Airbnb als Vertriebsschiene für die Hotellerie?

Seit einigen Monaten geht Airbnb aktiv auf die Hotellerie zu. Die Romantik Hotels haben den Vertrieb über Airbnb bereits getestet. Wir haben Thomas Edelkamp, den Vorstandsvorsitzenden der Romantik Hotels & Restaurants AG, gefragt, welche Erfahrungen die Gruppe gemacht hat.

Seit anderthalb Jahren gibt es eine Zusammenarbeit mit Airbnb – waThomas-Edelkamp-Vorsitzender-des-Vorstands-der-Romantik-Hotels-und-Restaurants-AG-(1).jpgs hat Sie dazu bewogen, diese Kooperation einzugehen?
Thomas Edelkamp: Wir haben ein Testprojekt mit Airbnb gestartet und gehörten zu den ersten Hotelmarken, die hier eine Zusammenarbeitet vereinbarten. Romantik ist in erster Linie geprägt von seinen Gastgebern, die sich seit Generationen persönlich um die Gäste kümmern und in ihre Häuser einladen. Dazu sind die Romantik-Hoteliers stark in der Region verwurzelt und schaffen seit jeher besondere Erlebnisse. Das passt perfekt zu Airbnb, und deshalb ist es schlüssig, bei „Airbnb Entdeckungen“ Angebote zu offerieren. Wir haben da auch keine Berührungsängste. Wir testen Vertriebskanäle und sind mit zwölf deutschen Häusern und einem Hotel aus Österreich gestartet. Airbnb ist ein Innovator, was den weltweiten elektronischen Vertrieb von Unterkünften, Reisen und Erlebnissen angeht. Die Hotellerie ist aufgerufen, sich die Airbnb-Erfolgsgeschichte genau anzuschauen und daraus auch die richtigen Schlüsse für die eigene Vermarktung zu ziehen. Aufgrund des Nutzerprofiles von Airbnb gehen wir davon aus, auf diesem Weg auch grenzüberschreitend neue Zielgruppen für Romantik gewinnen zu können.

Ist Airbnb ein attraktiver Vertriebspartner für die Branche – welche Erfahrungen haben die Romantik Hotels gemacht?
Thomas Edelkamp: Vielleicht wird Airbnb irgendwann ein Vertriebspartner für die Hotellerie, den es geschickt in der Vermarktung zu nutzen gilt. Im Moment ist das noch nicht der Fall. Unsere Testergebnisse machen zwar Mut, sind aber kein Grund für Jubelstürme. Das liegt auch daran, dass Reisende bei Airbnb in erster Linie eben noch nicht auf der Suche nach Hotels, sondern nach alternativen Unterkünften sind. Über diesen Kanal auch „Entdeckungen“ und darüber Hotels zu verkaufen, ist ein Prozess, der noch gelernt werden muss. Wenn ich es jemandem zutraue, hier erfolgreich zu sein, dann ist das Airbnb. Das erfordert aber einen erheblichen Einsatz in der Bewerbung dieser Angebote. Wir werden da weiter optimieren.
Ein Satz zu Airbnb will aber noch gesagt sein. Partner sollten auch immer partnerschaftlich handeln. Wer gleiche Rechte will, muss auch den gleichen Pflichten nachkommen. Deshalb müssen gesetzliche Anforderungen und Sicherheitsauflagen, die für Hoteliers festgeschrieben sind, auch für Airbnb gelten.

Welche Anstrengungen haben die Romantik Hotels unternommen, um zu mehr Direktbuchungen in den Betrieben zu kommen?
Thomas Edelkamp: Romantik hat in den letzten zwei Jahren mit einer europaweiten Markenkampagne von sich reden gemacht. Mit Fernsehspots im ARD-Vorabendprogramm, über Bannerschaltungen bei namhaften Online-Medien und durch vielfältige Aktionen in sozialen Medien haben wir eine für familiengeführte Hotels bislang einmalige Kommunikationsoffensive lanciert. Hier haben wir insgesamt 40 Millionen potentielle Gäste erreicht. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Nach einem Plus von 42 % im Jahr 2016 hat die Romantik Hotels & Restaurants AG die direkten Buchungen über die eigene Webseite im letzten Jahr um deutliche 56 % gesteigert. Damit avanciert die Kooperation wieder zu einem der stärksten Vertriebskanäle der angeschlossenen Hotels

Danke für das Gespräch!

Über die Romantik Hotels:

Zur Vertriebskooperation der Romantik Hotels zählen knapp 200 Premium-Hotels in neun Ländern Europas. Über den Partner Les Collectionneurs (vormals Châteaux et Hôtels Collection) kommen noch dreihundert Hotels in Frankreich und mit Secret Retreats 120 Häuser in Asien dazu. www.romantikhotels.com

Kontakt

Mag. Maria Wottawa

Leitung Themen-management