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Skifahren wie immer, aber ohne Après-Ski
Corona

Skifahren wie immer, aber ohne Après-Ski

Infektiologe Dr. Christoph Wenisch über die aktuellen Corona-Testungen von Tourismusmitarbeitern und die Aussicht auf die kommende Wintersaison.

19. August 2020

ÖHV: Herr Dr. Wenisch, die Testung von Tourismusmitarbeiter wurde in den letzten Tagen und Wochen medial breit diskutiert. Wie beurteilen Sie das System und wie könnte es Ihrer Ansicht nach noch besser laufen?

Christoph Wenisch: PCR-Tests können nur das aktuelle Ausscheiden von Viren beurteilen. Wie es davor und danach aussieht, bleibt durch das Ergebnis eines PCR-Tests unbekannt. Weiters dauert es für manche COVID19-Problemlagen trotz etlicher Verbesserungen noch immer (viel zu) lange zwischen der Probenentnahme und dem schriftlichen Befund. Hier verbleibt dann oftmals das Tragen der Maske bei Kontakt zu anderen Menschen als Lösung.

ÖHV: Ein oftmals geäußerter Kritikpunkt aus der Branche war, dass es bis zu den Testergebnissen zu lange dauert. Im Hochbetrieb auf einen oder sogar mehrere Mitarbeiter zu verzichten geht sich in vielen Häusern nicht aus. Die Forderung nach Schnelltests wurde immer lauter. Gibt es diese schon und falls ja, wann kann man mit deren Nutzung konkret rechnen?

Christoph Wenisch: Die Tests sind sehr schnell – früher mussten wir bei manchen Tests auf verschiedene Mikroorganismen sogar im Spital über 1 Woche auf ein Ergebnis warten. Sie sind trotzdem nicht schnell genug. Kommerzielle Schnelltest, die unseren Ansprüchen zu dem Begriff schnell gerecht werden (Ergebnis in weniger als 15 Minuten) gibt es nicht. Auch einige Tests, die als „schnell und gut“ beworben werden, sind dies nicht, da deren Ergebnisqualität einem Münzwurf gleichkommt. Eine Entschleunigung bis zum Einlangen des Ergebnisses ist deshalb nötig.

ÖHV: Im gleichen Atemzug wurde auch – analog zur Landwirtschaft oder zu Mitarbeitern in Pflegeheimen – das Testen von sogenannten K1-Kontaktpersonen gefordert? Eine Lösung, die Sie für den Tourismus für praktikabel halten?

Christoph Wenisch: Dies ist in den aktuellen Empfehlungen des Sozialministeriums, denen ich mich natürlich vollinhaltlich anschließe, so nicht vorgesehen.

ÖHV: Die Wintersaison nähert sich mit großen Schritten, bundesweite Konzepte für Après-Ski und Co. werden gefordert. Es gibt viel Unsicherheit im Tourismus, wie denn das Wintergeschäft mit dem Virus funktionieren wird und kann. Was erwarten Sie sich?

Christoph Wenisch: Schifahren für echte Schifahrer fast wie immer, nur eben ohne Après-Ski Partys und Ähnlichem, da ja gerade dort in engen Räumen mit geringer Frischluftzufuhr eine besonders günstige Situation für die Übertragung entstehen würde. Einfache Regeln für Hotspot-Situationen wie das Anstellen beim Lift mit Maske o.ä.

ÖHV: Zum Abschluss – Was können Sie den Hoteliers empfehlen? Auf was sollen Sie besonders achten bzw. welche Schritte können sie im Betrieb setzen, um mit dem Risiko besser umgehen zu können?

Christoph Wenisch: Bei steigenden Krankheitszahlen in der Bevölkerung vor allem das Küchenpersonal mit Masken schützen. Das hilft, ein Cluster zu vermeiden. Auf private Partys und auch organisierte Clubbings, Disco etc., für die gesamte Pandemiedauer grundsätzlich verzichten. Die aktuellen Regelungen der Regierung immer sofort einhalten: Die damit fehlende exakte Planbarkeit der Wintersaisonen 20/21, 21/22 akzeptieren. Wichtig ist auch die Kommunikation mit den Mitarbeitern. Das Gefühl „gemeinsam schaffen wir das schon“ fördern und vermitteln, dass wirklich jeder Einzelne etwas zur Situation beitragen kann.

Herr Wenisch, vielen Dank für das Gespräch!


Zur Person:
Univ. Doz. Dr. Christoph Wenisch  ist Primar der 4. Medizinische Abteilung mit Infektions- und Tropenmedizin im Wiener Kaiser-Franz-Josef-Spital

 

Margot Leitner

Margot Leitner

RegionalmanagementE-Mail senden+43 1 5330952-41
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