Wie sich Abfall im Hotel vermeiden lässt

Weniger Abfall schont die Umwelt und spart bares Geld. So weit, so gut. Aber wie lässt sich Abfall in Küche, Hotelzimmern und Mitarbeiterbereichen konkret vermeiden? Und wie können Lieferanten und Gäste miteinbezogen werden? Dazu erste Erkenntnisse aus dem Projekt „Abfallvermeidung in der Hotellerie“ von ÖHV, der Universität für Bodenkultur (BOKU) und Zero Waste Austria.

ÖHV: Frau Obersteiner, im Rahmen es Projekts hat die BOKU den Abfall von Hotels insgesamt aber auch von konkreten Gästezimmern analysiert. Wie lassen sich die Erkenntnisse zusammenfassen?

 
BOKU: Einen wichtigen Einfluss auf die Art und Menge der anfallenden Abfälle hat einerseits das Angebot des Hotels (Restaurant, Bar, Wellness oder Spa) und andererseits spielt der Gast eine wichtige Rolle. Businessgäste hinterlassen am Zimmer weniger Abfälle als Shoppingtouristen. Der Gast aus D-A-CH geht sorgsamer mit Abfällen um, als Gäste aus Übersee und dem arabischen Raum.
 
Die Hotelbetriebe sind in der Lage, die Art und Menge der Abfälle gezielt durch eine abfallarme Beschaffung zu steuern. Die wesentliche Abfallmenge eines Hotels ist selbstverursacht. Die Sortierungen direkt am Gästezimmer haben uns die Erkenntnis gebracht, dass den größten Teil des Abfalls das Hotel seinem Gast selbst zur Verfügung stellt. Amenities, Portionsverpackungen von Zucker, Kaffeeobers, Tee und das am Zimmer aufliegende Informationsmaterial stellten den überwiegenden Anteil der Abfälle im Zimmer dar.
 
ÖHV: Die ÖHV engagiert sich auch in einem Projekt „Verzicht auf Plastik“ – Wo sind denn gemäß Ihren Analysen die größten Mengen Plastikmüll angefallen und wo kennt man schon Alternativen?
 
BOKU: Kaum ein Bereich im Hotel kommt gänzlich ohne Verpackungsmaterialien aus. Vor allem in Küche und Restaurant setzen aber immer mehr Betriebe auf Mehrwegverpackungen oder Großgebinde. Viele Kunststoffabfälle können im Servicebereich durch den Verzicht auf PET-Flaschen und Portionsverpackungen vermieden werden. Im Zimmer sind es die Amenities, die einen Großteil der Kunststoffverpackungen darstellen. Durch den Umstieg von Einwegprodukten auf Spender-Einrichtungen können große Abfallmengen eingespart werden.
 
ÖHV: Frau Pattermann, Sie haben Gespräche mit diversen Lieferanten geführt. Wo gibt es vor allem im Bereich Lebensmittel und Hygieneprodukte Möglichkeiten zur Abfallvermeidung?
 
Zero Waste Austria: Beim Bestellen der Lebensmittel haben Hotels ein großes Einsparungspotential bei Verpackungen. Da in Hotels bei vielen Produkten große Mengen verkocht werden, können Großgebinde bestellt werden. Mehrwegsysteme wie Fleischboxen und Gemüsekisten sind bereits etabliert und in Einzelfällen haben wir gesehen, dass es auch Mehrwegsysteme für zum Beispiel Marmeladen und Milch gibt. Um das zu thematisieren, sind auch Lieferanten an dem Projekt beteiligt, denn diese Umstellung kann nur im Austausch mit den Lieferanten geschehen. Weiteres Potential gibt es wie erwähnt auch bei den Kosmetikprodukten.
 
ÖHV: Das Sans Souci ist eines der Pilothotels, das sich um Abfallvermeidung bemüht und zeigen will, dass Nachhaltigkeit und High-End-Service kein Widerspruch sind. Was sind Beispiele für Maßnahmen, die dort gesetzt wurden?
 
Zero Waste Austria: Das Sans Souci testet gerade, wie Gäste Spender in der Dusche zusätzlich zu den Amenities akzeptieren. Ebenfalls wurde in der Bar auf Glasstrohhalme umgestellt. Mitarbeiter und Gäste sind begeistert. Weiters wurden Shoppingbags in den Verkauf aufgenommen und wiederverwendbare, waschbare Slipper im SPA-Bereich sollen getestet werden.
 
ÖHV: Was wären Beispiele für Abfallvermeidung im Mitarbeiter-Bereich, die von Hoteliers einfach umgesetzt werden können?
 
BOKU: Unserer Ansicht nach bedarf es keiner gesonderten Maßnahmen zur Abfallvermeidung im Mitarbeiter-Bereich, wenn alle Maßnahmen, welche das Hotel zur Abfallreduktion umsetzt, auch hier konsequent eingehalten werden. Als Paradebeispiel kann der Einsatz von PET-Flaschen und Portionsverpackungen genannt werden. Während in den Gästebereichen Wasser und Getränke in Mehrweggebinden bzw. Spendern angeboten werden, werden diese in den Mitarbeiter-Bereichen oft in PET-Flaschen zur Verfügung gestellt.
 
Zero Waste Austria: Das Boutiquehotel Stadthalle bietet z.B. allen Mitarbeitern nach Ende des Frühstückbuffets an, gemeinsam zu frühstücken. Das vermeidet Lebensmittelabfälle, spart Einzelverpackungen durch mitgebrachtes Essen der Mitarbeiter und fördert die Kommunikation und Zufriedenheit im Team.
In den meisten Testhotels haben wir erfahren, dass es üblich ist, alte Geräte oder andere Gegenstände, die im Hotel ausgetauscht werden, in der einen oder anderen Form weiterzugeben. Entweder werden sie verkauft, gespendet oder oft auch an Mitarbeiter weitergegeben.
 
Der Anspruch des Projektes ist ja, vom Lieferanten bis zum Gast Abfall zu vermeiden. Wie soll der Gast miteingebunden werden?
 
Zero Waste Austria: Der Fokus auf dem Gast ist ein wichtiger Bestandteil des Projektes. Nur wenn die Akzeptanz beim Gast gegeben ist, ist das Hotel auch langfristig interessiert, abfallvermeidende Maßnahmen umzusetzen.
 
Ein wichtiger Punkt in Österreich ist die Information an die Gäste, dass das Leitungswasser getrunken werden kann. Viele internationale Gäste wissen nicht um die hohe Trinkwasserqualität und kaufen Wasser in Plastikflaschen oder Hotels bieten diese den Gästen an. Schöne Karaffen und Trinkgläser mit Hinweisschildern können da viel Verpackungsmüll einsparen. Die Zurverfügungstellung von Shoppingbags oder wiederverwendbaren Trinkflaschen im Hotel sind weitere Möglichkeiten, dem Gast die Abfallvermeidung zu erleichtern.

Gemeinsam mit der ÖHV wird derzeit ein Leitfaden erarbeitet, der die Branche sensibilisieren, informieren und unterstützen soll. Wir halten Sie über unseren Newsletter und "die lobby" auf dem Laufenden.
 
Die Interviewpartner:
DI Gudrun Obersteiner und Mag. Marta Cociancig forschen am Institut für Abfallwirtschaft an der Universität für Bodenkultur Wien zu Abfallvermeidung, -sammlung und -verwertung.
 
DI Helene Pattermann gründete 2015 Zero Waste Austria um nachhaltige Lösungen, Lebensstile und Projekte zu fördern, bekannt zu machen und zu verbreiten.
 

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Mag. Maria Wottawa

Leitung Themen-management