Kollektivvertrag Hotel- und Gastgewerbe


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Der Kollektivvertrag regelt viele Rechte und Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis, welche nicht in Gesetzen geregelt sind, wie z.B. Mindestgehälter, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, usw.

Regelungen in Kollektivverträgen dürfen durch Betriebsvereinbarungen und Arbeitsverträge nicht verschlechtert werden.
 

Kollektivvertrag 2019/20


Seit 01. Mai 2019 gelten in der Hotellerie neue kollektivvertragliche Mindestlöhne und Mindestgehälter. Gleichzeitig sind in den Kollektivverträgen zahlreiche redaktionelle Änderungen, die durch gesetzliche Neuregelungen erforderlich wurden, in Kraft getreten. Völlig neu ist, dass - wie von der Politik gewünscht - bestimmte Karenzen, die seit 01. Mai 2019 in Anspruch genommen werden, auf dienstzeitabhängige Ansprüche angerechnet werden müssen. Im Folgenden die für Sie wichtigen Details.
 
Die neuen Löhne und Gehälter
 
Die Löhne in den Lohngruppen 5 und 4 sind seit 01. Mai 2019 österreichweit gleich. Der Lohn in der Lohngruppe 5 beträgt 1.540 Euro, der Lohn in der Lohngruppe 4 beträgt 1.600 Euro. Das Gehalt in der Beschäftigungsgruppe 5 ist ebenfalls österreichweit gleich und beträgt 1.540 Euro.
 
Die prozentuellen Lohnerhöhungen in den Lohn- und Gehaltstabellen der einzelnen Bundesländer differieren zum Teil deutlich, weil weiterhin die Absicht besteht, das Lohn- und Gehaltsniveau in den einzelnen Bundesländern aneinander anzugleichen. Das ist nur möglich, indem die Löhne und Gehälter in Bundesländern mit niedrigerem Lohn- bzw. Gehaltsniveau stärker angehoben werden als die Löhne und Gehälter in den Bundesländern mit höherem Lohn- bzw. Gehaltsniveau.
 
Der rechnerische Durchschnittswert der kollektivvertraglichen Lohnerhöhungen in allen Bundesländern beträgt 2,76 %, der rechnerische Durchschnittswert der kollektivvertraglichen Gehaltserhöhungen in allen Bundesländern beträgt 2,47 Prozent.
 
Mit dem Durchschnittswert von 2,76 % werden auch die Löhne im gemischten Lohnsystem in den Bundesländern Steiermark, Tirol und Vorarlberg aufgewertet.
 

Bitte beachten Sie!

Wie bei allen Kollektivvertragsabschlüssen in der Vergangenheit wurden lediglich die kollektivvertraglichen Mindestlöhne und Mindestgehälter angehoben. Es wurde keine Erhöhung der Ist-Löhne bzw. der Ist-Gehälter vereinbart. Es wurde auch generell keine Verpflichtung zur Aufrechterhaltung bestehender Überzahlungen vereinbart. Eine solche besteht nur in seltenen Einzelfällen für Mitarbeiter in Bundesländern mit gemischtem Lohnsystem, bei denen sich nach der Umstufung in das neue Lohnsystem eine Reduktion des kollektivvertraglichen Mindestlohns ergeben hat.

 
Die neuen Lehrlingsentschädigungen
 
Die Lehrlingsentschädigungen sind für alle in den Kollektivverträgen für Arbeiter und für Angestellte angeführten Lehrberufe gleich. Sie betragen im 1. Lehrjahr 760 Euro, im 2. Lehrjahr
860 Euro, im 3. Lehrjahr 980 Euro und im 4. Lehrjahr 1.075 Euro.
 
Die neuen Zulagen und Zuschläge
 
Der Nachtarbeitszuschlag beträgt 23 Euro, die Fremdsprachenzulage beträgt 31,50 Euro und die Fehlgeldentschädigung beträgt 32,50 Euro.
 
Die Bereitstellung von Quartier
 
Die in den Lohntabellen der Bundesländer Kärnten, Salzburg und Vorarlberg enthaltene Regelung, wonach monatlich ein Betrag in einer bestimmten Höhe für die Bereitstellung von Quartier einbehalten werden kann, ist seit 01. Mai 2019 ersatzlos gestrichen.
 

Bitte beachten Sie!

Damit ist nunmehr auch in diesen Bundesländern klargestellt, dass der Arbeitgeber nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes vom 28.10.2013 die tatsächlichen Kosten für die zur Verfügung gestellte Wohnung vom kollektivvertraglichen Mindestlohn abziehen kann, wenn diese Kosten den Gestehungspreis bzw. die Anschaffungskosten der Wohnung nicht übersteigen, eine Verdienstspanne für den Arbeitgeber ausgeschlossen und die Existenz des Mitarbeiters gesichert ist.


Die neue Anrechnung von Karenzen

Der Nationalrat auch diesmal vor Nationalratswahlen gesetzliche Änderungen zulasten der Betriebe beschlossen - diesmal zur Anrechnung von Elternkarenzzeiten. Die mit Mai 2019 in Kraft getretenen Änderungen sind somit überholt. Welche Regelungen aktuell gelten haben wir hier für Sie zusammengefasst.


Die redaktionellen Anpassungen im Kollektivvertrag für Arbeiter
 
Klargestellt wird, dass die Durchrechnung des 6. Wochentages auch für Saisonbetriebe gilt. Das bedeutet: In Saisonbetrieben dürfen in einzelnen Wochen Mitarbeiter an 6 Tagen eingesetzt werden, ohne dass Überstunden für den 6. Tag anfallen, wenn die Mitarbeiter im Schnitt der Saison maximal 5 Tage pro Woche arbeiten.
 
Sämtliche Bestimmungen im Kollektivvertrag, welche die Verkürzung der täglichen Ruhezeit auf 8 Stunden und das Ruhezeitkonto regeln, werden ersatzlos gestrichen. Damit wird klargestellt, dass einzig und allein die gesetzlichen Bestimmungen des Arbeitszeitgesetzes zur Verkürzung der täglichen Ruhezeit auf 8 Stunden gelten.
 
Die Bestimmungen im Kollektivvertrag, wonach wöchentlich maximal 15 Überstunden bzw. täglich maximal 10 Stunden geleistet werden dürfen, werden ersatzlos gestrichen. Damit wird klargestellt, dass die gesetzlich mögliche Höchstarbeitszeit von 60 Stunden/Woche und 12 Stunden/Tag uneingeschränkt gilt.
 
Die Regeln über den Dienstplanaushang werden an die gesetzliche Vorgabe von 2 Wochen angepasst.
 
Die Regeln über die fallweise Beschäftigten bleiben über den 01. Mai 2019 erhalten. Der Kollektivvertrag ändert lediglich den Verweis auf die gesetzliche Grundregelung von § 471 b ASVG auf neu § 33 Abs. 3 ASVG. Der Mindestlohn für fallweise Beschäftigte beträgt weiterhin 120 % des kollektivvertraglichen Mindestlohnes für die der Tätigkeit entsprechende Lohngruppe.
 
Dr. Günter Setinlechner, Mai 2019
 

Wie wird richtig nach KV eingestuft?

Welche Rolle spielen Qualifikation und tatsächlicher Aufgabenbereich bei der Einstufung? Wer gehört in welche Beschäftigungsgruppe? Wie sind Professionisten wie Masseure oder Elektriker einzuordnen? Dr. Günter Steinlechner ist DER Experte zum Thema Kollektivvertrag der Hotellerie und Gastronomie und hat das Thema umfassend für uns zusammengefasst. > hier zum Download
 

Geltung mehrerer KVs in einem Hotel

Die Zugehörigkeit eines Kollektivvertrags hängt zunächst von der Mitgliedschaft des Arbeitgebers zu der entsprechenden Fachorganisation der Wirtschaftskammer und damit von der Gewerbeberechtigung ab. Hat der Arbeitgeber eine Gewerbeberechtigung und verfügt die Fachorganisation für dieses Gewerbe über einen Kollektivvertrag, findet eben dieser Anwendung für alle erfassten Dienstverhältnisse.
 
Verfügt ein Arbeitgeber über mehrere Gewerbeberechtigungen in unterschiedlichen Fachorganisationen, für welche Kollektivverträge ausgehandelt wurden, sind die für jeden Wirtschaftsbereich geltenden Kollektivverträge anzuwenden, sofern der Betrieb in Betriebsteile oder in organisatorisch und fachlich abgegrenzte Betriebsabteilungen aufgeteilt ist. Diese Abgrenzung muss durch den ausschließlichen Einsatz der Arbeitnehmer in der jeweiligen Betriebsabteilung, eine räumliche Trennung, getrennte Abrechnungen und einen separaten Verantwortlichen (Abteilungs- oder Bereichsleiter) gekennzeichnet sein.
 
Findet sich in einem Mischbetrieb keine organisatorische und fachliche Trennung der gewerblichen Tätigkeiten kommt trotz des Vorhandenseins mehrerer Kollektivverträge nur jener zum Einsatz, welcher für den maßgeblichen Wirtschaftsbereich (das Kerngeschäft des Betriebes) steht bzw. für welchen Bereich österreichweit die größere Anzahl an Arbeitnehmern erfasst ist.

Stand: Mai 2018

Kontakt

Carina Rabelhofer

Mitgliederservice