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Erfahrungsbericht: Was tun, wenn mehrere Mitarbeiter positiv getestet werden?
Corona

Erfahrungsbericht: Was tun, wenn mehrere Mitarbeiter positiv getestet werden?

Wie geht man damit um, wenn plötzlich mitten in der Hauptsaison mehrere Mitarbeiter an COVID-19 erkranken? Und wenn der Betriebsname dann durch die Medien geht? Dominik Erbele, Gastgeber und Betriebsinhaber vom "Hotel Peter" und "Paul der Wirt" in St. Wolfgang, schildert seine Erfahrungen im Umgang mit dieser "Krise in Krisenzeiten".

08. Oktober 2020

ÖHV: Herr Erbele, möchten Sie uns erzählen, was in den Tagen Ende Juli im „Hotel Peter“ los war?

Dominik Erbele: Die Sommersaison 2020 war toll angelaufen. „Corona“ schien weit weg, nur durch die Maskenpflicht bei uns in Oberösterreich war die Pandemie zumindest optisch immer präsent. Plötzlich zwei Praktikantinnen mit positiven COVID-19-Tests. Nach der Rückkehr von freien Tagen. Du hast Verantwortung für die jungen Menschen und dein Team. Alle 32 Mitarbeiter müssen zum Test.

ÖHV: Insgesamt vier von Ihrem Team wurden positiv getestet. Der Betriebsname war in den offiziellen Verlautbarungen. Was kommt da auf den Unternehmer alles zu?

Dominik Erbele: Da rauscht eine Lawine über dich hinweg. Jeder will alles und das gleichzeitig. Trotzdem war ich erstmal erleichtert, dass in meinem Team nur wenige positiv getestet wurden und vor allem niemand ernsthaft erkrankt ist. Die Betriebsnennung hat natürlich heftige Reaktionen ausgelöst. Dein Handy hört nicht mehr auf zu läuten, die Mailbox geht über. Du sollst dich um deine Mitarbeiter kümmern. Du musst die Gäste informieren, die zum Großteil außer Haus sind. Die aus Radio, Internet, etc. erfahren, was in „ihrem“ Hotel los ist und sich Sorgen machen.

ÖHV: Wie beruhigt man in einer solchen Situation besorgte Gäste?

Dominik Erbele: Da helfen nur Einzel- oder Kleingruppengespräche. Mit einem Aushang oder per E-Mail geht da gar nichts, das würde die Unsicherheit nur erhöhen. Der Großteil hatte Verständnis. Einige davon – speziell jene, die sich zur Risikogruppe zählten – reisten jedoch vorzeitig ab. Andere wollten genaue Infos zur Lage im Ort und im Betrieb. Da kannst du dich nicht wegducken, da bist du als Chef gefordert und musst vollständig und transparent informieren. Das kostet Zeit und da und dort auch Nerven. Heute kann ich aber sagen, dass bei keinem Gespräch unangenehme Gefühle übriggeblieben sind, darauf sind wir ein bisschen stolz. Da konnte sogar Vertrauen für die Zukunft aufgebaut werden.

ÖHV: Sie hatten sicherlich viele Medienanfragen – wie sind sie damit umgegangen?

Dominik Erbele: Dabei hatten wir dankenswerterweise Unterstützung. Der Tourismusverband und die WKO haben den betroffenen Betrieben einen Berater zur Verfügung gestellt. Es war richtig, die Anfragen zu Beginn aktiv entgegenzunehmen. Wir nutzten die Gelegenheit, unsere Offenheit zu zeigen und unser Haus sowie die Situation authentisch und transparent darzustellen. Das Motto muss lauten: nicht wegducken sondern sagen, was ist. Das hat gut geklappt und soweit ich das überblicken konnte, ist das „Peter“ recht gut weggekommen. Nach einigen intensiven Tagen war unser Haus nicht mehr präsent und es kehrte Ruhe ein.

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Mag. Maria Wottawa

Mag. Maria Wottawa

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