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Corona-Kurzarbeit für Lehrlinge
Corona

Corona-Kurzarbeit für Lehrlinge

Lehrlinge dürfen an der Kurzarbeit teilnehmen. Die Nettoersatzquote beträgt bei Lehrlingen 100 % des bisherigen Nettoentgeltes. Bei der Einbeziehung von Ausbildern bzw. Ausbilderleitern in die Kurzarbeit ist auf die Sicherstellung der sachgemäßen Ausbildung der Lehrlinge Bedacht zu nehmen.

19. März 2020

Wenn ein Lehrling im Betrieb keine oder keine geeignete Tätigkeit ausüben kann, haben Unternehmen die Möglichkeit, Corona-Kurzarbeit zu beantragen. Die Regelung gilt rückwirkend ab 01.03.2020. Eine Verlängerung um weitere 3 Monate ist möglich (längstens bis 30.09.2020). Es gelten die Regeln des Covid-19-Kurzarbeitmodells.

Unternehmen werden in der Regel die Kosten für die Ausfallstunden, die erhöhten DN- und DG-SV-Beiträge und die anteiligen Sonderzahlungen abgegolten.

Was ist bei der Corona-19-Kurzarbeit für Lehrlinge zu beachten?

Die Sozialpartner-Vereinbarung (Betriebsvereinbarung oder Einzelvereinbarung) muss auch die Lehrlinge des Betriebs umfassen. Ist dies in der bestehenden Sozialpartner-Vereinbarung nicht der Fall, muss diese entsprechend ergänzt werden. Die Sozialpartner-Vereinbarung ist dem Antrag beizufügen oder ehestmöglich nachzureichen. Besteht ein Betriebsrat, ist die Sozialpartner-Vereinbarung auch von diesem zu unterfertigen – ansonsten muss sie von der zuständigen Fachgewerkschaft mitunterfertigt werden.

Verlängert sich aufgrund der Kurzarbeit die Lehrzeit?

Nein. Eine Verlängerung der Lehrzeit aufgrund der Kurzarbeit ist nicht erlaubt.

Können Berufsschultage in einen Abbau von Urlaubsansprüchen eingerechnet werden?

Nein. Beim Verbrauch des Urlaubs zählen Berufsschultage nicht. Auch dann nicht, wenn der Berufsschulunterricht, wie aktuell, zu Hause stattfindet.

In welcher Höhe ist das Lehrlingsentgelt (Lehrlingsentschädigung) bei Kurzarbeit zu bezahlen?

In voller Höhe. Die Kurzarbeitsbeihilfe deckt das für den Arbeitszeitausfall ab.

Lehrverhältnisse dürfen nur gemäß bestehender Bestimmungen aufgelöst werden

Zur Beendigung und Auflösung von Lehrverhältnissen gibt es ganz klare Bestimmungen, die unter §§ 14 ff. BAG zu finden sind.

Achtung: Sollte der Lehrling in der Probezeit sein, kann das Lehrverhältnis auch einseitig gelöst werden.

Im Falle von Quarantäne

Muss der Lehrling am Arbeitsplatz erscheinen?

Wohnt der Lehrling in einer deklarierten Sperrzone und muss er diese zum Antritt seiner Arbeit (unberechtigt) verlassen, ist ein Fernbleiben von der Arbeit gerechtfertigt. Dies gilt auch im umgekehrten Fall, wenn sich die Arbeitsstelle selbst in einem Gebiet befindet, das zur Sperrzone erklärt wurde.

Entlohnung von Lehrlingen, wenn sie in Quarantäne sind

Die Lehrlingsentschädigung wird unter den Bestimmungen des § 17a Berufsausbildungsgesetz (BAG) fortgesetzt. Das heißt, im Falle einer Arbeitsverhinderung durch Krankheit steht dem Lehrling bis zu acht Wochen die volle Lehrlingsentschädigung und weitere vier Wochen ein Teilentgelt zu.

Dienstfreistellungen und Urlaube

Darf ich als Arbeitgeber Lehrlinge nach Hause schicken?

Grundsätzlich steht es dem Arbeitgeber frei, auf die Anwesenheit der Belegschaft kurzerhand zu verzichten. Hierbei handelt es sich üblicherweise um einen Fall der Dienstfreistellung.

Gibt es Urlaubsvereinbarungen und unbezahlten Urlaub für Lehrlinge?

Urlaubsvereinbarungen sind auch mit Lehrlingen möglich. Ein unbezahlter Urlaub ist bei Lehrlingen nicht zulässig. Wie mit sonstigen Arbeitnehmern, kann zur Überbrückung auch mit Lehrlingen Urlaub vereinbart werden, sofern ein aus­reichendes Urlaubsguthaben besteht. Die Lehrlingsentschädigung läuft weiter. Ein Urlaubsvorgriff unter Anrechnung auf den Urlaubsanspruch eines künftigen Arbeitsjahres bedarf einer gesonderten Urlaubsvorgriffs-Vereinbarung.

Können Lehrlinge ein Zeitguthaben abbauen?

Zeitausgleich würde allenfalls bei volljährigen Lehrlingen in Betracht kommen. Bei minderjährigen Lehrlingen (bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres) ist Zeitausgleich wegen weitgehender Unzulässigkeit von Überstunden kaum möglich sein.

Weitere mögliche Fragestellungen

In der Ausbildungsstätte arbeiten mehr als 100 Personen. Muss der Lehrling am Arbeitsplatz erscheinen?

Ja, grundsätzlich schon. Ein Fernbleiben von der Arbeit ist dann gerechtfertigt, wenn eine objektiv nachvollziehbare Gefahr besteht, sich bei der Arbeit mit dem Virus anzustecken – beispielsweise dann, wenn es im unmittelbaren Arbeitsumfeld bereits zu einer Ansteckung mit dem Virus gekommen ist. Das gilt nicht für jene Lehrlinge, die berufsbedingt regelmäßig mit Krankheiten zu tun haben, wie etwa in Spitälern oder Apotheken.

Ist Homeoffice für Lehrlinge erlaubt?

Homeoffice ist aufgrund der Aufsichts- und Ausbildungspflicht für Lehrlinge grundsätzlich nicht vorgesehen. Sofern dies in Ausnahmefällen jedoch mit dem Ausbildungscharakter der Lehre vereinbar ist, bedarf es dafür einer Änderung des Lehrvertrags, die schriftlich vereinbart werden muss. Bei minderjährigen Lehrlingen ist dafür die Unterschrift der/des Erziehungsberechtigten nötig. In einer solchen Vereinbarung muss auch die Beistellung der für die Ausbildung zu Hause erforderlicher Sachmittel und die Tragung allfälliger Kosten durch den Lehrberechtigten geregelt werden.

Infos zur "Überbetrieblichen Ausbildung"

Die durch Berufsschulen angebotene Überbrückungsphase gilt als Berufsschulzeit, d.h. der Lehrberechtigte hat dem Lehrling gemäß § 9 Abs. 5 BAG die entsprechende Zeit freizugeben. Gemäß § 11 Abs. 4 und 5 des Kinder- und Jugendlichen-Beschäftigungsgesetzes (KJBG) ist diese Zeit wie die reguläre Unterrichtszeit auf die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit anzurechnen und das Lehrlingseinkommen zu bezahlen. Da die Überbrückungsphase zur Erfüllung der Berufsschulpflicht beiträgt, erfolgt keine neuerliche Einberufung der Lehrlinge.

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Mag. Maria Wottawa

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