Rot-Weiß-Rot Karte

Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Voraussetzungen für verschiedene Berufsgruppen zum Erhalt einer Rot-Weiß-Rot-Karte (im Folgenden kurz: RWRK); für den Tourismus besonders interessant ist jene für Fachkräfte in Mangelberufen.


Wer kann eine RWRK für "Fachkräfte in Mangelberufen" beantragen?

Staatsangehörige eines Drittstaats; das sind Personen, die weder EWR-Bürger noch Schweizer sind.
 
Die RWRK ist zur längerfristigen Integration von Drittstaatsangehörigen in den österreichischen Arbeitsmarkt gedacht, nicht zur Abdeckung kurzfristiger Spitzen.


Was sind die Voraussetzungen für einen Antrag?

1. Nachweis einer abgeschlossenen Berufsausbildung (Fachkraft) in einem Mangelberuf laut Verordnung.

Diese Ausbildung muss mind. gleichwertig dem österreichischen Lehrabschluss sein.
  • Eine Tätigkeit, die in einem Beruf zwar für einen längeren Zeitraum aber ohne entsprechenden, zur Tätigkeit „passenden“ Berufsabschluss ausgeübt wurde, gilt weder als Berufsausbildung noch als Berufserfahrung (z.B. Zimmermädchen).
  • Für Hilfskräfte kann keine RWRK beantragt werden.
  • Achtung! Nachweise können gefälscht sein. Das AMS überprüft dies, wenn der Verdacht besteht; das kann zu längeren Wartezeiten führen.

Mangelberufsliste 2019 („Bundesliste“)

Für das Jahr 2019 gilt folgender Beruf als Mangelberuf für das Hotel- und Gastgewerbe für ganz Österreich:
  • Gaststättenköch(e)innen
Die taxative Auflistung der Berufe, die unter diesen Sammelbegriff fallen, finden Sie hier zum Download.

Die auf der gesamtösterreichischen Mangelberufsliste stehenden Berufe sind zahlenmäßig nicht limitiert!
 
Anm.: Für Köche mit abgeschlossener Berufsausbildung können alternativ auch Anträge als „Sonstige Schlüsselkräfte“ gestellt werden. In diesem Fall darf jedoch die aktuelle Lohnuntergrenze von 3.132 Euro (2019) brutto pro Monat zuzüglich Sonderzahlungen bei über 30-Jährigen und von 2.610 Euro (2019) brutto pro Monat zuzüglich Sonderzahlungen bei unter 30-Jährigen nicht unterschritten werden!
 
Mangelberufe für Fachkräfte in bestimmten Bundesländern („regionale Liste“)
Der Arbeitgeber muss eine Beschäftigung in einem der aufgelisteten Bundesländer anbieten (d.h. z.B. ein Vorarlberger Hotelier in einem Vorarlberger Hotel). Im Jahr 2019 können insgesamt höchstens 300 Zulassungen erteilt werden - für alle auf der „regionalen Liste“ befindlichen Berufe in allen Bundesländern zusammengezählt:
 
Oberösterreich Kellner/innen  
Salzburg Kellner/innen Wirtschafter/innen (= Hotel- u. Gastgewerbekaufmann/-frau), andere Hotel-, Gaststätten-fachleute, Heimverwalter/innen
Tirol Kellner/innen Wirtschafter/innen (= Hotel- u. Gastgewerbekaufmann/-frau), andere Hotel-, Gaststätten-fachleute, Heimverwalter/innen
Vorarlberg Kellner/innen Wirtschafter/innen (= Hotel- u. Gastgewerbekaufmann/-frau), andere Hotel-, Gaststätten-fachleute, Heimverwalter/innen
  Die taxative Auflistung der Berufe, die unter den Sammelbegriff fallen, finden Sie  hier zum Download. Weitere Informationen bzgl. der Berufe, die unter die obige Sammeldefinition fallen, erhalten Sie beim AMS bzw. finden Sie hier zum Download.

2. Vorliegen eines verbindlichen Arbeitsplatzangebots in Österreich und
das Unternehmen bezahlt das nach Kollektivvertrag zustehende Mindestentgelt
  • Gibt es eine betriebsübliche Überzahlung, so ist auch diese zu gewähren.

3. Erreichen einer Mindestpunktezahl der „Zulassungskriterien für Fachkräfte“

Diese Kriterien werden genau geprüft! Sollte ein Antragsteller die 55 (von 90 möglichen) Mindestpunkten nicht erreichen, kann keine Erteilung erfolgen.
 
Die Zulassungskriterien können Sie hier nachlesen.
Anmerkungen:
  • „Ausbildungsadäquate Berufserfahrung“ / „pro Jahr“ bedeutet: 12 volle Monate berufliche Tätigkeit im entsprechenden Beruf im In- bzw. Ausland nachweisbar; es müssen Dienstzeugnisse und Arbeitsbestätigungen vorgelegt werden. Nur die Vorlage eines Lebenslaufs reicht nicht aus!
  • Sprachkenntnisse müssen ebenfalls nachgewiesen und bei bestimmten Bildungsträgern gemäß den Vorgaben des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen erworben worden sein (vor der Antragstellung). Wenn eine Person jedoch augenscheinlich gut Deutsch spricht, kann der Nachweis durch bloße Ablegung eines entsprechenden Sprachtests erbracht werden; diesbezügliche Detailfragen klärt das AMS.

4. Allgemeine Voraussetzungen für die Erteilung von Aufenthaltstiteln

  • Gesicherter Lebensunterhalt: im Falle der RWRK für „Fachkräfte in Mangelberufen“ ist das der KV-Lohn
  • Krankenversicherung: verpflichtende Anmeldung zur Sozialversicherung
  • Anspruch auf eine ortsübliche Unterkunft. Achtung! Der „Nachweis der ortsüblichen Unterkunft“ soll – gemäß Ministerratsbeschluss vom 27.02.2019 – wegfallen; die Gesetzwerdung bleibt noch abzuwarten. Derzeit gilt, dass eine unentgeltliche, jederzeit ohne Kündigungsfrist widerrufbare Wohngelegenheit nicht dem Erfordernis auf Anspruch einer ortsüblichen Unterkunft entspricht, weil damit kein Anspruch auf Gewährung der Unterkunft begründet wird.
  • Keine Gefährdung der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit


Wo und wie erfolgt die Antragstellung?

Bevor Sie den formellen Weg einer Antragstellung gehen, empfehlen wir Ihnen den Kontakt mit Ihrem AMS (Service für Unternehmen oder AusländerInnenfachzentrum), um zu klären, ob die Voraussetzungen für einen Antrag grundsätzlich gegeben sind!


Antragsteller

Der potenzielle Arbeitnehmer kann die RWRK persönlich bei der zuständigen österreichischen Vertretungsbehörde (Botschaft oder Konsulat) seines Heimatstaates bzw. des Staates, in dem er niedergelassen ist, beantragen.
Benötigt die Person aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit kein Visum für die Einreise nach Österreich („sichtvermerksfrei“), wie z.B. ein bosnier Staatsbürger, so kann sie den Antrag auch bei der zuständigen Aufenthaltsbehörde in Österreich stellen.
 
Da die RWRK auch vom Arbeitgeber beantragt werden kann, empfiehlt es sich in der Praxis, dass der Betrieb den Antrag bei der zuständigen Aufenthaltsbehörde im Inland (Bezirkshauptmannschaft oder Magistrat) stellt.
  • In Wien: Einwanderungsbehörde (MA 35); Erstanträge: Fachbereich Einwanderung Referat 1.3 – Erstantragszentrum; Verlängerungsanträge: Fachbereich Einwanderung - Außenstellen in den Bezirken

Vorzulegende Dokumente

  • Die vom potenziellen Arbeitnehmer vorzulegenden Dokumente finden Sie hier gelistet; die von der MA 35 geforderten Dokumente finden Sie hier.
  • Zum „Nachweis der ortsüblichen Unterkunft“ siehe Vermerk oben.
  • Antrag des potenziellen Arbeitnehmers
  • Vom Arbeitgeber ist eine Arbeitgebererklärung vorzulegen: Das ist eine Bestätigung des Unternehmens mit genauen Angaben zum künftigen Arbeitsplatz.
 
Die zu verwendenden Formulare finden Sie hier zum Download. Bitte, verwenden Sie jene unter „11) Rot-Weiß-Rot – Karte“.

Stellen Sie einen Antrag rechtzeitig vor dem geplanten Beginn eines Dienstverhältnisses

Bitte beachten Sie, dass den befassten Behörden (Aufenthaltsbehörde prüft aufenthaltsrechtliche Voraussetzungen, AMS die arbeitsrechtlichen) je vier Wochen – also insgesamt ca. acht Wochen - Bearbeitungszeit zur Verfügung stehen.


Wofür berechtigt die Rot-Weiß-Rot–Karte?

Die RWRK berechtigt zur befristeten Niederlassung sowie zur Beschäftigung bei dem im Antrag angegebenen Unternehmen.
  • Sie ist gleichzeitig Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung.
  • Sie gilt für zwei Jahre (24 Monate); danach kann die Rot-Weiß-Rot-Karte plus beantragt werden (mehr Informationen zur RWRK plus finden Sie weiter unten).

Zu beachten

Drittstaatsangehörige, für die Visumpflicht besteht, benötigen nach vorläufiger Zusage für die RWRK (diese erteilt die Aufenthaltsbehörde) einen Sichtvermerk (VISA C oder D) zur Einreise nach Österreich und zum Abholen des Aufenthaltstitels; die RWRK wird erst in Österreich ausgestellt.
Weitere Visa sind nicht notwendig.
 
Unmittelbar nach der Einreise nach Österreich sollte der künftige Arbeitnehmer sich bei der Aufenthaltsbehörde melden. Dort erfolgt die finale Erledigung der RWRK bzw. die Aushändigung oder zeitnahe Zusendung. Die Arbeit bei dem in der RWRK angegebenen Unternehmen kann erst dann aufgenommen werden, wenn der Arbeitnehmer die RWRK in Händen hat.
Mit Dienstbeginn hat auch die Anmeldung bei der Sozialversicherung zu erfolgen.
 
Personen, die mit vorläufiger Zusage für eine RWRK nach Österreich einreisen, unterliegen der Meldeverpflichtung nach dem Meldegesetz (An- und Abmeldung bei der zuständigen Meldebehörde innerhalb von drei Tagen).
 
Bei einem Arbeitgeberwechsel innerhalb der ersten zwei Jahre muss eine neue RWRK beantragt werden.


Rot-Weiß-Rot–Karte plus

Inhaber einer RWRK können rechtzeitig vor Ablauf der RWRK einen Antrag auf die Rot-Weiß-Rot-Karte plus stellen.
Voraussetzung: zumindest 21 Monate dauernde Beschäftigung innerhalb der letzten 24 Monate unter den für die Zulassung maßgeblichen Voraussetzungen. Die Prüfung obliegt dem Arbeitsmarktservice.
 
Die RWRK plus berechtigt Drittstaatsangehörige zur befristeten Niederlassung, zum unbeschränkten Arbeitsmarktzugang (selbständige und unselbständige Erwerbstätigkeit, nicht auf einen bestimmten Arbeitgeber beschränkt) sowie zum Familiennachzug.
Die RWRK plus wird für drei Jahre ausgestellt und ist ebenfalls Aufenthalts- und Arbeitstitel.
 
Informationen zur RWRK plus finden Sie hier.
 
 
Zur besseren Lesbarkeit haben wir in dieser Information Begriffe, die sich zugleich auf Frauen und Männer beziehen, in der männlichen Form angeführt. Dies soll jedoch keinesfalls Geschlechterdiskriminierung oder eine Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes zum Ausdruck bringen.
 

Kontakt

Margot Leitner

Regionsmanagement