Wie wir unsere Gäste dazu bringen, sich umwelfreundlicher zu verhalten.

Essensabfälle, Energie und Wasser – in Hotels wird viel Müll produziert und Ressourcen verbraucht. Dabei können Gäste schon mit einfachen Maßnahmen dazu gebracht werden, sich umweltbewusster zu verhalten und so Kosten zu reduzieren und Energie zu sparen. Tourismusforscherin Sara Dolnicar zeigt, was funktioniert.

Urlaub ist für viele Menschen die schönste Zeit im Jahr. Sie möchten sich entspannen, verwöhnen lassen, eine Auszeit vom Alltag nehmen – und nicht die Umwelt schonen. Selbst Gäste, die Zuhause sehr umweltbewusst handeln, verzeihen sich im Urlaub Umweltsünden und wir wissen aus einer Vielzahl experimenteller Studien, dass man mit dem Appell ans Umweltbewusstsein der Gäste nicht weit kommt.

Die gute Nachricht – es gibt alternative Strategien, die nachweislich funktionieren, dem Hotel keine zusätzlichen Kosten verursachen und keine Auswirkungen auf die Zufriedenheit der Gäste haben. Hier einige Ansätze, die sich in der Praxis bereits bewährt haben:


Was motiviert Gäste, weniger Essensabfälle zu produzieren? 

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  • Strategie 1 – Tellergröße reduzieren: Drei Zentimeter kleinere Teller reduzieren die Telleressensabfälle um 20 %. Die Gäste holen sich einfach weniger vom Buffet.
  • Strategie #2 – Verlegenheit abbauen: Aufsteller auf Tischen oder am Buffet, welche die Gäste höflich dazu einladen, lieber öfter zum Buffet zu gehen als zu viel auf die Teller zu packen, reduzieren die Telleressensabfälle ebenfalls um rund 20 %.
  • Strategie #3 – Spiele einführen: Telleressenabfälle von Familien können um rund 40 % reduziert werden, indem ein Spiel eingeführt wird, das die Kinder zum Aufessen motiviert. Durch den spielerischen Ansatz wird die Gästezufriedenheit nicht beeinträchtigt.       

Was bringt Gäste dazu, auf die Zimmerreinigung zu verzichten?
 
  • Strategie # 1 – Bestechung: Wer kann schon einem kostenlosen Getränk an der Hotelbar widerstehen? Gästen für jeden Tag, an dem sie auf die Zimmerreinigung verzichten, einen Getränkegutschein anzubieten, wirkt Wunder: rund 40 % weniger Zimmerreinigungen und ausgesprochen zufriedene Gäste!
  • Strategie #2 – den Standardprozess ändern: Üblicherweise werden Hotelzimmer täglich gereinigt. Der Gast kann aber jederzeit darum bitten, dass das Zimmer nicht gereinigt wird. Dieser Standardprozess kann umgekehrt werden: die Zimmer werden nicht automatisch jeden Tag gereinigt, aber der Gast kann jederzeit darum bitten. Da der Gast immer die Wahl hat, sinkt die Kundenzufriedenheit nicht. Die Zimmerreinigungen hingegen werden damit um rund 60 % reduziert.  
Was kann man tun, damit Gäste ihre Handtücher öfter verwenden?

adult-bath-towels-bed-1437861.jpgStrategie #1 – ein Versprechen abnehmen:
Wenn man seine Gäste dazu bringen kann, beim Einchecken zu versprechen, ihre Handtücher wiederzuverwenden und man ihnen zusätzlich ein Abzeichen gibt, welches sie stolz im Hotel tragen können, um anderen zu signalisieren, wie umweltfreundlich sie sind, sinkt der Handtuchverbrauch um rund 40 %.

Strategie #2 – Gruppendruck: Einfacher ist es allerdings, den Gästen zu sagen, wie viel Prozent der anderen Gäste ihre Handtücher wiederverwendet. Das allein reduziert den Handtuchverbrauch um rund 15 %.

Wie schafft man es, Baumwollservietten zu reduzieren?
 
  • Strategie #1 – den Standardprozess ändern: Gäste nehmen zwar bewusst wahr, ob sie am Frühstückstisch eine Baumwollserviette oder eine Papierserviette aus recyceltem Paper vorfinden. Wenn man ihnen aber mit einem einfachen Tischschild erklärt, warum Papierservietten angeboten werden und sie darauf hinweist, dass auch Baumwollservietten am Buffettisch zur Entnahme aufliegen, reduziert sich die Nutzung von Baumwollservietten um 95 %. Und das ohne die Gästezufriedenheit negative zu beeinträchtigen.
Es stehen uns also viele Ansätze zur Verfügung, die wir einfach und kostengünstig implementieren können.

 

 

Die Autorin:

Sara Dolnicar, Professorin für Tourismus an der University of Queensland im australischen Brisbane.

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Mehr dazu auch im folgenden Interview, das wir mit Frau Prof. Dolnicar beim ÖHV-Kongress 2019 in Villach geführt haben.



Sara Dolnicar ist Professorin für Tourismus an der University of Queensland im australischen Brisbane
s.dolnicar@uq.edu.au
 

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