Arbeit im Hotel als „bunte Sammlung“ von Möglichkeiten

Wie kann Arbeit in der Zukunft funktionieren? Welche Möglichkeiten bietet dabei die Digitalisierung? Dr. Silke Seemann, Wirtschaftswissenschaftlerin und Hotelière der Austrian Hideaways, über neue Konzepte für Angestellte im Hotel und Veränderungen in der Arbeitswelt. 

Die Digitalisierung ist in vollem Gange. Auch im Hotel gibt es bestimmte Aufgaben, die digitalisiert werden können – andere muss man wohl noch länger analog ausführen. Zu letzteren gehören Arbeiten, die sozial geächtet sind, so Dr. Silke Seemann. "Niemand erzählt gerne, dass er sein Geld mit Putzen oder Abwaschen verdient. Doch sind das genau die Arbeiten, an denen die Qualität eines Hotels hängt – ein schmutziger Teller oder ein verschmutztes Bad sind meist das Ende aller Sympathien."
 

Mitarbeiter_Hotel1.jpgArbeit zwischen Selbstorganisation und Software 

Silke Seemann hat gemeinsam mit Nora Ita, einer Kollegin vom Zukunftsinstitut Wien, weitergedacht, wie Arbeit so gestaltet werden kann, dass Menschen ein erfülltes Leben führen können. Dazu werden die Aufgaben im Hotel differenzierter als bisher definiert und als „bunte Sammlung“ angeboten, aus der sich die Mitarbeiter selber ihren Arbeitsalltag zusammenstellen können. Sie lernen die Arbeiten vom Erleben des Gastes her zu verstehen und nicht über eine Jobdescription. Damit das, was die Gäste brauchen, durch die Mitarbeiter selbst organisiert und koordiniert laufen kann und dabei auch alle Rechts- und Steuervorschriften sowie die Anliegen des Arbeitsinspektorats eingehalten werden, wird das System von einer blockchainbasierten Software getragen. Das stellt sicher, dass niemand manipulativ in das Zusammenspiel eingreifen kann.
 

Wie viel ist Arbeit wert?

Alle Mitarbeiter beziehen ein bedingtes Grundeinkommen, das leicht über dem kollektivvertraglichen
Mindestlohn liegt. Intern wird mit „Token“ gehandelt, die zu einem festen Kurs in Euro gewechselt oder im System gespart werden können. Das Unternehmen „kauft“ zu Beginn einer Periode einen bestimmten Token-Betrag in Euro. Intern können Mitarbeiter auch untereinander Arbeit handeln. Beliebte Tätigkeiten, für die sich viele melden, sinken im Gegenwert je Stunde. Arbeit, für die sich wenige melden, steigt im Gegenwert. Teilt das System Arbeit zu, weil sich niemand gemeldet hat, wird der kollektivvertragliche Lohn gezahlt. Bringt ein Mitarbeiter einem anderen einen „skill“ bei, zahlt der Trainee einen vorher vereinbarten Betrag in Token. Wer sich langfristig verpflichtet, erhält einen höheren Gegenwert je Stunde. Und wenn jemand merkt, dass er an dem Wochenende doch lieber frei hätte, wirft er den Job auf den Markt und legt ein paar Token aus seinem Depot drauf. So entscheiden die Mitarbeiter über den (Gegen-)Wert der Arbeit und gestalten ihren Alltag in Orientierung an der eigenen Lebenssituation.
 

„Blockchainbased Workplacedesign Application“

„Das ist nur ein Vorgeschmack. Aktuell sind wir mit Planung und Prototyping befasst. Zum Gedankenaustausch sind wir offen für interessierte Betriebe und schon mit einigen im Gespräch über die Blockchainbased Workplacedesign Application. Wir werden einen Blog betreiben, Podcasts produzieren und einladen, mit uns in Dialog zu treten“, freut sich Seeman über künftige Partner: „Den Veränderungen in der Arbeitswelt werden wir nicht mit mehr Geld oder besseren Unterkünften begegnen können. Wir werden ganz neu fühlen und denken müssen“.


Dr. Silke Seemann: 

S10-12_lobby22019_Hotelportrait_Austrian-Hideaways_Dr-Silke-Seemann.jpgDr. Silke Seemann, promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin und Hotelière aus Leidenschaft, unterrichtet an der Uni Innsbruck, FH Salzburg und betreibt die Austrian Hideaways. An der Blockchainbased Wokplacedesign Application arbeitet sie gemeinsam mit Eduard Albert Prinz MSc BSc, Projektmanager Digitalisierungsagentur, und Mag. Georg Brameshuber, Assistent an der Uni Wien. Interessenten erreichen die Gruppe unter workplacedesign@austrian-hideaways.com

Kontakt

Mag. Maria Wottawa

Leitung Themen-management