Vorträge

Sonntag, 17. Jänner 2016, 18 Uhr

Podiumsdiskussion
Hotellerie mit Zukunft? Welche Rahmenbedingungen braucht es am Arbeitsmarkt?


Dr. Johannes Kopf, Vorstand AMS Österreich

Ganz allgemein wird uns meines Erachtens die Arbeit nicht ausgehen, auch in Zukunft nicht. Aber sie verändert sich. Die stärkste Veränderung, die wir derzeit spüren, ist das Wegbrechen von Jobs für Niedrigqualifizierte. Arbeitsplätze für Menschen, die nur einen Pflichtschulabschluss vorweisen können, gibt es immer weniger. Bildung ist somit der entscheidende Faktor für den Erfolg am Arbeitsmarkt. Der Tourismus wird in den kommenden Jahren aber Jobmotor bleiben. So erwarten wir bis 2019 etwa 15.000 neue Beschäftigungsverhältnisse. Jugendliche und Fachkräfte können daher in den nächsten Jahren mit einem größeren Lehrstellen- bzw. Arbeitsplatzangebot rechnen.


Andreas Kovar, Kovar & Partners

Wie sieht die Zukunft der Arbeitswelt in der Tourismusbranche aus? Werden auch hier Roboter und Online-Portale die Menschen verdrängen? Tatsächlich lassen die technologischen Umbrüche unserer Tage solche Szenarien als zumindest denkbar erscheinen. Wer sich mit dem Thema „Neue Arbeitswelt“ beschäftigt, stößt aber schnell auf andere entscheidende Entwicklungen: Etwa das wachsende Bedürfnis nach Nachhaltigkeit, die steigende Bedeutung der Work-Life-Balance, die demografische Entwicklung, die bewirkt, dass die Menschen im Alter länger im Erwerbsleben bleiben. Die Lage ist unübersichtlich, viele Veränderungen laufen parallel – gleichzeitig wäre es für Unternehmen wichtig, sich frühzeitig zu orientieren, schließlich stehen hier große Umbrüche bevor, auf die man sich rechtzeitig einstellen muss. Mit dem von Kovar & Partners entwickelten Instrument lässt sich ein 360-Grad-Rundumblick über die „Arena“ gewinnen, in der eine Branche oder ein Unternehmen agiert. Die Arena Analyse zum Thema „Neue Arbeitswelt“, die in Kooperation mit der „Zeit“ und dem „Standard“ erstellt wurde, liegt seit Jahresanfang vor. Sie finden sie hier zum Download.


Dr. Franz Schellhorn, Agenda Austria

Als der Südtiroler Extrembergsteiger Reinhold Messner vor einigen Jahren gefragt wurde, was er denn von den vielen Kunstschneeanlagen in seiner Südtiroler Heimat halte, antwortete er sinngemäß: sehr viel. Denn er wisse, welch unglaublich Wohlfahrt stiftende Rolle der Tourismus bei der Bekämpfung der Armut in der Region spielte und immer noch spielt. Die Südtiroler Tourismusbranche ist auch heute noch einer der größten Arbeitgeber für die lokale Bevölkerung, während es den Mitbewerbern hinter der Landesgrenze im Norden immer schwerer zu fallen scheint, Einheimische für die Arbeit in ihren Betrieben zu begeistern. Wenn man nun fragt, welche Rahmenbedingungen der Tourismus in Österreich brauche, um in Zukunft ein attraktiverer Arbeitgeber zu sein, dann ist die Antwort vergleichsweise einfach: Der österreichische Tourismus braucht vor allem einmal die realistische Aussicht, wirtschaftlich überleben zu können und die getätigten Investitionen auch wieder hereinzuspielen. Das ist derzeit nicht der Fall, vor allem nicht für die Hoteliers. Dies mag an unfähigen Unternehmern liegen – oder auch schlicht daran, dass die von der Politik verursachten Kosten deutlich schneller steigen als die auf den hart umkämpften Märkten durchsetzbaren Preise. Und das ist vermutlich erst der Anfang. Mit "Basel IV“ wird es für Betriebe mit negativem Eigenkapital kaum noch Zugang zu leistbarem Kapital geben. Dann muss man sich um die Arbeitsbedingungen in den österreichischen Hotels auch keine großen Sorgen mehr machen. Ob die Menschen in den AMS-Kursen bessere Bedingungen vorfinden, darf bezweifelt werden – auch wenn das Arbeitsmarktservice tagtäglich eine tadellose Arbeit abliefert.  

            
Dr. Stephan Schulmeister, Wirtschaftsforscher und Universitätslektor

Die Qualität touristischer Dienstleistungen steht und fällt mit der Qualität der Beschäftigten, ihrer Motivation und damit ihren Arbeitsbedingungen. Gleichzeitig kann sich die Personalplanung nicht an den Spitzenzeiten der Nachfrage orientieren - letztere schwankt im Tourismus im Tages-, Wochen- und Saisonablauf enorm. Folge: Großer Stress zu Spitzenzeiten, insbesondere im Gastronomiebereich. Wird dieser Stress nicht honoriert, weil man die Kosten minimieren möchte, so leiden Betriebsklima und (damit) die „corporate identity“ der Beschäftigten (sie kann in der Hotellerie nicht wie in anderen Sektoren durch gemeinsames Essen in der Kantine, Betriebsausflüge, etc. gestärkt werden). Daher: Nicht zu sehr am Personal sparen und die Arbeitszeiten lieber nach oben runden als nach unten. Und nach Wegen suchen wie die Identifikation der Beschäftigten mit "ihrem" Hotel gestärkt werden kann. Es geht ja auch um die langfristige Attraktivität des Arbeitens in der Hotellerie.

Montag, 18. Jänner 2016

Die Kunst des klugen Handelns
Dr. Rolf Dobelli

Unser Gehirn ist für ein Leben als Jäger und Sammler optimiert. Heute leben wir in einer radikal anderen Welt. Das führt zu systematischen Denk- und Handlungsfehlern – die verheerend sein können für Ihr Geld, Ihre Karriere, Ihr Glück. Richtig denken ist möglich. Doch nur wenige schaffen es. Rolf Dobelli stellt Ihnen die gefährlichsten Denkfehler vor und zeigt auf, wie man sie im Berufsalltag vermeidet. Erfolg hat, wer unabhängig denkt und handelt. Hier lernen Sie, wie das geht.
 
Die Kunden-Begegnungsqualität wird den Unterschied machen
Carsten K. Rath, Kameha Grand Zürich
  1. „Schlimmer geht es nimmer/immer“. Berichte aus dem anderen Alpenland der Schweiz. Wie zu hausgemachten Problemen auch noch volkswirtschaftliches Pech hinzukommen kann.
  2. „Es geht immer um alles“. Die Rahmenbedingungen sind für alle gleich, wenn auch gleich schlecht und dennoch wird es Gewinner geben.
  3. Tourismus 4.0 bedeutet auch Begegnungsqualität 4.0. Beispiele und Analogien.
 
Herausforderung digitaler Wandel
Rupert Simoner, CEO der VI Hotels & Resorts

„Vor etwas über einem Jahr habe ich die Vienna International Hotelmanagement AG mit dem Ziel übernommen, das Unternehmen neu aufzustellen. Innerhalb dieses Prozesses haben wir uns intensiv mit der Fragestellung beschäftigt, inwieweit darf und soll die Hotellerie – so wie ich sie verstehe – digital werden. Ab wann baue ich bereits einen Technologiekonzern auf und keinen Hotelbetrieb mehr? Technologie wird immer mit IT gleichgesetzt, dabei verstehe ich Technologie als die „Lehre des Handwerks“, die durch die IT im Sinne des gastorientierten Fortschritts vorangetrieben wird. Was meine ich damit? In der Hotellerie geht es um Menschen, um Gastgeben und schließlich darum, Momente der Freude zu kreieren. Alles was dazu nötig ist werden wir umsetzen und alles, was nicht darunter passt, wird auch nicht weiterverfolgt. Das heißt, dass wir digitale Veränderungen überall dort umsetzen, wo sie sinnvoll sind, wo wir Erwartungen übertreffen können, wo wir fortschrittlich sinnvoll agieren und Trendsetter sein können. Aber wir fragen uns immer zuerst „ist es das, was sich der Gast wirklich wünscht“ und stellen seine Wünsche vor Automatisierung und Digitalisierung".

Dienstag, 19. Jänner 2016

Wie tickt die Generation Y?
Ali Mahlodji, Whatachado-Gründer und EU-Jugendbotschafter
 
Wer weiß, was die Jugend von heute, von ihrem Arbeitsplatz von morgen erwartet, kann sie optimal ansprechen und langfristig gute Mitarbeiter ans Unternehmen binden.
Die Digitalisierung verändert unsere Lebens- und Arbeitswelt. Hierarchien werden flacher und kehren sich um und das Empowerment der Mitarbeiter gewinnt an Bedeutung: denn der persönliche Kontakt mit Menschen macht auch in Zeiten der Digitalisierung den Unterschied und der wichtigste Mensch ist immer der, der gerade vor dem Gast steht.
 

Jetzt erst recht: Erfolgsfaktor Mitarbeiter – Leadership und Führungskultur Next Generation
Stefanie Springer, Managing Partner von KMS MINDSHIFT

Gelebtes Employer Branding macht aus MitarbeiterInnen starke Marken­botschafter­Innen: Schlagworte wie Mitarbeitergewinnung, -identifikation und -bindung bestimmen heute viele Diskussionen zum Thema Personal und dessen Führung. Dabei geht es nicht nur darum, veränderte Erwartungen, insbesondere der Generation Y, zu erfüllen, sondern vielmehr zu erkennen und zu berücksichtigen, welche Bedürfnisse die MitarbeiterInnen haben, welchen Trends sie folgen, aber auch ihre Motive zu verstehen.
Die emotionale Bindung von MitarbeiterInnen an ihr Unternehmen ist ausschlaggebend für dessen wirtschaftlichen Erfolg, dies bestätigen auch Untersuchungen wie der jährliche Engagement Index von Gallup. Damit sich MitarbeiterInnen mit dem Unternehmen identifizieren können, müssen Strategie und Vision kommuniziert und vor allem (vor-) gelebt werden. Im Idealfall werden die MitarbeiterInnen an der Entwicklung und Umsetzung der Strategie beteiligt. 
Employer Branding bedeutet dabei mehr als reines „Markenmanagement am Arbeitsmarkt“. Denn nur ein Unternehmen, das seine Marke und deren Werte intern wie extern entsprechend kommuniziert und lebt und dessen Mitarbeiter über die Haltung verfügen, gerne und aus vollem Herzen Botschafter des eigenen Unternehmens und der eigenen Marke zu sein, macht das Unternehmen auch für Jugendliche sowie Fach- und Führungskräfte zu einem attraktiven Arbeitgeber. 
 
Wer per Diktat führt, wird nicht mehr respektiert – vom Ende des autoritären Führungsstils
Marco Nussbaum, CEO Prizeotel

Beim ÖHV-Kongress erklärt er warum wir mit dem Wissen von gestern die Probleme von morgen nicht lösen werden, denn wer per Diktat führt, wird nicht mehr respektiert werden. Es muss ein gewaltiger Ruck durch die Branche gehen, damit unsere Branche auch in Zukunft auf genügend dienstleistungsbereite Menschen zurückgreifen kann. Mehr dazu in seinem Blogbeitrag „Hoteldirektoren und die Generation Y“.
 
Lust an Leistung oder hirngerechtes Führen in Zeiten des schnellen Wandels
Dr. Bernd Hufnagl, Hirnforscher

Arbeiten, insbesondere in Führungsfunktionen, bedeutet heute mehr denn je ein „Funktionieren im permanenten Multitaskingmodus“. Das mag vielleicht attraktiv klingen und zur Hoffnung veranlassen, dass wir dadurch nachhaltig und effizient Höchstleistungen erbringen. Aktuelle Untersuchungsergebnisse und meine jahrelangen Beobachtungen zeigen allerdings ein ganz anderes Bild. Gerade aufgrund von Fragmentierung und „Vergleichzeitigung“ unserer Arbeitsprozesse werden negative Auswirkungen auf unsere Leistung und auf unsere Gesundheit immer deutlicher sichtbar. Unser Gehirn hat sich bereits an die neu-en Herausforderungen angepasst und das zeigt Wirkung: Zunehmend leiden wir unter Ungeduld, Konzentrationsproblemen und der Unfähigkeit, geistig „offline“ zu schalten.
 
Dieser Vortrag soll – durch die Erkenntnisse der Hirnforschung, der Psychologie, Glücksforschung und der Verhaltensbiologie - hirngerechte Lösungsansätze im Umgang mit den gegebenen Arbeitsbedingungen liefern und den klaren Zusammenhang zur individuellen Gesundheit aufzeigen. Der Fokus liegt dabei auf der Wichtigkeit zur Steigerung innerer Widerstandskräfte, um von den nicht beeinflussbaren Rahmenbedingungen der Arbeitswelt möglichst unabhängig werden zu können.