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"Wir müssen jetzt an vielen Schrauben drehen."
Interview

"Wir müssen jetzt an vielen Schrauben drehen."

Am 11. Mai 2022 wurde Susanne Kraus-Winkler als Tourismus-Staatssekretärin angelobt. Im Interview mit "die lobby" spricht sie über ihre Pläne und darüber, was der Tourismus jetzt braucht.

17. Juni 2022

die lobby: Wie sehen Sie sich in Ihrer neuen Rolle als Staatssekretärin?

Susanne Kraus-Winkler: Ich habe dieses Amt für mich eigentlich überraschend und absolut ungeplant übernommen. Worauf es mir jetzt vor allem ankommt ist, meine langjährigen Erfahrung, mein Know How und mein Herzblut für die Branche und für die dringlichsten Herausforderungen in der Politik einzusetzen. Es ist während der Corona Pandemie vor allem ums betriebliche Überleben im Tourismus gegangen, jetzt geht es wieder darum, den 2019 fertig gestellten Plan-T Schritt für Schritt weiter umzusetzen und zahlreiche touristische Projekte, die in der Pipeline liegen, zu finalisieren.

die lobby: Was sind die größten Herausforderungen für die Tourismusbranche?

Susanne Kraus-Winkler: Neben der Teuerung und der bevorstehenden Winterstrategie für die Pandemiebewältigung, ist und bleibt derzeit die größte Herausforderung im Tourismus der extreme Arbeitskräftemangel. Hier muss, wie schon so oft gesagt, an sehr vielen Schrauben gedreht werden. Mit allen Beteiligten in der Branche muss eine kurz-, mittel- und langfristige Arbeitskräftestrategie initiiert und die Umsetzungen koordiniert werden. 
Wir wissen alle, daß wir dem Fachkräftemangel nur dann nachhaltig entgegenwirken können, wenn wir es schaffen, touristische Berufe zu attraktiveren und deren Image zu heben, Weiterbildungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten zu optimieren, neues Verständnis für Führungs- und Unternehmenskultur zu wecken und generell, alles rund um das Thema Employer Branding zu verstärken. Gemeinsam mit Bundesminister Kocher und zahlreichen Expertinnen und Experten wird bereits an einigen Initiativen und Reformen gearbeitet, etliche Hausaufgaben müssen aber auch von der Branche gemacht werden. Das Staatssekretariat kann und sollte dabei, wie auch bei Nachhaltigkeit und Digitalisierung, Think Tank Hub für die dringendsten mittel- wie langfristigen Branchenthemen sein und den politischen Part entsprechend aufbereiten.

die lobby: Welche Absicherung und Stabilisierung brauchen unsere Betriebe nach der Krise?

Susanne Kraus-Winkler: Grundsätzlich hat die Krise die Eigenkapitalsituation etlicher Betriebe durch die Zusatzverschuldung in der Pandemiezeit verschlechtert, hier sollten angesetzt werden. 
Dazu kommt, dass Betriebsaufgabe steuerlich und Betriebsübergabe technisch erleichtert werden muss. Weiters braucht es die so oft eingeforderte Planbarkeit, wenn es um die nächste Coronawelle und die Maßnahmenverordnungen sowie die Reisebeschränkungen geht. Lockdowns müssen der Vergangenheit angehören und ein unaufgeregterer Umgang mit jeder Welle, wie zum Beispiel in der Schweiz, muss die Vorgabe sein. Wir sind in einem Strukturwandel und müssen uns diesem in jeglicher Form stellen. 

Die Krise hat gezeigt, dass der Tourismus mehr denn je eine laufende Anpassung an sich derzeit stetig ändernde Voraussetzungen verlangt.

Mag. Susanne Kraus-Winkler
Tourismus-Staatssekretärin

Die Krise hat gezeigt, dass der Tourismus mehr denn je eine laufende Anpassung an sich derzeit stetig ändernde Voraussetzungen verlangt. Um langfristig erfolgreich zu sein, gilt es, strukturelle Defizite zu beheben und die wirtschaftliche Krisenresilienz der Betriebe zu stärken. Nicht nur der Fachkräftemangel wird uns in Zukunft weiter vor Herausforderungen stellen, auch geänderte Gästetrends, die Zukunft der Mobilität, Klimawandel und zahlreiche weitere Themenfelder, müssen bestmöglich und ohne Qualitätsverlust - denn Österreich muss ein Qualitätstourismusland bleiben – in den nächsten Jahren erfolgreich bewältigt werden. 

die lobby: Was benötigt der Tourismus für den Herbst?

Susanne Kraus-Winkler:  Wie schon angemerkt brauchen alle Tourismusbetriebe vor allem Planungssicherheit. Es muss alles darangesetzt werden, weitreichende Beschränkungsmaßnahmen zu verhindern, sollte sich die pandemische Lage wieder verschlechtern. Eigenverantwortung und rechtzeitig gelernte Soft-Maßnahmen wie Masken als Schutz vor Aerosolen helfen hier sicherlich. Wir werden uns intensiv mit Bundesminister Rauch abstimmen, um sicherzustellen, dass der Szenarien-Plan für Herbst auch die Bedürfnisse der Tourismus- und Freizeitwirtschaft berücksichtigt.

die lobby: Was haben Sie am 22. Jänner 2023 vor? 

Susanne Kraus-Winkler: Da plane ich natürlich, am ÖHV Kongress in Salzburg teilzunehmen.

Ihr Ansprechpartner

Martin Stanits

Martin Stanits

Leitung Public Affairs & UnternehmenssprecherE-Mail senden+43 1 5330952-20

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