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Tourismus-Arbeitsmarkt & COVID-19
Politische Arbeit

Tourismus-Arbeitsmarkt & COVID-19

Jahrelang konnten Tourismusunternehmen gar nicht genug Mitarbeiter finden. Corona stellte das von einem Tag auf den anderen auf den Kopf. Damit der Tourismus wieder als Job- und Wirtschaftsmotor durchstarten kann, braucht es umfassende Maßnahmen.

Weltweit sanken die internationalen Nächtigungen um 65%. Milliarden an Tourismusexporte fielen weg. Es braucht rasch akut Hilfen und gleichzeitig vorausschauendes Handeln. Bei beidem ist Input von Experten unverzichtbar.

 

Jetzt verdichten sich die Anzeichen für das erfolgreiche Comeback des Tourismus – regional unterschiedlich, mit unterschiedlichen Herausforderungen für Politik und Wirtschaft. In Summe wir das Comeback des Tourismus die Rückkehr der österreichischen Wirtschaft in die schwarzen Zahlen einläuten.

 

Damit findet ein unaufhaltsamer Megatrend seine Fortsetzung: die kontinuierliche Verschiebung der Beschäftigung in die moderne Dienstleistungsgesellschaft. Corona war ein schlimmer Einschnitt. Mit den hier vorgeschlagenen Maßnahmen kann Österreich zu den Ländern gehören, die ihn am besten und schnellsten überwinden.

Die Vorschläge in diesem ÖHV-Politikbrief zur Herausforderung „Tourismus-Arbeitsmarkt & Corona“ beruhen auf konkretem Input aus der täglich gelebten Praxis in 1.600 Mitgliedsbetrieben der ÖHV. Sie können und sollen als Leitplanken auf dem Weg zurück in eine Normalität dienen, in der wieder alle arbeiten und den verdienten Urlaub genießen können: jeder Vorschlag für sich als ein Meilenstein auf dem Weg zurück in eine erfolgreiche Zukunft.

Sichere Arbeitsplätze: Professionalität als Garant

Hotels waren und sind sichere Aufenthaltsorte. Das zeigen die Erfahrungen des ersten Corona-Sommers: Es gab in ganz Österreich trotz hoher Auslastung und noch deutlich weniger Wissen über die Infektion als jetzt keinen einzigen hotelinduzierten Cluster. Vereinzelte Infektionen wurden dank flächendeckender Tests und optimalem Contact Tracing bestens gemanagt. Ganz aktuell zeigt sich die Professionalität bei der Öffnung der Gastronomie in der Modellregion Vorarlberg ohne auch nur eine einzige Infektion im gewerblichen Bereich. Im Gegenteil: Der unregulierte private Bereich war und ist Treiber für steigende Infektionen. Professionelle Gastgeber arbeiten aus Verpflichtung gegenüber Gästen und Mitarbeitern und im eigenen Interesse nach höchsten Standards. Diese Hygienestandards der neuesten Generation machen Österreichs Hotels zu sicheren Arbeitsplätzen.

Rasche Durchimpfung im Tourismus: Absicherung und Arbeitsplatzmotor

Dennoch: Parallel zu den Hygienemaßnahmen in den Betrieben sollte im emotionalen Urlaubsgeschäft der raschenDurchimpfung von Beschäftigten im Tourismus höhere Priorität eingeräumt werden. Das würde das medizinische Restrisiko von Infektionen und das wirtschaftliche für Betriebe und Veranstalter noch einmal reduzieren. Das würde die Erholung der am härtesten von Corona getroffenen Branche absichern und forcieren.

UNWTO: 2 Prognose-Modelle, auf beide vorbereitet sein

Die Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO) arbeitet aktuell mit zwei Prognose-Modellen: Das erste geht von einer Erholung ab Juli aus, das zweite von einer Erholung ab September. Österreich mit seiner hohen Tourismuswertschöpfung sollte auf beide Szenarien vorbereitet sein: Auf Szenario eins mit einer aktiven Arbeitsmarktpolitik, die es den Betrieben ermöglicht, sich mit ihren Teams rechtzeitig auf die steigende Nachfrage vorzubereiten, auf das zweite Szenario mit einem gut vorbereiteten und ausreichend dotierten finanziellen Schutzschirm, vor allem auch für nachfrageschwächere Regionen bzw. Städte.

Kurzarbeit: Rasch Rechts- und Planungssicherheit für Betriebe und Beschäftigte

Die Phase 4 der Kurzarbeit läuft Ende Juni 2021 aus. Der von Arbeitsminister Kocher angekündigten Kurzarbeit 5 für stark getroffene Betriebe müssen zeitnah konkrete Informationen folgen und Betrieben und Beschäftigten mehr Rechts- und Planungssicherheit bieten.

Drahtseilakt Saisonnier-Kontingente: Sachliche Arbeitsmarktpolitik

Bei der Rekordarbeitslosigkeit infolge von Corona erscheint die Reduktion von Saisonnier-Kontingenten eine logische Konsequenz Bei näherer Betrachtung erweist sich das als falsch: Beschäftigte aus Drittstaaten werden benötigt, wo der Mitarbeiterbedarf mit inländischen Bewerbern nicht gedeckt werden kann. Das ist etwa in ländlichen Regionen mit einem ausgeprägtem Angebot an Qualitätshotels der Fall und hier vor allem zur jeweiligen Saisonspitze. Und es ist der Fall, wenn Bewerber aus Österreich nicht die passenden Qualifikationen vorweisen, wenn Zumutbarkeitsbestimmungen den persönlichen Lebensumständen einen höheren Stellenwert einräumen als dem Erhalt von Arbeitsplätzen. Ein Schlüssel zum Erfolg ist die rasche und unbürokratische Anerkennung langjähriger Mitarbeiter aus Drittstaaten als Stammsaisonniers.

Regionale Nachfragedynamik austarieren

Beim ReOpening nach dem langen Corona-Lockdown sollten die Erfahrungswerte des Vorjahrs herangezogen werden, vor allem was die ungleiche Nachfrageverteilung und die Entwicklung der Beschäftigten- und Kurzarbeitszahlen angeht. Ein Ausgleich kann durch Programme zur Förderung der Mitarbeitermobilität gelingen durch das gezielte Management der Saisonnierkontingente laut Niederlassungsverordnung wie auch durch innerösterreichische Maßnahmen zum Ausgleich regional unterschiedlicher Mitarbeiterbedarfe. „ticket2west“, die neue Arbeitsmarktinitiative der Bundesregierung mit Mobilitäts- und Kurskostenunterstützung, kann helfen, Bedarf und Angebot an human resources bundesweit zu steuern und auszutarieren. Speziell vor dem Hintergrund der anlaufenden Sommersaison ist es aktuell unverständlich, warum der Tourismus bei diesem Angebot ausgeklammert ist. Das Modell muss dringend auf die Branche ausgeweitet, vor Saisonbeginn umgesetzt und laufend anhand des Inputs aus der Praxis weiterentwickelt werden.

Corona-Prämie für Lockdown-Branchen für Dienstleistungsqualität und Preisdurchsetzung

So sehr das Bundesbudget durch Corona auch im Mitleidenschaft gezogen ist: Der Ausfall einer so wichtigen Export- und Arbeitgeberbranche wie des Tourismus reißt deutlich größere Löcher in die öffentlichen Kassen. Umso wichtiger ist es, dieser von monatelangen Lockdowns massiv getroffene Branche die Rückkehr zur gewohnten Dienstleistungsqualität und damit Preisdurchsetzung zu erleichtern. Die Wiederholung der Steuerbefreiung für Corona-Prämien bis zu 300 Euro monatlich wäre angesichts der monatelangen reduzierten Einkommen auf Arbeitnehmerseite und des hohen Lohnkostenanteils für die Arbeitgeber bei gleichzeitig leeren Kassen ein effektiver Hebel. Eine Einschränkung auf Lockdown-Branchen wäre sachlich begründet und würde gleichzeitig die öffentlichen Haushalte schonen und Zielgenauigkeit garantieren.

Neustartbonus: Budget ausschöpfen

Für die raschere Belebung des Arbeitsmarkts sollten die für den Neustartbonus budgetierten Mittel zeitnah ausgeschüttet werden. Dies würde insbesondere Unternehmen nach lange andauernden Einkommensausfällen das Wiederhochfahren der Betriebe ermöglichen, bis die schleppende Auszahlung von Entschädigungen in die Gänge kommt. Vor allem in der Frühphase nach der Eröffnung, im städtischen Gebiet aber auch durchaus länger, ermöglicht der Neustartbonus mehr Beschäftigung bei niedriger Auslastung. Eine Verlängerung um ein Jahr, also bis 30.6.2022, wäre budgetär gedeckt, da die für den Neustartbonus budgetierten Mittel infolge monatelanger flächendeckender Lockdowns bei weitem nicht ausgeschöpft wurden. Die Nachfrage schafft im Tourismus Arbeitsplätze. Dank Modellen zur Anschubfinanzierung wie dem Neustartbonus kann die Nachfrage auch in Zeiten von Liquiditätsmangel in Wertschöpfung und Sozialbeiträge umgewandelt werden.

Unterstützung für duale Ausbildung: Kampagne zu Sicherheit und Karrierechancen

Nach dem Lehrlingsbonus in Höhe von 2.000 Euro für die von März bis Oktober 2020 begonnene Ausbildungsverhältnisse werden für 2021 und 2022 Digi-Schecks für 3 Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen à 500 Euro zugesagt. Doch die zugkräftigsten Motive für die Berufswahl sind wohl Leidenschaft und eine überzeugende Perspektive. Der beträchtliche Einbruch von Anmeldungen für Tourismusschulen und Lehrverhältnisse und der Ausbruch von Corona stehen in einem direkten Zusammenhang. Doch das ist kurzfristig gedacht: Die Sehnsucht nach Urlaub ist stark, Nachholeffekte und die höhere Sparquote werden die Reisebranche noch stärker aus der Krise zurückkommen lassen. Die hohen Sicherheitsstandards bei professionellen Gastgebern stehen außer Fragen – siehe Modellregion Vorarlberg ohne eine einzige Infektion in der gewerblichen Gastronomie. Wer jetzt seine Karriere im Tourismus startet, hat also beste Zukunftsaussichten: Weil der Bedarf motivierten Fachkräften auch garantiert steigt und die Konkurrenz diese Chance an sich vorbeiziehen hat lassen: mehr Nachfrage + weniger Konkurrenz = Top-Karrierechancen! Für eine breit angelegte Informationskampagne zu den intakten auch internationalen Karrierechancen wäre jetzt der richtige Zeitpunkt.

Lohnnebenkostensenkung

Nie war der Zeitpunkt für die seit Jahrzehnten angekündigte Entlastung der Arbeit richtiger als nach dem weltweit stärksten Arbeitsplatzverlust seit Beginn der Aufzeichnungen. Das Ziel sollte keine abrupte, sondern vielmehr kontinuierliche Neuverteilung von Beiträgen zur Finanzierung der öffentlichen Haushalte sein mit dem Ziel einer merklichen Entlastung des Faktors Arbeit.

Arbeitsmarktkonzept Tourismus

Allen Experten zufolge wird die Nachfrage nach Reisen ihre Dynamik rasch zurückgewinnen. Österreich wird auf dem Weltmarkt dank seiner Qualitätsbetriebe punkten und seine Exportbilanz rasch reparieren können, insofern der Mitarbeiterbedarf gedeckt werden kann. Um Mitarbeiter zurückgewinnen und bezahlen zu können, braucht es neben akuten Liquiditätszuschüssen, dem Vertrauen der Beschäftigten in die Branche und einer spürbaren Lohnnebenkostensenkung ein effektives Arbeitsmarktkonzept. Dieses sollte zeitnah unter Einbindung von Praktikern entwickelt werden und klare Antworten samt Umsetzungsschritten auf die entscheidenden Zukunftsfragen geben.

Martin Stanits

Martin Stanits

Leitung Public Affairs & UnternehmenssprecherE-Mail senden+43 1 5330952-20

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