Deloitte und ÖHV-Tourismusbarometer 2019

Der Tourismus ist ein zentraler Wertschöpfungsfaktor des österreichischen Wirtschaftsstandortes. Daher ist es wichtig, den wirtschaftlichen Status quo der Tourismusunternehmen zu kennen. Zu diesem Zweck erheben Deloitte und die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) auch 2019 wieder die Stimmungslage unter Österreichs Touristikerinnen und Touristikern. Heuer teilten rund 250 Befragte ihre Einschätzungen im aktuellen Tourismusbarometer.
 

Tourismusindex 2019

Der Tourismusindex gibt die aktuelle Stimmungslage unter Österreichs Tourismusunternehmen wieder. In den Index fließen folgende Faktoren ein:
 
  • die aktuelle wirtschaftliche Lage sowie die Entwicklungschancen des Tourismus
  • die regulatorischen Rahmenbedingungen
  • die individuelle Situation und Entwicklung des jeweiligen Unternehmens

TB_2019-(1).jpgDer Tourismusindex wird gewichtet errechnet und folgt dem Schulnotensystem. Ein Wert von 1 bedeutet damit eine sehr gute und 5 eine sehr negative Stimmung. 2019 liegt der Tourismusindex bei einem Gesamtwert von 2,88. Im Vergleich zum Vorjahreswert von 2,83 lässt sich nahezu keine Veränderung erkennen. Bereits 2018 war ein wirtschaftliches Hoch spürbar, das von der einen oder anderen Hürde etwas getrübt wurde. In diesem Jahr zeichnet sich ein sehr ähnliches Bild. Grundsätzlich herrscht Zufriedenheit mit der allgemeinen wirtschaftlichen Lage und auch die Nachfrageentwicklung läuft gut. Einige Betriebe hatten nach dem Rekordwinter 2017/18 zwar höhere Erwartungen an die heurige Wintersaison, die Entwicklung wird aber nicht negativ bewertet. Der Arbeitsmarkt und das Finden geeigneter Arbeitskräfte bereitet den Befragten weiterhin Kopf-zerbrechen. Der allgemeine Kostendruck nagt zudem an der Ertragskraft. Dennoch zeigen sich Österreichs Touristikerinnen und Touristiker widerstandsfähig und planen langfristig. Mittel zur Erhöhung der Wertschöpfung sind vorhanden. Diesem Thema wurde das diesjährige Hot Topic der Studie gewidmet.
 

Wirtschaftliche Lage des Tourismus

Die statistischen Werte von November 2018 bis März 2019 sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stabil. Bei den Ankünften ist eine leichte Steigerung von 1,3 % zu verzeichnen, die Nächtigungen sind unverändert.

Wirtschaftliche_Lage.jpgWien hat eine absolute Rekordwintersaison erlebt: Die Nächtigungen stiegen um 12 %, die Ankünfte um 14 %. Auch in Oberösterreich (+4,8 %), in Niederösterreich (+3,7 %) und Kärnten (+0,6 %) nahm die Anzahl der Übernachtungsgäste zu. Die übrigen Bundesländer verzeichnen durchgehend ein leichtes Minus in den ersten fünf Monaten der Saison. Nachdem die Schneemengen zu Saisonbeginn generell dürftig waren und es im Vergleich zum Vorjahr Ferienverschiebungen in relevanten Herkunftsmärkten gab, ist für eine abschließende Beurteilung der Wintersaison auch die noch nicht vorliegende Aprilstatistik relevant.

Situation im eigenen Bundesland
Die aktuelle wirtschaftliche Lage im eigenen Bundesland beurteilen fast drei Viertel der Touristikerinnen und Touristiker sehr gut bis gut. Die positive Betrachtung der aktuellen Lage setzt sich damit fort und ergibt eine Note von 2,12 (2018: 2,07). Im Bundesländerranking sticht Wien besonders deutlich hervor. Hier vergeben die Tourismusbetriebe für die aktuelle wirtschaftliche Lage die österreichweite Bestnote von 1,52. Die große Zufriedenheit in der Bundeshauptstadt ist nachvollziehbar, wenn man die Winterstatistik mit großen Zuwächsen bei Ankünften und Nächtigungen betrachtet. Die Veränderung der wirtschaftlichen Lage in den vergangenen 12 Monaten wird von 37 % der österreichischen Befragten als positiv bewertet, 19 % empfinden die Entwicklung negativ. Insgesamt wird die Veränderung mit 2,76 (2018: 2,53) bewertet, was im Vergleich zum Vorjahr einer leichten Verschlechterung entspricht. Auch hier fällt Wien wieder mit einer Note von 1,97 positiv auf. Das Schlusslicht bilden Tirol mit 3,05 und Vorarlberg mit 3,38. Auch für die kommenden 12 Monate erwartet sich die Mehrheit eine Fortsetzung der aktuell positiven wirtschaftlichen Lage. Insgesamt wird eine Note von 2,79 (2018: 2,64) für die erwartete zukünftige Entwicklung vergeben. Wien ist mit einer Note von 2,33 deutlich optimistischer als der Österreichschnitt. Tirol (3,05) und Vorarlberg (3,19) zeigen sich verhaltener und erwarten eine gleichbleibende wirtschaftliche Lage im kommenden Jahr.
 

Regionales Umfeld und regulatorische Rahmenbedingungen

Das regionale Umfeld und die regulatorischen Rahmenbedingungen wirken sich stark auf die Tourismusbetriebe aus. Bei den größten Einflussfaktoren – Steuern und Abgaben, Kostensituation, Verfügbarkeit von Arbeitskräften, gewerberechtliche Vorschriften sowie dem Mitbewerb – zeigt sich im Vergleich zum Vorjahr nahezu keine Veränderung.

Auch heuer ist der Einfluss der regulatorischen Gegebenheiten für die individuelle Betriebsentwicklung tendenziell negativ. Die aktuelle Kostensituation stellt nach wie vor die größte Belastung für die Betriebe dar. Kosten.jpg

Kosten
Die Kosten für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in den letzten Jahren mit Abstand am meisten gewachsen. Nahezu gleich stark zugenommen haben Wareneinsatz, die Kosten für Vertrieb und Marketing, Energie sowie Baukosten. Die Steuern und Abgaben machen den Tourismusunternehmen am meisten zu schaffen, während der Mitbewerb kaum als negativer Einflussfaktor wahrgenommen wird. Die Verfügbarkeit von Arbeitskräften hat sich minimal verändert und bleibt herausfordernd. Die Gewerbeordnung, insbesondere die Vorschriften zur Betriebsanlagengenehmigung, binden in mehr als drei Viertel der befragten Betriebe weitere finanzielle und zeitliche Ressourcen. Die Unternehmen verweisen auf eine Flut an Verwaltungsvorgaben, die aufgrund der damit verbundenen Haftungsrisiken meist „Chefsache“ sind und die verfügbare Zeit für die Gäste sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reduzieren.

Bürokratie
Statt Unternehmen zu beraten lagern Behörden Tätigkeiten auf die Betriebe aus. Neben gewerberechtlichen Vorgaben wie Brandschutz werden in diesem Zusammenhang unter anderem die Abwicklungen mit der AUVA und Arbeitszeitaufzeichnungen genannt. Der hohe bürokratische Aufwand für die heimischen Tourismusbetriebe ist der Politik bewusst.

PlanT-(1).jpgPlan T
Das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus erteilte mit dem „Plan T“ den Startschuss für neue Rahmenbedingungen der Branche. Der „Plan T“ ist ein Strategiepapier, das die Position Österreichs als eine der führenden Tourismusdestinationen der Welt halten und weiter ausbauen will. Das Leitmotiv dabei ist Nachhaltigkeit in all ihren Facetten. Nicht nur die Wünsche der Gäste, auch die Bedürfnisse der Unternehmen, der Beschäftigen und der lokalen Bevölkerung sowie der Umwelt sollen dabei Beachtung finden. Der „Plan T“ ist als Grundlage für die Tourismuspolitik der nächsten Jahre konzipiert und wird durch einen jährlichen Aktionsplan mit konkreten Umsetzungsschritten ergänzt. Die Touristikerinnen und Touristiker begrüßen den Masterplan laut Umfrage grundsätzlich. Erhofft werden Lösungswege für herausfordernde Aufgaben wie etwa im Bereich der Digitalisierung, der Fachkräftegewinnung und der überbordenden Bürokratie. Durch die vorzeitige Beendigung der Legislaturperiode wird die Umsetzung zahlreicher Maßnahmen zumindest verzögert. Es bleibt zu hoffen, dass auch eine neue Bundesregierung zeitnah Maßnahmen setzen wird, die die Rahmenbedingungen für die Branche nachhaltig verbessern.

To-do
Viele Unternehmen gaben in der Befragung heuer Einblicke in ihre Strategien zur Reduktion des Kostendrucks oder zur Erhöhung der Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dabei zeigt sich: Kooperationen sind das A und O und werden gezielt gesucht, initiiert undgelebt – sei es die Teilnahme an Einkaufs-gemeinschaften, die Mitgliedschaft in einem Markenverbund oder individuellere Regionalkooperationen. Die Unternehmen sind in über 91 % der Fälle mit ihrer Kooperation zufrieden. Besonders positiv werden Gesprächsplattformen hervorgehoben, bei denen man sich zum regelmäßigen Erfahrungsaustausch oder Workshops trifft. Häufig gehen aus solchen Gesprächs-zirkeln weitere Kooperationen hervor.
 

​Prognose Sommer

Österreichs Tourismusbetriebe wurden zu ihren Erwartungen an die bevorstehende Sommersaison 2019 sowie zu ihrer Einschätzung hinsichtlich der Umsatzentwicklung befragt.

68 % rechnen mit Umsatzzuwächsen im Vergleich zum Vorjahr. Bei den Beherbergungsunternehmen gehen rund 50 % von einer Nächtigungssteigerung aus. Für das gesamte aktuelle Geschäftsjahr erwarten 59 % aller Befragten einen höheren Umsatz. In Wien ist ein deutlich größerer Optimismus als im Österreichschnitt zu sehen. 92 % rechnen hier mit einem Anstieg im Sommer. Im Gegenpol Vorarlberg sieht man für den Sommer aber auch nicht schwarz: 65 % erwarten Umsatzzuwächse.

SS_2019.jpg

To-do
Sowohl gute als auch schlechte Ergebnisse sollten reflektiert werden. Gerade in Saisonbetrieben
sind gegen Saisonende die Kräfte häufig erschöpft. Zeit und vor allem Muße, die Saison in all ihren Höhen und Tiefen Revue passieren zu lassen, ist oft nicht vorhanden. Aber: Es lohnt sich. Gerade das Einbeziehen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in derartige Reflexionen bringt einen Mehrwert. Durch das gemeinsame Ergründen von Erfolgen und Misserfolgen sowie das Erarbeiten von Lösungen für aktuelle Herausforderungen kann das Team Strategien im Umgang mit schwierigen Situationen lernen.
 

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Der Arbeitsmarkt bleibt angespannt. Die Verfügbarkeit von Arbeitskräften hat 2019 weiter abgenommen. Derzeit sind drei Viertel aller Betriebe auf der Suche nach Fachkräften.

MA_Barometer-(1).jpgViele Unternehmen zeigen Initiative und bemühen sich um ein bestmögliches Auftreten. Mit der Einführung der Arbeitszeitflexibilisierung wurde seitens der Politik versucht, die Betriebe zu entlasten. Jedoch konnten nur rund 28 % der Befragten daraus einen Nutzen ziehen. Der demografische Wandel der Bevölkerung wird auch für die Tourismusbranche immer wichtiger.

Rund drei Viertel der Befragten sind derzeit auf der Suche nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Beherbergungsbetriebe suchen vor allem für den Bereich Service, gefolgt von Küche und Rezeption. Für alle Touristiker ist das Finden von Arbeitskräften herausfordernd, im Vergleich zum Vorjahr wurde es für 43 % der Unternehmen noch schwieriger. Können Stellen nicht besetzt werden, hilft in vielen Fällen die Familie durch Mehrarbeit aus. In großen Betrieben fängt die Abteilungsleitung Lücken durch unbesetzte Stellen auf. In 68 % der Fälle gelang es Österreichs Tourismusbetrieben heuer durch diese Mehrarbeitsleistung, das Angebot unverändert aufrecht zu erhalten. Diesen Unternehmen kommt die Arbeitszeitflexibilisierung entgegen.

Es ziehen weitaus weniger Betriebe Nutzen aus dem 12-Stunden-Tag als erwartet. Bei vielen passt der 12-Stunden-Tag nicht in den Lebensplan der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Unternehmen wollen ihre Teams nicht derart belasten. Andere loben die Idee, kritisieren jedoch die praxisfremde Umsetzung. Der Durchrechnungszeitraum, bei dem im Viermonatszeitraum im Schnitt maximal 48 Wochenstunden gearbeitet werden darf, sei für einen Saisonbetrieb schwierig zu erfüllen, die Ruhezeiten – grundsätzlich 11 Stunden, in Hotel- und Gastgewerbe in bestimmten Fällen auf 8 Stunden reduzierbar – seien schwer einzuhalten.

To-do
Der Arbeitsmarkt befindet sich im Wandel. Unternehmen, die die Wünsche ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ignorieren, geraten zunehmend ins Hintertreffen. Viele gehen neue Wege, um ihre Teams zufriedenzustellen und damit den Grundstein für den Unternehmenserfolg zu legen. Österreichweit haben sich zahlreiche regionale Betriebs-kooperationen bewährt: Ob persönlich gestaltete Jobplattformen oder Initiativen zum saisonalen Jobwechsel in Betrieben der Region – ein aktives Bemühen um die Arbeitskräfte lohnt sich.
 

Investition und Finanzierung

Um in der Ertragskraft nicht abzusinken, sind die Preise laufend anzupassen. Das ist nur bei konstanter Qualität möglich. Nachdem weite Teile des Tourismus sehr anlageintensiv sind, gehen der Erhalt und die Verbesserung der Qualität sowie die Angebotserweiterung sehr häufig mit kapitalbindenden Investitionen einher. 

Investitionen_-_Finanzierung.jpgDie Hochkonjunktur des Jahres 2018 brachte auch für touristische Finanzie-rungen eine Entspannung mit sich. Laut WIFO-Konjunkturprognose für 2019 und 2020 wird diese zumindest im Dienstleistungssektor anhalten. Gestützt wird sie durch den erwarteten hohen Privatkonsum, der auf leicht überdurchschnittlichen Lohnabschlüssen 2019 und einer tendenziell expansiven Fiskalpolitik fußt. Der Dreimonatszins wird sich voraussichtlich ab 2020 leicht erholen und erstmals wieder einen geringen Wert über Null einnehmen. In 60 % der Betriebe (2018: 72 %) erfolgen die Investitionen für 2019 wie ursprünglich geplant. Weitere 14 % weichen von den geplanten Investitionen nach oben ab (2018: 16 %), 26 % nach unten (Vorjahr 12 %).

Finanzierung
Die Kreditfinanzierung über heimische Banken ist nach wie vor die Hauptquelle für Fremdkapital. Der Zugang dazu ist für 55 % der Tourismusbetriebe unverändert, für 12 % sogar leichter geworden. Ähnlich wie 2018 empfanden auch heuer 33 % (2018: 30%) den Zugang zu Kreditfinanzierungen schwieriger als in den Vorjahren. Alternative Finanzierungsformen wie Crowd Investing, „Buy-to-Let“-Modelle oder der Verkauf von Unternehmensanteilen sind für österreichische Touristikerinnen und Touristiker nicht von Relevanz. Crowd-Investing-Projekte gibt es nur vereinzelt. Auch „Buy-to-Let“-Finanzierungen, wo Teile eines Betriebes wie etwa Wohneinheiten in einem Beherbergungsbetrieb veräußert werden, der Betrieb des gesamten Hauses jedoch einheitlich durch eine Person erfolgt, sind im Österreichschnitt eher selten. Die Veräußerung von Unter-nehmensanteilen kommt ebenso selten vor.

To-do
Die Kreditfinanzierung über Banken ist die beliebteste Form von Unternehmensfinanzierungen im Tourismus. Im Vorjahr warteten die Touristikerinnen und Touristiker noch gespannt auf politische Impulse für Österreichs Wirtschaft. Im Regierungsprogramm wurde unter anderem eine Garantievergabe für Unternehmenskredite in Aussicht gestellt, um den Kreditzugang zu erleichtern. Auf die Umsetzung wartet die Branche noch.

Weitere Impulse für Unternehmen sind aus der Steuerreform zu erwarten. Diese soll bis Mitte 2019 ausgearbeitet sein. Mit Anfang Mai 2019 ist bekannt, dass der Eingangssteuersatz der progressiven Einkommensteuer 2021 von 25 % auf 20 % sinken soll. Eine Senkung der Einkommensteuer für höhere Tarifstufen folgt 2022, kleine Einkommen werden ab 2020 von der Sozialversicherung durch einen SV-Bonus entlastet. Speziell für Unternehmerinnen und Unternehmer wird außerdem die Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter, die im Jahr der Anschaffung sofort abgeschrieben werden können, von derzeit EUR 400,- im Jahr 2020 auf EUR 800,- und im Jahr 2021 auf EUR 1.000,- erhöht. Auch die Umsatzsteuerbefreiung für Kleinunternehmen wird von derzeit EUR 30.000,- Jahresumsatz auf
EUR 35.000,- angehoben.

Darüberhinaus wird eine neue Gewinnpauschalierung in Aussicht gestellt. 2022 dürfen sich dann alle GmbH und AG freuen: Die Körperschaftsteuer wird von derzeit 25 % auf 23 % gesenkt. Des Weiteren wird der Grundfreibetrag des Gewinnfreibetrages von derzeit EUR 30.000,- auf EUR 100.000,- erhöht. Das bedeutet, dass die betriebliche Steuerbemessungsgrundlage bei einem Gewinn von EUR 100.000,- automatisch um EUR 13.000,- gesenkt werden kann. Dafür sind keinerlei Investitionen nötig.
 

Hot Topic: Wertschöpfung & Nachhaltigkeit

Das Hot Topic dreht sich 2019 um die Frage der unternehmerischen Wertschöpfung und damit letztendlich um die Ertragskraft – die nachhaltige Gewinnerzielungsmöglichkeit eines Unternehmens. ​Der Tourismusbarometer zeigt: Ein Weg zum langfristigen Erhalt der Ertragskraft ist ressourcenschonendes Agieren.

Prinzipiell herrscht Zufriedenheit mit der vergangenen Wintersaison, bei genauerem Blick zeigt sich ein deutliches Ost-West-Gefälle nach der unterschiedlichen Entwicklung in Wien auf der einen Seite und Tirol bzw. Vorarlberg auf der anderen. Die Zufriedenheit mit der Ertragskraft ist nicht so hoch, wie die Preisdurchsetzung erwarten ließe. Der Hauptgrund dafür liegt in den stark gestiegenen allgemeinen Kosten. Was die Umsatzerwartung für den Sommer und das gesamte Wirtschaftsjahr betrifft, ist breiter Optimismus erkennbar. Für die Beherbergungsbranche bemerkenswert ist, dass man einen stärkeren Umsatz- als Nächtigungsanstieg erwartet. 83 % aller Tourismusunternehmen wollen ihr Preisniveau im Sommer anpassen. Die Preisdurchsetzungserwartung ist hoch. Beim Revenue Management ist noch Luft nach oben. Darunter versteht man die Steuerung der Auslastung über differenzierte Preise. Eine langfristigere Strategie zur Erhöhung der Ertragskraft ist der Umstieg auf nachhaltigen Tourismus.
Nachhaltigkeit im Tourismus als Weg zur Wertschöpfungssteigerung?

Im Plan T des im Befragungszeitpunkt agierenden Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus wird gefordert, dass Nachhaltigkeit im Sinne der Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO) die Basis für Österreichs Tourismus werden muss. So heißt es: „Nachhaltiger Tourismus berücksichtigt die durch ihn verursachten aktuellen und zukünftigen Auswirkungen auf wirtschaft-licher, sozio-kultureller und ökologischer Ebene und geht auf die Bedürfnisse der Gäste, der Branche, der Umwelt und der Einheimischen ein.“ Beispielhaft wird im Bericht des Ministeriums angeführt, dass bereits kleine Maßnahmen von Energiesparen bis zu Plastikvermeidung große Erfolge im Sinne der Nachhaltigkeit erzielen können. Auch genannt werden der achtsame Umgang mit Lebensmitteln sowie deren Herkunft und Qualität. Der Tourismusbarometer 2019 hat erfragt, inwieweit Österreichs Tourismusbetriebe bereits auf Nachhaltigkeit setzen. Ganz deutlich geht dabei hervor, dass umweltschonende Maßnahmen als positiv für alle Stakeholder beurteilt werden. 87 % von ihnen setzen umweltschonende und nachhaltige Maßnahmen um. Österreichs Tourismusbetriebe wissen, dass sie direkt von einer intakten Landschaft profitieren und handeln danach.

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To-do
Nachfrageseitig geht es dem österreichischen Tourismus aktuell gut. Die Auslastung ist zumindest konstant und die Preise können gesteigert werden. Ausgabenseitig stehen die Betriebe aber vor Herausforderungen. Einerseits kosten Maßnahmen zur Preiserhöhung – wie Investitionen in den Erhalt und die Verbesserung der Infrastruktur – Geld. Andererseits steigen die allgemeinen Kosten – allen voran jene für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Ertragskraft zu steigern erfordert zusätzliche Maßnahmen. Eine davon ist der Einsatz von Revenue Management. In der Hotellerie funktioniert die differenzierte Preisgestaltung in der Regel softwaregesteuert: Zimmerpreise werden bei kurzfristigen Verfügbarkeiten und in generell auslastungsschwachen Zeiten gesenkt. In stark gebuchten Perioden werden die Preise automatisiert erhöht. Lernfähige Systeme beobachten zudem den Mitbewerb sowie dessen Preisverhalten und lassen die gewonnenen Erkenntnisse ebenfalls in die Preisgestaltung einfließen.

Mit einem Kongress unter dem Motto #RethinkTourism hat die ÖHV dem Thema Nachhaltigkeit 2019 ebenfalls eine Gesprächsplattform für die österreichische Hotellerie eingeräumt. Gleichzeitig war dies der Startschuss für die Nachhaltigkeitsinitiative „Zeichen setzen“, deren Fokus auf Energieeffizienz sowie Plastik- und Abfallvermeidung gerichtet ist. Über das ganze Jahr hinweg werden Lösungen, Best Practices und mögliche Produkte zur Erreichung von Umweltzielen vorgestellt. Denn die Anforderungen an die gesamte Tourismusbranche sind hoch: Es gilt die Umwelt zu schützen, Kosten zu sparen, die Effizienz zu steigern und darüber hinaus auch noch neue Gesetzesvorgaben wie das kommende Plastikverbot umzusetzen. Es gibt schon zahlreiche Beispiele für gelebte Nachhaltigkeit im österreichischen Tourismus.
 

Kontakt

Oliver Schenk, MA

Public Affairs