Nachhaltigkeit im Hotelalltag. Wie gehe ich's an? Wo gibt's Hilfe?

Im Hotelalltag bedeutet nachhaltig handeln primär, bei Entscheidungen auch die kurz- und langfristigen Auswirkungen mitzudenken. Die Effekte des Ankaufs eines Produktes enden ja nicht mit der Bezahlung. Eine Anlage hat oft jahrzehntelange Auswirkungen auf den Hotelbetrieb. Wie Sie Investitionen nachhaltig planen und wo Sie dafür Unterstützung erhalten können, hat Dr. Regina Preslmair zusammengefasst. 

Wer das Glück hat, längerfristig planen zu können, kann auch das für den Betrieb nachhaltig optimale Ergebnis im Auge behalten. Oft ist man als Hotelier aber in ein enges zeitliches und finanzielles Korsett gezwungen. Da sind es dann manchmal nur die „low-hanging-fruits“ der Nachhaltigkeit, die man einfach umsetzen kann. Das wären z.B. kleinere technische Maßnahmen, die sich in wenigen Monaten, aber jedenfalls unterjährig amortisieren wie Wasserspararmaturen. Was aber die wenigsten bedenken sind die „Softmaßnahmen“ in Richtung Nachhaltigkeit, die mit keinen finanziellen Ausgaben verbunden, sondern eher eine Managementfrage sind – wie die Schulung der Mitarbeiter und die Kommunikation mit den Gästen.
 

Wo kann ich anfangen?

Wer selbst interessiert und motiviert ist, kann ganz einfach einen bewusst nachhaltigen Blick auf die internen Abläufe und eingesetzten Materialien und Geräte werfen. Meist ist es aber zielführender und kosten-nutzenmäßig effizienter, einen externen Experten zu Hilfe zu nehmen. Neben der neutraleren Perspektive bringt dieser idealerweise auch den Erfahrungsschatz vieler anderer Betriebe mit ein.
Vielleicht gibt es im Betrieb aber auch engagierte Mitarbeiter, die sich freispielen können und gerne diese Aufgabe übernehmen. Viele junge Menschen sind einen bewussten Umgang mit Ressourcen von zu Hause gewöhnt und können diese Perspektive auch in die eingespielten Abläufe innerhalb des Betriebs einbringen.
 

Das Gesamte ist mehr als die Summe der Teile

Die vielen einzelnen Nachhaltigkeitsmaßnahmen sind wichtig, um den österreichischen Tourismus noch krisenfester zu machen. Eine gesamthafte nachhaltige Ausrichtung bringt für den einzelnen Betrieb jedoch viel mehr: Einen guten Einstieg bieten dazu einfache Managementsysteme, die von den Bundesländern angeboten und gefördert werden, wie z.B. Ökoprofit. Größere Betriebe werden vielleicht sogar das EU-Umweltmanagementsystem EMAS anwenden.

Für die meisten Betriebe wird aber eine Umweltzertifizierung das praktikabelste Instrument sein. Hier bietet sich neben diversen privaten Labels vor allem das offizielle Österreichische Umweltzeichen als praxisorientiertes, auf die hiesigen Bedürfnisse ausgerichtetes Leitsystem an. Für eine stärkere internationale Ausrichtung ist auch die gleichzeitige Zertifizierung mit dem EU Ecolabel möglich. Als einfaches Qualitätsmanagementtool holt das Umweltzeichen auch die Mitarbeiter ins Boot und kann sowohl nach innen als auch gegenüber dem Gast viel bewegen. Unterstützend begleiten Berater mit Know-how die Betriebe bis zur Auszeichnung durch die Tourismusministerin.

 

Wo kann ich Unterstützung bekommen?

  1. Wenn Sie nachhaltige Investitionen planen, bietet im Rahmen der betrieblichen Tourismusförderung des Bundes die Österreichische Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) die TOP-Tourismus-Impuls-Förderung und die Übernahme von Haftungen für die Tourismus- und Freizeitwirtschaft an. Der Fokus liegt dabei aktuell auf der Unterstützung der Gründung und Übernahme von Tourismusunternehmen sowie auf der Forcierung innovatviver Projekte: TOP A Investition, TOP B Jungunternehmer, TOP C Investition, TOP D Restrukturierung.

  2. ​Die ÖHT vergibt auch Kreditmittel des ERP-Tourismus-Programms für Kleinkredite und größere Vorhaben. 
  3. Übernehmerinitiative: Investitionen in qualitätsverbessernde Maßnahmen im Zuge der Übernahme werden in OÖ, Stmk, Ktn, Tirol und Vbg in Form von ERP-Krediten über die ÖHT gefördert. 

  4. ​Förderungsaktionen - vor allem im Garantiebereich - werden von der Austria Wirtschaftsservice (aws) abgewickelt.
  5. ​Die Erhaltung des Wanderwegenetzes und die umweltgerechte Sanierung von Schutzhütten über den Verband Alpiner Vereine werden gefördert. 

  6. ​Auf überbetrieblicher Ebene werden touristische Projekte unter Kofinanzierung mit EU-Mitteln aus dem Programm Ländliche Entwicklung oder der Europäischen Territorialen Zusammenarbeit - ETZ (INTERREG) unterstützt. 

  7. Umweltförderungen: Hier stehen für den Tourismus über die KPC Kommunalkredit Public Consulting auf www.umweltfoerderung.at insbesondere Förderungen für nachhaltige Bau- und Energiesparmaßnahmen, sowie umweltfreundliches Mobilitätsmanagement zur Verfügung. Ganz aktuell z.B. die neue E-Mobilitätsoffensive, bei der Elektrofahrzeuge und Ladeinfrastruktur gefördert werden. Umwelt- und Energieberatungen, z.B. für eine Zertifizierung mit dem Österreichischen und EU-Umweltzeichen werden über die Regionalprogramme der Bundesländer gefördert. 

 
Die Autorin:

Dr. Regina Preslmair, Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus

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Mehr Infos unter: www.umweltzeichen.at
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