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Frage 3: Tourismus in OÖ 2027

Welche mittelfristigen Maßnahmen und Hilfen wollen Sie setzen, um der oberösterreichischen Hotellerie ein langfristig stabiles und dynamisches Wirtschaften zu ermöglichen? Welches Konzept haben Sie für die Stadt- und Businesshotellerie, die härter, schneller und länger getroffen ist als viele andere Branchen? Sehen Sie Mittel und Wege, die für Messen und Kongresse so wichtige Sicherheit und Planungssicherheit zu erhöhen?

Landesrat  Markus Achleitner (ÖVP - die Oberösterreich Partei)

Foto: © Land OÖ

Gerade für die Hotellerie haben wir bereits in den letzten Jahren Förderprogramme für Investitionen in die Qualität der Infrastruktur aufgesetzt, die auch weiter fortgeführt werden. Das heißt, das Land OÖ hilft bei der Gestaltung des Basisprodukts. Wir investieren in den Regionen, aber auch in das Ausflugsangebot und legen dabei Wert auf naturnahen Tourismus. Im städtischen Bereich unterstützen wir beispielsweise kulturelle Angebote oder das Kongress- und Messewesen. Die Reform der Tourismusverbandsstruktur in OÖ, die eine Reduktion von 104 auf 19 Verbände mit sich brachte, ermöglicht nun marketingseitig eine Bündelung der Kräfte und zielsichere Werbung für die jeweilige Region.

Aber insbesondere im Tagungs- und Geschäftstourismus braucht es eine intensive Auseinandersetzung mit den aktuellen Entwicklungen und gezielte Unterstützung. Dazu wurde im vergangenen Jahr bereits ein Szenario Report für die Partnerbetriebe im Convention Bureau Oberösterreich erarbeitet. Die Branche hat sich durch die virtuellen Meetings rasant verändert. Maßgeblich für den zukünftigen Erfolg wird daher sein, wie sich die Veranstaltungsbranche an die veränderten Bedürfnisse anpasst und bestmögliche Sicherheit bei Live-Veranstaltungen bietet. Denn der Wunsch nach persönlichen Begegnungen ist auch im B2B-Bereich groß. Daher wird mit der Convention Austria, die von 04 - 07. Oktober 2021 als größte Fachmesse für die Tagungsbranche erstmalig in Oberösterreich über die Bühne geht, ein sichtbares und zuversichtliches Zeichen für die Tagungsbranche gesetzt.

Richtigerweise braucht es in diesem Segment aber auch Planungssicherheit. Die bestehende 3-G-Regelung ist unserer Ansicht nach auch für Messen und Kongresse anwendbar. Sollte die Durchführung einer Veranstaltung dennoch bundesseitig untersagt werden, setzen wir uns dafür ein, dass die entstandenen Kosten jedenfalls weiter ersetzt werden.

 

Die aktuell gültige Landes-Tourismusstrategie 2022 bestätigt, dass die Grundausrichtung stimmt. Wir setzen auf die richtigen Themen:

  • Menschen = Arbeitskräfte, Unternehmenskultur, Aus- und Weiterbildung, Dienstleistungsqualität…,
  • Digitalisierung – wie das Projekt "Chatbot", das eCoach-Programm oder myVisit Pass
  • Natur: Naturraum hat durch die Pandemie noch zusätzlich an Bedeutung gewonnen - Angebote mit viel Freiraum (bspw. Outdoor-Freizeitaktivitäten, Unterkünfte) sind gefragter denn je. Deshalb forcieren wir die Strategie „Natur & Tourismus im Einklang“ und unterstützen Projekte zur nachhaltigen Entwicklung der heimischen Naturräume im Ausgleich der Interessen aller Naturraum-Nutzer.
  • Kulinarik: neue Reiseanlässe schaffen, Vernetzung über den Tellerrand hinaus mit untersch. Branchen (Produzenten, Landwirtschaft, Wirtschaft, Veredler, Gastronomie, Hotellerie, ..)

Innerhalb dieser Meilensteine müssen aktuelle Entwicklungen aufgegriffen werden und in der Schwerpunktsetzung der nächsten Jahre berücksichtigt werden:

  • Potenzial Kultur 2024 (200 Jahre Bruckner, Europäische Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut)
  • Potenzial Vernetzung über die Branche hinaus (Wirtschaft, Sport, Kultur, Industrie, Landwirtschaft, Wissenschaft, …)
  • Potenzial Mobilität, Natur & Klimaschutz, um zur Standortabsicherung beizutragen

und so gemeinsam zum „Lebensraum-Gestalter“ zu werden, der regionale Wirtschaftskreisläufe stärkt und unsere Wirtschaft insgesamt widerstandsfähiger macht.

 

Zudem entsteht mit dem Tourismus-Inkubator ein nachhaltiger Impuls, um innovative Projekte und Start-Ups im Tourismus zu fördern:

  • Junge, innovative, kreative Menschen, die sich für den Tourismus begeistern und in der Branche Karriere machen wollen
  • Neu gegründete Unternehmen mit langer Lebensdauer sowie innovative und digitale Geschäftsmodelle

- das will der Tourismus-Inkubator – ein neues Gründungsprogramm für Start-ups in Tourismus, Hotellerie und Freizeitwirtschaft – erreichen. Das Wirtschafts- und Tourismusressort des Landes OÖ, die oö. Standortagentur Business Upper Austria, die Oberösterreich Tourismus GmbH und die tech2b Inkubator GmbH beraten, fördern und begleiten acht Start-ups, die erst kürzlich in einer Jury-Sitzung definiert wurden.

LH-Stvtr. Dr. Manfred Haimbuchner (FPÖ Oberösterreich)

Foto: © x

Um Planungssicherheit und Vertrauen zu erzeugen, sind verständliche, praxistaugliche und einheitliche Maßnahmen notwendig. Es muss Schluss sein mit undurchsichtigen Verordnungen, die sich wöchentlich ändern. Schärfere, die persönliche Freiheit einschränkende Maßnahmen sind aus Sicht der FPÖ nur mehr dann gerechtfertigt, wenn das Gesundheitssystem, insbesondere die Intensivmedizin, zu überlasten droht. Im Sinne einer Interessenabwägung kann die Anzahl der Infektionsfälle nicht mehr einziges Kriterium sein. Unsere Wirtschaft, insbesondere die für Österreich so wichtige Sparte Tourismus, muss bei allen Überlegungen eine mitentscheidende Rolle spielen und vor allem auch gehört werden.

 

Landesrat Stefan Kaineder (Die Grünen OÖ)

Foto: © Die Grünen OÖ

Der Tourismus stellt in Oberösterreich einen großen Wirtschaftsfaktor dar, sichert zehntausende Arbeitsplätze. Deshalb schützen wir die Grundlage dafür – eine intakte Natur. Wir setzen auf Tourismusprojekte, die wirtschaftliche Chancen und befriedigende Arbeitsplätze eröffnen, Naturräume und Ressourcen schonen und eine klimaneutrale Mobilität fördern.

Dazu braucht es die Initiierung von Leuchtturmprojekten des nachhaltigen Tourismus. Mit professioneller Begleitung: Innovationscoaches, die gemeinsam mit den Personen vor Ort und Vertretern aus Tourismus, Regionalentwicklung, Wirtschaft, Landwirtschaft, Bildung, Sozialbereich aus den vorhandenen Ressourcen neue Ideen und Potentiale entfalten. Beispiel: Albergo Difuso (ITA/CH): Ein ganzes Dorf wird zum gemeinsamen Hotel. Alle profitieren.

Wir wollen ganze Tourismusregionen mit konkreten finanziellen Förderangeboten motivieren, auf sanften, nachhaltigen Tourismus umzusteigen. Da braucht es noch mehr Kooperation und gemeinsames Handeln der Region. Da sind die Tourismusregionen gefragt, die beteiligten Gemeinden, die Regionalentwicklungsverbände, für Verkehr und Infrastruktur Verantwortliche, Landwirtschaft, Sozialpartner. Öko-sozialer Wandel in umweltverträglichen Tourismus ist aufwendig und kostet Geld. Dazu braucht es entsprechende Hilfen von Bund, Land und Gemeinden. Das Ergebnis ist schließlich für alle Beteiligten besser: glücklichere Gäste, zufriedenere Mitarbeiter und Inhaber und die Menschen der Region!

 

Dem Städte- und Kongresstourismus kommen als ganzjährige Tourismuskonzepte besondere Bedeutung im oberösterreichischen Tourismus zu. Es gilt diese Konzepte daher jedenfalls zu stärken, auch unabhängig von den durch die Corona-Krise bedingten Belastungen. Aufgabe der Landespolitik ist es dabei, insbesondere Maßnahmen zur Attraktivierung der Destination zu setzen. Für den Städtetourismus heißt das vor allem: Verbesserung der Erholungsqualität durch Verkehrsberuhigung in den Stadtzentren bei gleichzeitigem Ausbau öffentlicher und klimaschonender Verkehrsinfrastruktur sowohl im inner- als auch im außerstädtischen Bereich. Ein verbessertes Angebot an öffentlichem Verkehr fördert nicht nur die Attraktivität der Stadt als Destination selbst, sondern auch das Angebot von kombinierten Stadt- und Naturreisen sowie kombinierten Kongress- und Erholungsreisen. Auf überregionaler Ebene sollte der Ausbau des Fernschienenverkehrsangebots (insb. auch der Nachtzugverbindungen) bestmöglich unterstützt werden, um das zunehmende Interesse von Geschäftsreisenden nach klimaschonenden und preisgünstigen Reisealternativen zu bedienen.

Inklusive Gesellschaft fördern: Tourismuswirtschaft muss sich auf die Bedürfnisse einer älteren und inklusiveren Gesellschaft einstellen und entsprechende Anpassungen vornehmen. Barrierefreiheit ist ein Qualitätsmerkmal, das von allen Gästen geschätzt und vermehrt eingefordert wird. Damit eröffnet man für diese Zielgruppe neue Märkte.

 

Sehen Sie Mittel und Wege, die für Messen und Kongresse so wichtige Sicherheit und Planungssicherheit zu erhöhen?

Ein politisches Versprechen langfristiger Planungssicherheit kann unter den einzigartigen Gegebenheiten der COVID-Pandemie für keine Branche ernsthaft abgegeben werden. Langfristig betrachtet könnte die Krise aber insofern Potential für erhöhte Planungssicherheit geschaffen haben, als in den letzten Jahren wertvolle Erfahrungen im Krisenmanagement gesammelt wurden, die einen verbesserten Umgang mit künftigen Krisenereignissen ermöglichen.

Abg. zum Nationalrat Mag. Felix Eypeltauer (NEOS)

Foto: © NEOS

Planungssicherheit ergibt sich, wie bereits gesagt, aus einer glaubwürdigen und inhaltsorientierten Krisenpolitik, die deutlich weniger auf Showelemente setzt. Schon seit Dezember 2020 fordern wir Wirtschaftshilfen nach dem Vorbild des Vorschlags des designierten Wifo Chefs Gabriel Felbermayr (sog. Verlustkompensation). Hierbei geht es um zielgerichtete Hilfe für betroffene Unternehmen über das Finanzamt. Selbstverständlich wäre es auch hier nötig, viel transparenter als bisher vorzugehen, um auch eine möglichst nachvollziehbare Evaluierung und damit einen sorgsamen Umgang mit Steuergeld sicherzustellen. Stattdessen werden punktuell intransparente Instrumente ohne Rechtssicherheit für die betroffenen Unternehmer in letzter Sekunde verlängert.

Wegen der schweren Betroffenheit von Stadt- und Businesshotellerie haben wir uns auf Bundesebene - leider vergebens - für die Einführung eines Veranstaltungsfonds starkgemacht. Veranstaltungen, die Nächtigungen in Städten mit sich bringen, sollten zu einem gewissen Teil gefördert werden. Dies könnte dem Städtetourismus im internationalen Wettbewerb den nötigen Wettbewerbsvorteil geben. Für die Unternehmer ist gerade in dieser Branche ganz wesentlich, dass der aktuelle Mangel an Planungssicherheit und effizienten Wirtschaftshilfen Ihnen das Leben nicht noch mehr erschwert. Auf Landesebene sollten wir aus der aktuellen Situation hinsichtlich Krisenfestigkeit unserer Tourismusbetriebe lernen, aber auch offen die Ergebnisse der oberösterreichischen Tourismusstrategie 2022 diskutieren. Daraus sollten wir einen umfassenden Plan für nachhaltigeren Tourismus zusammenstellen, der für mehr Modernisierungen in den Unternehmen sorgt, die Erreichbarkeit von Destinationen verbessert und landschaftliche aber auch kulinarische Highlights in unserer schönen Region über die bekannten Herkunftsmärkte hinaus verbessert.

Keine Antwort erhielten wir von der SPÖ Oberösterreich.

Margot Leitner

Margot Leitner

RegionalmanagementE-Mail senden+43 1 5330952-41
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