkungen leidet als der Land-Tourismus: Aufgrund der prekären Lage werden in den Städten schlichtweg kaum Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigt. Während in den am Land gelegenen Betrieben derzeit rund 70 % nach Arbeitskräften suchen, sind es in der Stadt nur 18 %.

Investition und Finanzierung

 

Die Corona-Krise bremst die Investitionsfreude deutlich. Bezüglich geplanter Investitionen sind die Tourismusunternehmen – wie auch andere Branchen – derzeit eher zögerlich. 67 % der Unternehmen reduzieren ihre ursprünglich für 2020/21 geplanten Investitionen. Hier zeigt sich auch wieder ein deutlicher Stadt-Land-Unterschied: 84 % der städtischen Tourismusbetriebe reduzieren geplante Investitionen, in ländlichen Tourismusbetrieben sind es rund 60 %. Der Zugang zu Kreditfinanzierungen ist unabhängig vom Standort des Unternehmens ähnlich.

Deloitte & ÖHV Tourismusbarometer

Oliver Schenk MA

Oliver Schenk MA

Public AffairsE-Mail senden+43 1 5330952-24

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