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Deutschland: Reise-Lust statt Corona-Frust?
Corona

Deutschland: Reise-Lust statt Corona-Frust?

Der Tourismus hat die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf der ganzen Welt deutlich zu spüren bekommen. Auf dem deutschen Markt zeichnet sich nun aber vorsichtiger Optimismus ab – auch, wenn sich das Reiseverhalten längerfristig ändern wird.

31. März 2021

Weltweit betrug 2020 die Zahl der Ankünfte von internationalen Gästen ca. 381 Millionen. Das entspricht einem Rückgang um 74 % gegenüber 2019. Damals betrug die Zahl 1,46 Milliarden (UNWTO 2021). Damit liegt der globale Tourismus etwa auf dem Niveau von 1989. Hintergrund dieser Entwicklung: Seit Anfang 2020 beeinflusst die rasche Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 und der dadurch verursachten Erkrankung COVID-19 das Leben in der ganzen Welt. Aufgrund der Maßnahmen, die gegen die Pandemie ergriffen wurden, konnte das Urlaubs-Angebot nicht genutzt werden und der Tourismus kam vielerorts fast vollständig zum Erliegen.

Auch die Zahl der Urlaubsreisen der Deutschen lag 2020 deutlich unter der des Vorjahres, die der Kurzurlaubsreisen sank noch stärker. Der Tourismus im Winter 2020/21 fand ebenfalls kaum statt. Die jahrelange Stabilität der touristischen Nachfrage auf hohem Niveau fand so ein abruptes Ende.


Voller Reise-Sparstrumpf vs. finanzielle Engpässe

    Wirtschaftliche Effekte auf der Nachfrageseite entstehen in unterschiedlicher Weise: Durch die weitgehende Stilllegung des öffentlichen Lebens in Zeiten des Lockdowns sind bei vielen eigentlich vorgesehene Ausgaben eingespart worden. So auch das geplante Budget für Urlaubsreisen. Dadurch steht nun mehr Geld bereit. Umgekehrt gab es durch Kurzarbeit finanzielle Engpässe, manche Arbeitsplätze sind komplett weggefallen. Diese fehlenden wirtschaftlichen Voraussetzungen für Reisen treffen in Deutschland derzeit nur einen kleinen Teil der Bevölkerung. Die Lasten der Pandemie scheinen ungleich verteilt. Das ist vor allem ein gesellschaftliches Problem.


    Optimismus bei der Reiseplanung

    Insgesamt zeigen die Indikatoren für die touristische Nachfrage aus Deutschland im Jahr 2021 allerdings eine positive Ausgangslage. Die überwiegend als stabil wahrgenommene individuelle wirtschaftliche Situation ist dafür wichtig. Die Urlaubslust ist mit 51% nur wenig gesunken (Vorjahr 57 %), 46 % planten bereits im Winter eine Urlaubsreise für Frühjahr/Sommer 2021 und nur 16 % schließen eine solche Reise aus. Diese Ergebnisse zeigen eine überraschend positive Urlaubsstimmung. Ferienreisen waren und bleiben für die meisten Deutschen ein unverzichtbarer Bestandteil der Lebensqualität. 
    Die Vorlieben für Destinationstypen wie Strand oder Berge haben sich in diesem Zusammenhang nicht geändert. Ob und wie man dann tatsächlich reisen wird, hängt in nächster Zeit aber von den Möglichkeiten ab, die angesichts der Pandemie noch bleiben. Voraussichtlich wird sich das Gesamtbild deswegen 2021 wieder erheblich vom Standard des letzten Jahrzehnts unterscheiden.


    Camping-Van statt Langstreckenflug

    Die erwarteten Einschränkungen zeigen sich in den geäußerten Plänen rund um die Reiseart. So werden etwa Flug- und Fernreisen für 2021 viel seltener ins Auge gefasst als vor der Pandemie. Stattdessen sind auch dieses Jahr eher Ziele in der Nähe beliebt, die bevorzugt mit dem Auto und möglichst individuell, ohne große Nähe zu anderen Menschen, erreichbar sind. Campingurlaub findet neue Freunde. Für die multi-optionalen Urlauber ist diese Sondersituation kein Problem, sie werden mit den zur Verfügung stehenden Angeboten glücklich.

    Die Gäste erwarten Flexibilität und Kulanz. Und v.a. Sicherheit.

    Martin Lohmann
    Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen

    Ein Balanceakt

    Unklarheiten und Bedenken führen momentan noch zum Abwarten bei der konkreten Reisebuchung. Der Informationsbedarf ist groß. Von den Anbietern erwartet man Flexibilität und Kulanz. Hoch sind auch die Anforderungen an die Sicherheit auf der Reise: z. B. wenig Kontakte, Corona-spezifische Hygienemaßnahmen. Gleichzeitig darf der Urlaubsspaß unter diesen Bedingungen nicht leiden. Ein Balanceakt für manchen Anbieter.


    Reisen wie früher?

    Unter der Annahme, dass die Pandemie in den Griff zu bekommen ist, werden neue (alte) Freiheiten recht bald zu einer Rückkehr zu bisherigen Reisemustern führen, allerdings wohl frühestens 2022 und auch nicht in allen Segmenten. Urlaub in Deutschland und in seinen Nachbarländern wird auch dann besonders beliebt sein.

    Infos zum Autor:

    Prof. Dr. Martin Lohmann ist Leiter des Instituts für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa, in Kiel und wissenschaftlicher Berater der deutschen „Reiseanalyse“. Außerdem ist er Referent am diesjährigen ÖHV-Kongress.

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    DI Barbara Diallo-Strobl

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