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Kurzarbeit in der Saisonhotellerie
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Kurzarbeit in der Saisonhotellerie

Ob und inwieweit Kurzarbeit von Saisonbetrieben in Anspruch genommen werden kann, hängt von verschiedenen Aspekten ab. Zu unterscheiden ist primär zwischen Hotels, die ihre Saison mittlerweile vorzeitig beendet haben und Hotels, die in naher Zukunft ihre Saison beginnen möchten.

23. März 2020


Hotels, die ihre Saison beendet haben

Darunter fallen vorzugsweise Hotels, die in der Wintersaison geöffnet haben.

Fall 1: Saisonmitarbeiter mit unbefristeten Dienstverträgen:

Für solche Mitarbeiter sehen wir derzeit keine Möglichkeit einer Kurzarbeit, da die Betriebe die Dienstverträge mit diesen Mitarbeitern zum Ende der Saison kündigen müssen.

Fall 2: Saisonmitarbeiter mit befristeten Dienstverträgen, die am Ende der Saison automatisch ablaufen:

Für solche Mitarbeiter kann rückwirkend ab 1. März 2020 bis zum Ablauf dieser befristeten Dienstverträge Kurzarbeit vereinbart werden. Beachten Sie dabei, dass in dem Zeitraum, für den Kurzarbeit beantragt wird, der Beschäftigtenstand zu halten ist. Rückwirkend ist Kurzarbeit also erst ab dem Zeitpunkt möglich, ab dem keine Dienstverhältnisse mehr aufgelöst wurden. Dabei schadet es nicht, dass Jahresmitarbeiter mit unbefristeten Dienstverträgen ebenfalls Kurzarbeit in Anspruch nehmen. Siehe dazu Fall 3!

Fall 3: Jahresmitarbeiter mit unbefristeten Dienstverträgen:

Für solche Mitarbeiter ist Kurzarbeit möglich. Vor Beginn der Kurzarbeit müssen allerdings unbefristete Dienstverträge mit Saisonmitarbeitern aufgelöst werden, wobei es nicht schadet, wenn deren Kündigungsfristen und der etwaige Abbau von Urlaub und Zeitguthaben in die Phase der Kurzarbeit der ganzjährig beschäftigten Mitarbeiter hineinreichen.

Hotels, die ihre Saison beginnen möchten

Darunter fallen vorzugsweise Hotels, die vor Ostern aufsperren wollten, aber auch Hotels, die nach einem Betriebsurlaub wieder aufsperren wollten. 

Fall 1: Jahresmitarbeiter mit unbefristeten Dienstverträgen:

Für solche Mitarbeiter ist Kurzarbeit möglich. Möchte sich der Betrieb von Jahresmitarbeiter mit unbefristeten Dienstverträgen trennen, muss er das aufgrund der Behaltepflicht vor der Kurzarbeit tun. Wie der Betrieb in der Folge mit Saisonmitarbeitern umgeht, ob er also etwa versucht, sich von diesen zu trennen, oder ob er versucht, den Beginn des Arbeitsvertrages auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen, spielt für die Kurzarbeit von Jahresmitarbeitern keine Rolle, da die Saisonmitarbeiter bei Beginn der Kurzarbeit der Jahresmitarbeiter ja nicht zum Personalstand zählen und daher deren Kurzarbeit nicht beeinflussen.

Fall 2: Saisonmitarbeiter mit bereits abgeschlossenen Arbeitsverträgen oder mit Wiedereinstellungszusagen:

Gilt für solche Mitarbeiter eine Probezeit, weil eine Probezeit vereinbart ist bzw. weil eine Probezeit bei Arbeitern mit unbefristeten Arbeitsverträgen laut Kollektivvertrag anzuwenden ist, kann der Arbeitsvertrag vor seinem Beginn, also vor Arbeitsantritt, aufgelöst werden. Gilt hingegen keine Probezeit, weil der Mitarbeiter schon mehrfach in derselben Funktion im Betrieb beschäftigt war, dann beginnt der Arbeitsvertrag zu laufen, der Mitarbeiter hat den Dienst anzutreten, der Betrieb hat den Lohn bzw. das Gehalt zu bezahlen.

In dieser Situation besteht die Möglichkeit, im Einvernehmen mit den einzelnen Mitarbeitern den Beginn des Arbeitsvertrages abzuändern, also auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen. Dies sollte am besten schriftlich erfolgen, beispielsweise per E-Mail.

In dieser Situation könnte für solche Mitarbeiter aus unserer Rechtssicht auch Kurzarbeit vereinbart werden - Achtung: der AMS Bundesvorstand sieht das aktuell anders! Demnach müssten Mitarbeiter vor Kurzarbeit mindestens 4 Wochen beschäftigt sein. Das Thema ist in noch Abklärung. Das Entgelt und damit die Nettoersatzquote von 80 %, 85 % oder 90 % würden sich primär nach den abgeschlossenen Arbeitsverträgen und der darin vereinbarten Bezahlung richten. Sollten noch keine Arbeitsverträge abgeschlossen worden sein, sondern nur Wiedereinstellungszusagen existieren, wird wohl das vor dem Betriebsurlaub bzw. das in der letzten Saison gewährte Entgelt heranzuziehen sein. Im Einzelfall wird eine solche Form der Kurzarbeit mit der Gewerkschaft und auch mit dem örtlich zuständigen Arbeitsmarktservice abzuklären sein.

Soll mit Jahresmitarbeitern Kurzarbeit vereinbart werden, so können auch Saisonmitarbeiter in diese Kurzarbeit aufgenommen werden. Nach unserem Verständnis schadet es nicht, dass diese erst später in die Kurzarbeit einsteigen. Zu beachten gilt es allerdings, dass sowohl für die Jahresmitarbeiter als auch für die Saisonmitarbeiter die Behaltepflicht gilt. Es besteht daher keine Möglichkeit, sich während der Kurzarbeit von Jahresmitarbeitern oder von Saisonmitarbeitern zu trennen.

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Mag. Maria Wottawa

Mag. Maria Wottawa

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